Obwohl Nachfrage besteht, gibt es nur wenige Rollenspiele für Virtual Reality. Das gilt insbesondere für mobile VR-Plattformen wie Oculus Go und Samsung Gear VR. “The Well” ist eine der wenigen Ausnahmen. Ich habe das Rollenspiel durchgespielt. Lohnt sich der Kauf?

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The Well ist von Dungeon Crawlern wie Lands of Lore und Legend of Grimrock inspiriert: Man wählt eine Hauptfigur und deren Charakterklasse (Kämpfer, Magier, Schurke, Druide) und rekrutiert bis zu zwei weitere Mitstreiter, die sich später durch neue Gefolgschaft austauschen lassen.

Durch die Welt bewegt man sich genretypisch aus der Ego-Perspektive und indem man vorwärts oder seitlich von Kachel zu Kachel springt. Bewegungsparameter wie die Geschwindigkeit des künstlichen Schreitens und Drehens können angepasst werden, Teleportation wird nicht unterstützt. The Well kann problemlos auf einer Couch oder aufrecht im Bett sitzend gespielt werden.

Wunderschöne Spielwelt trotz Mobile-Grafik

Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt: Man erkundet die Fantasy-Welt Tholl und kämpft gegen die Ausbreitung einer Dämonenbrut, um das Gleichgewicht des Planeten wiederherzustellen. Neben einer Hauptquest bietet das Spiel zahlreiche Nebenaufgaben, die sich organisch in das Spielgeschehen einfügen.

Die Spielwelt ist überschaubar klein und setzt sich aus sechs Regionen zusammen, die sich optisch nur leicht voneinander unterscheiden. Man ist meistens in Wald- und Sumpflandschaften unterwegs, auch drei kleine Dungeons kann man erforschen.

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Die Spielwelt Tholl. BILD: Turtle Rock Studios

Apropos Optik: Das größte Lob gebührt den Entwicklern für die überaus gelungene Ausgestaltung der Spielwelt und Charaktere. Die Grafik und Atmosphäre zieht Spieler von Anfang an in die geheimnisvolle Fantasy-Welt hinein.

Ein Simpel-Rollenspiel in vielerlei Hinsicht

Beim Erforschen der Pfade trifft man in regelmäßigen Abständen auf Tiere, Wegelagerer und Dämonen. Dann wechselt das Spiel in den rundenbasierten Kampfmodus. Hier springt man von Charakter zu Charakter und wählt eine Spezialkampffähigkeit aus, bis die Gegner vernichtet sind. An Beute fallen meist Goldmünzen, Heiltränke und Ausrüstungsgegenstände für die Haupt- und Nebenhand sowie den Torso an.

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Kampf gegen zwei Orb-Dämonen. BILD: Turtle Rock Studios

Wer anspruchsvolle Rollenspiele gewohnt ist, wird mit The Well nicht warm werden: Der Titel beinhaltet alle Grundelemente eines Rollenspiels, vereinfacht sie jedoch so stark, dass fast nichts übrig bleibt: Die Bandbreite an Kampffähigkeiten und Ausrüstungsgegenständen ist äußerst überschaubar, ebenso die Spielwelt und das Ensemble der Spielfiguren.

Zielgruppe: Gelegenheitsrollenspieler

Noch schwerer wiegt der praktisch inexistente Schwierigkeitsgrad. Die Kampftruppe kommt dadurch nur höchst selten in Lebensgefahr. Das macht die Kämpfe gerade im letzten Drittel des Spiels zu einer lästigen Pflichtübung, die den Spielverlauf künstlich streckt. Da die Gegner leicht zu schlagen sind, optimiert man die Ausrüstung nur noch auf maximalen Schaden, um im Spiel schneller voranzukommen. Heiltränke und angehäufte Reichtümer liegen unbenutzt im virtuellen Rucksack.

Klar, zu einem Preis von fünf Euro kann man keine ausladende Fantasy-Welt mit immenser Spieltiefe erwarten. Gelegenheitsrollenspieler dürften dennoch Freude an dem Titel haben, sofern sie ihre Ansprüche herunterschrauben und willens sind, in die grafisch bezaubernde Spielwelt einzutauchen. Die Spieldauer beträgt etwa drei bis fünf Stunden, je nachdem, ob man alle Nebenaufgaben löst.

Ich für meinen Teil hoffe, dass irgendwann eine Fortsetzung erscheint, die auf den soliden Grundlagen des ersten Teils aufbaut und diese erweitert. Denn das Potenzial für ein großartiges Rollenspiel ist zweifellos gegeben.

The Well ist für Oculus Go und Samsung Gear VR im Oculus Store erhältlich und kostet 4,99 Euro.

| Featured Image: Turtle Rock Studios

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