0

Oculus Rift: Canon ermöglicht Kameratests mit der VR-Brille

von Matthias Bastian29. November 2016

Canon präsentiert einen besonders innovativen Ansatz, wie man mit der VR-Brille Produkte verkaufen kann. Das Unternehmen bietet Fotografen die Möglichkeit, Kameras und Objektive vorab virtuell auszutesten.

Im Camera Simulator für Oculus Rift können Nutzer eine Reihe von Canon-Kameras mit unterschiedlichen Objektiven ausstatten und damit virtuell fotografieren.

Zur Auswahl stehen die Spitzenmodelle Canon EOS 5D MkIII, Canon EOS 1D X und die etwas ältere Canon EOS 70D. Diese Kameras können mit drei Objektiven kombiniert werden, dem 24-105mm f/4, einem 50mm f/1.4 und dem besonders hochwertigen 70-200m f/2.8.

Eine gerenderte Naturszene bietet Fotografen eine Reihe von Motiven bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Innerhalb dieser Szene kann man sich frei teleportieren und wie bei einer echten Fotosession nach dem optimalen Bildausschnitt für ein Motiv suchen.

Die Kamera lässt sich in den manuellen Modus schalten, sodass man volle Kontrolle über ISO, Auslösezeit und Blende hat. Beispielsweise lässt sich so testen, wie stark der Bokeh-Effekt bei den verschiedenen Objektiven ausfällt. Sogar die Bewegungsunschärfe bei zu langen Auslösezeiten wird simuliert. Die VR-Aufnahmen können exportiert und mit jeder beliebigen Fotosoftware kontrolliert und bearbeitet werden.

Innerhalb der App kann man ergänzend sämtliche technische Spezifikationen und die Preise zu den Geräten abrufen. Sogar eine Kaufoption ist vorgesehen.

Die Kamera-App ist nicht der erste Ausflug von Canon in die Virtual-Reality-Branche. Schon Ende letzten Jahres präsentierte das Unternehmen ein ausgefallenes Video-Display für 360-Fotos und – Videos mit einer Auflösung von 2,5K pro Auge.

Virtuelle Produkttests vorab

Ohne Zweifel hat Canon ein extrem cleveres Anwendungsszenario für VR im Marketing und Vertrieb gefunden. Zwar werden sich professionelle Fotografen nicht allein auf die virtuellen Testshootings verlassen können, aber die App lädt zumindst dazu ein, vorab die Funktionen einer Kamera und die Eigenschaften eines Objektivs kennenzulernen.

Speziell die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kamera-Objektiv-Kombinationen dürften Fotografen interessieren. So einfach und günstig lassen sich diese in der Realität nicht vergleichen.

Richtig spannend wird die Canon-App, wenn sie kontinuierlich um neue Kameras und Objektive erweitert wird. In der Zukunft könnte Canon so einen VR-Shop an den Start bringen, in dem Kunden vorab hunderte Kameras mit verschiedenen Objektiven virtuell testen und anschließend kaufen können.

Auch in der Automobilbranche wird das Potenzial von VR für Vorabtests bereits erkannt und evaluiert. “Aus der Perspektive des Marketings können wir die Nutzererfahrung während und nach dem Kauf verbessern. Zum Beispiel die Konfiguration des Autos, die Beratung in den eigenen vier Wänden, verschiedene Optionen bei Design und Technologie – das alles wird viel einfacher und intensiver sein”, sagt uns Tilmann Stauske von der Volkswagen AG.

Auch Audi bietet eine VR-Erfahrung, die das Interesse der Käufer an den Spitzenmodellen wecken und das Kaufprozedere ergänzen soll. Da die Audi-App aufgrund fotorealistischer 3D-Modelle der Wagen auf sehr leistungsfähige Rechner angewiesen ist, wird sie vorerst nur in Autohäusern angeboten.

Andere Branche, gleiches Thema: Ikea gibt Kunden mit dem Küchenplaner für HTC Vive die Möglichkeit, die eigene Traumküche vorab zu begehen.

| Featured Image: Canon