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Niederländische Polizei will mit Augmented Reality Tatorte untersuchen

von Tomislav Bezmalinovic6. Dezember 2016

Niederländische Polizeikräfte könnten demnächst Tatorte mit Hilfe von Augmented Reality untersuchen. Erste Tests verliefen erfolgreich, in einem halben Jahr soll die Technik einsatzbereit sein.

Die Polizisten sollen eine Kamera am Körper tragen, die Bilder vom Tatort live in die Polizeizentrale überträgt. Eine Reihe von Spezialisten könnten dort die Aufnahmen in Echtzeit sichten und den Polizisten mit Hilfe von digitalen Einblendungen mitteilen, worauf sie bei der Untersuchung des Tatorts und der Sicherung von Beweisen achten müssen.

Diese Einblendungen würden auf dem Smartphone oder auf einer AR-Brille angezeigt, die von den Polizisten getragen wird. Sieht der Spezialist ein Objekt, das wichtig sein könnte, kann er dieses markieren. Der Polizist erkennt dann auf der AR-Brille einen Pfeil, der ihn auf das Objekt aufmerksam macht.

Auf diese Weise könnten Polizisten, die im Feld arbeiten, von Forensikern und andere Spezialisten unterstützt werden, selbst wenn sie hunderte Kilometer weit entfernt sind. Und es würden keine Beweise vernichtet, weil sich eine große Anzahl an Personen am Tatort aufhält.

“Die Technologie macht es möglich, dass die richtige Information die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt erreicht, in einer Weise, die leicht zugänglich ist,” erläutert Nick Koeman von der niederländischen Polizei gegenüber New Scientist.

Die Aufnahmen könnten bei Gerichtsverfahren verwendet werden

Auf die Technologie soll vorerst nur bei der Untersuchung von Tatorten zurückgegriffen werden, bei Verhaftungen wird sie noch nicht eingesetzt. Koeman zufolge würden die zusätzlichen Informationen die Polizisten zu sehr ablenken.

Die Aufnahmen könnten künftig auch bei Gerichtsverfahren zum Einsatz kommen. “Der Vorteil von Augmented Reality ist, dass man für die Geschworenen einen Tatort rekonstruieren kann”, sagt Michael Buerger, Professor für Strafrecht an der Bowling Green State University in Ohio.

Tatsächlich besitzt eine AR-Brille wie Hololens bereits heute über Tiefenkameras, die den umgebenden Raum vermessen und abspeichern können. Buerger meint, dass man, um Augmented Reality als Beweismaterial nutzen zu können, erst noch die Gesetze werde anpassen müssen.

Die Software wurde vom niederländischen AR-Unternehmen Twnkls und von der Technischen Universität Delft während fünf Jahren entwickelt. Das Produkt soll in sechs Monaten vollständig einsatzbereit sein.

| Featured Image: Twnkls

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