Ein Mörder, der eine Stadt unsicher macht. Sein Opfer, das auf der Flucht ist. Und ein Polizist, der ihr Leben zu retten versucht. Das sind die Zutaten für den bislang wohl spannendsten VR-Film.

Sogenannte “Dispatcher” haben einen der undankbarsten und härtesten Jobs: Sie müssen mitten in der Nacht Notrufe entgegennehmen und sind die ersten, die aus erster Hand von einem Unglück oder Verbrechen erfahren. Räumlich getrennt, können sie nicht direkt ins Geschehen eingreifen und müssen dennoch Anweisungen geben, die über Leben und Tod entscheiden können.

Wie nervenaufreibend diese Arbeit sein kann, vermittelt das neueste Werk des VR-Filmstudios Here Be Dragons (“The Last Goodbye”, “The Protectors”, “Real Violence”), das von Oculus finanziert und seit kurzem im Oculus Store erhältlich ist.

Kein Telefonscherz

Der Film erzählt die Geschichte des Dispatchers Ted, dem die schlimmste Nacht seines Lebens bevorsteht. Dabei fängt alles so harmlos an.

Als der Polizist einen Anruf entgegennimmt, meldet sich eine junge Frau und sagt, dass sie eine Pizza bestellen möchte. Hat sich die Frau verwählt? Handelt es sich um einen Telefonscherz? Der Polizist spürt, dass etwas nicht stimmt. “Ma’am… Schweben Sie in Lebensgefahr?” fragt er nach. Sie antwortet mit zittriger Stimme: “Ja”.

In den nächsten 20 Minuten entspinnt sich eine Geschichte, die den Zuschauer kaum zu Atem kommen lässt. Das Besondere an Dispatch ist, wie diese Geschichte erzählt wird: Der VR-Nutzer bekommt nur mit, was Ted durch die Telefonleitung hört und sieht nur, wie sich Ted anhand der Stimmen und Geräusche im Hintergrund das Geschehen vor Ort vorstellt.

So nah und zugleich so fern

Die Umgebungen und Figuren werden mit einfachsten Mitteln dargestellt. In der Regel sind das grobe Polygonmodelle ohne Texturen. Weil die Vorstellungskraft ergänzt, was das Auge nicht sieht, entfalten sie eine umso größere Wirkung.

Was Dispatch so effektiv macht, ist gerade das Vorenthalten von Information. Durch die Einschränkung der Perspektive auf die Telefonleitung fühlt sich der Zuschauer genauso ohnmächtig wie der Polizist, der den Menschen am Ende der anderen Leitung nah und zugleich fern ist. Dieses sonderbare Verhältnis drückt sich auch im offiziellen Filmposter aus.

Dispatch_Poster

Spektakuläre Kamerafahrten

Zuweilen bricht der Anruf ab, ohne dass man weiß, was als nächstes passiert. Dann ruft jemand anderes an, um einen weiteren Vorfall zu melden. Bald zeigt sich, dass die Ereignisse zusammenhängen. Das Gesamtbild fügt sich wie ein Puzzle im Kopf des Zuschauers zusammen.

Da sich der Film in Teds Vorstellungskraft abspielt und computeranimiert ist, kann er sich inszenatorisch ungewohnt viele Freiheiten herausnehmen. Die Kamera wurde bisher wohl in keinem VR-Film so vielseitig eingesetzt wie hier.

Wer mehr über die Hintergründe der Produktion erfahren möchte, findet im Oculus-Blog ein Interview mit dem Regisseur Edward Robles.

Dispatch besteht aus vier Episoden, die für Oculus Rift und Samsung Gear VR erhältlich sind. Die erste Episode kann man sich kostenlos ansehen. Die drei übrigen kosten 3 Euro. Die letzte Episode wurde noch nicht veröffentlicht, soll aber demnächst folgen.

| Featured Image: Here Be Dragons

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