Mit Oculus Quest veröffentlicht Facebook nach Oculus Go die zweite autarke, kabellose VR-Brille innerhalb eines Jahres. Was sind die Unterschiede zwischen Oculus Quest und Oculus Go?

Datenblätter

Oculus QuestOculus Go
VerfügbarkeitFrühjahr 2019seit Mai 2018
Preis400 US-Dollar (64 GB)ab 220 Euro (32 GB)
Auflösung1.600 x 1.440 Pixel pro Auge / 72 Hz1.280 x 1.440 Pixel pro Auge / 60 – 72 Hz
DisplayOLEDLCD
ProzessorSnapdragon 835 (+ 30 Prozent im Vgl. zu 821)Snapdragon 821
Akkulaufzeitunbekanntcirca zwei Stunden
TrackingRaumtracking auf großer Fläche (6-DoF)Nur Kopfrotation (3-DoF)
Controller2 x VR-Controller für virtuelle Hände (6-DoF)Zeigefernbedienung mit zwei Knöpfen (3-DoF)
InhalteVollwertige Games (z.T. Rift-Ports) & VideosVideos & einfache Games
KabelKein Kabel oder externer Zuspieler notwendigKein Kabel oder externer Zuspieler notwendig
Portabilität+++
Augenabstand einstellbarJa (IPD-Regler)Nein
Gewichtcirca 570 Gramm470 Gramm
LinsenFresnelFresnel
Sichtfeld95 bis 100 Grad95 bis 100 Grad
Speicherab 64 GB interner Speicherab 32 GB interner Speicher, USB-Erweiterung angekündigt

Alle bislang bekannten Fakten zu Oculus Quest stehen hier. Mehr Infos zu Go stehen in unserem ausführlichen Test zu Oculus Go. Ein Vergleich zwischen Oculus Rift und Oculus Go steht hier.

Volle Bewegungsfreiheit und virtuelle Hände vs. nur Kopfbewegungen

Der größte Vorteil der Quest-Brille im Vergleich zu Oculus Go ist das erweiterte Trackingsystem. Mit Oculus Go kann man nur den Kopf rotieren. Mit der Quest-Brille kann man – abhängig vom Bewegungsfreiraum in der Realität – richtig herumlaufen in der VR-Welt.

Das VR-Erlebnis ist in puncto Bewegung ähnlich wie mit Oculus Rift, nur besser, da kabellos. Externe Sensoren werden nicht benötigt, in der Quest-Brille stecken vier Trackingkameras.

Zusätzlich wird Oculus Quest mit zwei VR-Controllern ausgeliefert, die in der Virtual Reality zu virtuellen Händen werden. Sie heißen wie bei der Rift-Brille ebenfalls Oculus Touch und sind beinahe baugleich. Oculus Go kommt im Vergleich nur mit einer einfachen Fernbedienung, die wie ein virtueller Laserpointer funktioniert.

Die einfache Go-Fernbedienung …

Oculus_Quest_Controllers

… kommt nicht an die VR-Hände der Quest-Brille ran. Bilder: Oculus

Zusammengefasst: Oculus Quest bietet vollwertige VR-Erlebnisse mit Raumbewegung und Händen. Die Go-Brille bietet nur einen kleinen Teil der VR-Erfahrung, nämlich den 360-Grad-Rundumblick.

Hardware: Display, Prozessor, Akkulaufzeit und Sound

Die Hardware in Oculus Quest ist Oculus Go deutlich überlegen. Die Quest-Brille bietet zwei OLED-Displays mit 1.600 mal 1.440 Pixeln pro Auge bei einer Bildwiederholrate von 72 Hz.

In Oculus Go steckt ein VR-optimiertes LC-Display mit 1.280 mal 1.440 Pixeln pro Auge und einer Bildwiederholrate von bis zu 72 Hz. Die meisten VR-Apps laufen mit 60 Hz. Empfindliche VR-Nutzer nehmen das 60-Hz-Bild als flackernd wahr. Beide VR-Brillen verwenden dieselben Linsen mit einem Sichtfeld von circa 100 Grad.

Oculus Quest läuft mit Qualcomms Snapdragon-Prozessor 835. Er ist knapp 30 Prozent schneller als der Snapdragon 821 Prozessor in Oculus Go und soll rund 40 Prozent weniger Energie verbrauchen. Die Grafikeinheit verbessert sich leicht von Adreno 530 auf 540.

