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Oculus’ Forschungsabteilung entwickelt Multifokus-Display

von Matthias Bastian16. Mai 2017

Oculus VR arbeitet an einer Displaytechnologie, die den natürlichen Fokus des Auges auf mehrere Tiefenebenen mit der VR-Brille ermöglicht. Die größte Einschränkung ist das noch geringe Sichtfeld.

Bei aktuellen VR-Brillen sind die Linsen auf eine fixe 2D-Ebene des Displays scharf gestellt. Dieser Fokuspunkt ist nicht verrückbar. Steht man in einer virtuellen 3D-Welt und schaut gefühlt in die Ferne, fokussieren die Augen in der Realität noch immer das 2D-Display nahe vor dem Gesicht.

Dieser motorische Konflikt soll Mitverursacher der VR-Übelkeit sein und verhindert ein natürliches Sehgefühl. Außerdem sind die langfristigen Auswirkungen auf das Sehvermögen bei dauerhafter Nutzung von VR-Brillen noch ungeklärt.

Oculus VR arbeitet an einer neuartigen Displaytechnologie, die diesen Konflikt lösen könnte. Das gelingt mit einem “Raumlichtmodulator”, der zwischen Display und Linsen angebracht wird und den Fokus auf unterschiedliche Tiefenebenen des Bildes erlaubt.

In Kombination mit einem Eye-Tracking-System kann der Raumlichtmodulator das Licht, das vom Display ausgesandt wird, passend zum Fokuspunkt des Nutzers krümmen und an die Linsen senden.

Der VR-Brillenträger kann so Punkte auf mehreren Ebenen fokussieren und nimmt dabei einen natürlichen Unschärfeeffekt ähnlich wie im echten Leben wahr. Würde das Eye-Tracking-Verfahren ohne Raumlichtmodulator angewandt, wäre die Berechnung der verschiedenen Fokuspunkte und die Darstellung der Unschärfe nur künstlich möglich. Das Problem, dass das Licht des Displays immer aus der gleichen Distanz ins Auge fällt, hätte weiter Bestand.

Weit von der Marktreife entfernt

Laut den Oculus-Wissenschaftlern ist der neue Ansatz für ein Multifokus-Display zwar “bahnbrechend”, aber dennoch weit von der Marktreife entfernt. Das größte Problem ist die Weite des Sichtfelds, die bei diesem Verfahren stark eingeschränkt wird.

Der Raumlichtmodulator sitzt zwischen Linse und Display und erhöht somit den Augenabstand zum Screen deutlich. Das ist vergleichbar mit einem Fenster in der realen Welt: Steht man direkt davor, sieht man mehr von der Umgebung als wenn man aus der Raummitte herausschaut.

Das Sichtfeld des aktuellen Prototyps liegt bei nur 18 Grad. Laut Oculus soll der Ansatz mit Raumlichtmodulator dennoch ein sinnvoller Kompromiss sein, bis echte Holographie – also die dreidimensionale Darstellung unabhängig von einem 2D-Display – möglich wird.

Wer tiefer in den Forschungsansatz einsteigen will, findet hier das vollständige Paper. Offiziell wird das Projekt auf einer wissenschaftlichen Fachkonferenz im Juli vorgestellt.

| Featured Image: Oculus Research | Via: Road to VR

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