Featured Image: Palmer Luckey, eigene Zeichnung, wahrscheinlich mit Paint

Der Erfinder der Oculus-Rift-Brille ist überhaupt nicht zufrieden mit Magic Leaps Arbeitsergebnis.

Der Oculus-Mitgründer und Ex-Angestellte Palmer Luckey hatte sich offenbar mehr erhofft von der Augmented-Reality-Brille Magic Leap One. In seinem Blog bezeichnet Luckey die Brille als “Tragödie” und Magic Leap als “tragischen Haufen”.

Die Erstlingsbrille sei ein Hype-Produkt, das kaum brauchbar sei. “Magic Leap erfüllt fast keines der Versprechen, durch die es das Monopol auf Augmented-Reality-Investitionen erhielt”, schreibt Luckey.

Der inszenierte Hype und die hohen Investitionen hätten der AR-Branche wichtige Ressourcen entzogen. Magic Leap sammelte in den letzten Jahren rund 2,5 Milliarden US-Dollar von Konzernen wie Google und Alibaba ein, um die Entwicklung der AR-Brille zu finanzieren.

Der Taschencomputer ist das Sahnestück

An Magic Leap One gefällt Luckey im Grunde nur der Taschencomputer: Das Gewicht der Brille zu reduzieren sei mit das Wichtigste bei der Entwicklung einer AR-Brille. Außerdem könnten so leistungsstärkere Prozessoren zum Einsatz kommen.

Der Magic-Leap-Controller hingegen ist laut Luckey eine Katastrophe. Das magnetische Tracking reagiere verzögert, die Position verschiebe sich permanent eigenständig und in der Nähe von größeren Stahlobjekten sei er unbrauchbar.

Magnetbasiertes Tracking sei technisch komplex und die Lösung von Magic Leap die schlechteste, die ihm begegnet sei. Er bemängelt außerdem die Verarbeitung des Controllers.

Keine Spur von Lichtfeldern

Die Bildqualität der Displays sei “akzeptabel” und liege auf dem Niveau von Hololens mit einem geringfügig weiteren Sichtfeld. Letzteres müsse für sinnvolle Anwendungsszenarien im Alltag allerdings viel weiter sein.

Was Luckey besonders enttäuscht: Das Display biete dieselbe Technologie, die “jeder schon seit Jahren benutzt”. Mit dem lange angekündigten Lichtfeld-Display – letztlich die Grundlage für die Milliarden-Investitionen – habe sie nichts zu tun. Die zwei Fokusebenen funktionierten nur, wenn Entwickler die digitalen Grafiken gezielt einer der beiden Ebenen zuweisen. Die Übergänge seien fehlerhaft.

Das Tracking und die Raumvermessung von Magic Leap One seien schlechter als bei Hololens. Sogar unter idealen Bedingungen soll die Darstellung der digitalen Einblendungen noch zittrig sein. Ein kleines Unternehmen wie Stereolabs erreiche eine ähnliche Qualität mit einem Bruchteil der Finanzierung.

Das Betriebssystem Lumin OS sagt Luckey ebenfalls nicht zu: Die Interaktion sei nur mit dem unzureichenden Trackpad des Controllers möglich. Kopf- oder Augenbewegungen würden ignoriert. Die Menügestaltung vergleicht er mit einer schlechten Smartphone-Bedienoberfläche gemischt mit VR-Gimmicks.

Für Sammler und Liebhaber

Luckey kritisiert Magic Leap außergewöhnlich harsch: Die One-Brille sei nur für Tech-Entscheider, “Influencer” und Sammler interessant, die die Geschichte von VR und AR bewahren wollen – jedoch nicht für Entwickler.

In seinem Bekanntenkreis seien rund 100 Magic-Leap-Besitzer. Keiner von ihnen plane, eine App zu entwickeln. Fehlendes Entwicklerengagement sei schon für die VR-Industrie ein großes Problem gewesen, obwohl Hunderttausende Entwicklerbrillen verkauft wurden.

Luckey schätzt, dass Magic Leap bislang weniger als 3.000 Geräte verkaufen konnte. “Das wird schwer für Magic Leap.”

Sein Fazit: Magic Leap One sei insgesamt ein solides Produkt, aber weit entfernt von den Hype-Versprechen und mit einigen signifikanten Problemen. Die One-Brille sei eher Hololens 1.1 als Endverbraucher-AR 1.0.

Für die Mixed-Reality-Branche sei das kein gutes Signal. Die Innovationen müssten wohl von anderen Unternehmen kommen.

Magic-Leap-Chef Rony Abovitz reagiert bei Twitter auf die Vorwürfe. Interessierte sollten sich ein eigenes Bild machen und nicht auf die Kritik eines direkten Konkurrenten hören.

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