Bessere Grafik sollte man mit Oculus Quest wohl dennoch nicht erwarten: Die Mehrleistung im Vergleich zu Oculus Go dürfte Quest in erster Linie für die etwas höhere Auflösung, die höhere Bildwiederholrate und das erweiterte Tracking für Kopf und Hände verbrauchen.

Der Akku in Oculus Go hält je nach Anwendung rund zwei bis drei Stunden durch. Für Oculus Quest sind noch keine offiziellen Angaben bekannt. Laut Entwickler-Infos peilt Oculus eine Laufzeit von zwei bis vier Stunden an.

Oculus Go und Quest haben im Kopfband eingelassene Lautsprecher mit Raumklangeffekt. Oculus Quest soll etwas bessere Tiefen bieten. Beide VR-Brillen unterstützen Kopfhörer via Klinke. Für Quest arbeitet Oculus an einer proprietären Audiolösung mit Doppelklinke – was genau das sein wird, ist noch nicht bekannt.

Die Linsen von Oculus Go haben einen leichten Fresnel-Schliff. Bild: VRODO

Die Linsen von Oculus Go und Quest sind identisch und haben einen leichten Fresnel-Schliff. Bild: VRODO

Software: Taschenkino vs. VR-Konsole

Oculus Go eignet sich in erster Linie für Videos – in 2D auf der großen Leinwand oder in 360-Grad. Zwar gibt es auch Spiele für Oculus Go, die sind aber aufgrund der Simpel-Interaktion mit dem Zwei-Knopf-Zeigecontroller weniger interessant.

Das spiegelt sich laut Oculus-Technikchef John Carmack in den Nutzungszeiten wider: 80 Prozent der Go-Nutzer schauen Videos, nur 20 Prozent zocken. Bei Oculus Quest soll sich dieses Verhältnis umkehren.

Die neue VR-Brille soll laut Facebook wie eine VR-Konsole am Markt platziert und beworben werden, ähnlich wie Nintendos Switch oder Wii. Gamer dürfen sich im Vergleich zu Go auf ausgereiftere Spielesoftware freuen, da die Quest-Konsole technisch näher dran ist an Oculus Rift.

Hochwertige Rift-Spiele wie Superhot VR, Beat Saber, Space Pirate Trainer, Moss, The Climb oder Robo Recall werden über kurz oder lang ihren Weg auf die Quest-Brille finden. Grafisch werden sie nicht an die PC-Versionen heranreichen, dafür rendert der Mobilprozessor nicht schnell genug. Laut Carmack kann Quest den Kern der VR-Magie aber trotz geringerer Leistung erhalten.

Frühe Quest-Demos sollen vielversprechend sein, aber ein aussagekräftiges Urteil ist erst näher am Verkaufsstart möglich.

Fazit: Oculus Quest oder Oculus Go kaufen?

Wer jetzt sofort eine VR-Brille für unterwegs braucht und sie primär für Videos verwenden will, bekommt mit Oculus Go ein gutes Gerät: Das Bild ist für VR-Verhältnisse scharf und der Oculus-Marktplatz ist gut mit Inhalten befüllt. Einige unterhaltsame Spielchen für Zwischendurch-VR gibt es auch. Aufgrund des LC-Displays ist der Kontrast etwas flau.

Wer sich hingegen für das volle VR-Erlebnis und Games interessiert, sollte das Geld noch etwas stecken lassen und unbedingt den Marktstart der Quest-Brille abwarten. Denn bei den derzeit bekannten Preisen bekommt man für rund 150 Euro Mehrkosten deutlich mehr Hardware geboten. Allein die Bewegungsfreiheit und virtuelle Hände machen einen großen Unterschied fürs VR-Erlebnis. Auch bei Videos wird Quest dank der höher aufgelösten OLED-Screens das Go-Bild mit mehr Kontrast und kräftigeren Farben überbieten können.

Einzig bei der Portabilität könnte Oculus Go im Vorteil bleiben: Die Brille wirkt etwas robuster, ist leichter und das Kopfband kann im Vergleich zum steifen Quest-Kopfband besser gefaltet werden. Bis zum Marktstart von Quest könnte Oculus außerdem den Preis für die Go-Brille senken, was das Preis-Leistungs-Verhältnis für 360-Video-Gucker zugunsten von Oculus Go verschieben könnte.

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