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Oculus Rift: Geld verdienen ist nicht die Priorität

von Matthias Bastian24. März 2016

Ohne Zweifel ist es in erster Linie die Spieleindustrie, die Virtual Reality und speziell Oculus VR aktuell antreibt. Denn in den Gamestudios ist das nötige Know-how vorhanden, um hochwertige VR-Erfahrungen zu entwickeln.

Allerdings sind VR-Spiele eher Mittel zum Zweck als der alleinige Sinn des neuen Mediums. Davon ist Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey überzeugt, obwohl er in erster Linie als Gaming-Nerd in die VR-Entwicklung eingestiegen ist. Mittlerweile scheint er das “Big Picture” seines Vorgesetzten Marc Zuckerberg zu teilen, das dieser so gerne aufzeigt. “Wir entwickeln VR-Spiele, weil wir wollen, dass Virtual Reality ein Erfolg wird”, sagt Palmer Luckey dem Online-Magazin UploadVR. Dabei sei es nicht Oculus VRs oberste Priorität, das Geschäft von Anfang an zu refinanzieren. Wichtiger als kurzfristige Profite sei es, so Luckey, “dass Menschen Virtual Reality nutzen.”

Die Freiheit auf Profit zu verzichten und dennoch in langfristige Entwicklung und Forschung investieren zu können, hat Oculus VR den Milliarden US-Dollar zu verdanken, die Facebook seit der Akquisition 2014 in das Virtual-Reality-Unternehmen pumpt. “Wir können uns auf die wichtigen, langfristigen Ziele konzentrieren, statt uns nur darum zu kümmern, wie wir unsere Kosten decken können”, sagt Luckey. Der Markt für VR-Spiele könne die Entwicklung millionenschwerer AAA-Titel ohnehin noch nicht refinanzieren.

Schon Ende letzten Jahres deutete der Oculus-Gründer bei Twitter an, dass die erste Generation Oculus Rift von Facebook stark subventioniert wird. Ohne Facebook, schrieb Luckey, würde Oculus Rift über 1.000 US-Dollar kosten. Mit einem Preis von 599 US-Dollar (rund 740 Euro inkl. Versand) sprengte die VR-Brille danach trotzdem noch die Preiserwartung vieler VR-Enthusiasten. “Ich bin wirklich froh, dass wir uns dank Facebooks Ressourcen darauf konzentrieren können, gute Entscheidungen zu treffen, anstatt uns um den Profit zu sorgen, damit unser Licht anbleibt”, twitterte Luckey.

Im Silicon Valley wird von der Matrix geträumt, in der die Reichen unsterblich sind

Doch wenn weder VR-Spiele noch Profit das Ziel von Oculus VR sind, was ist es dann? “Das Ziel ist es, das Business zu seinem eigenen Ende zu führen – die perfekte virtuelle Realität”, sagt Luckey. Bereits im Februar dieses Jahres deutete der Oculus-Gründer gegenüber dem US-Magazin Wired an, was man mit so einer mächtigen Simulation bewirken könnte. “Jeder Mensch will ein fröhliches Leben führen, aber es ist unmöglich, allen Menschen das zu geben, was sie sich wünschen. […] Aber mit Virtual Reality können alle Menschen zu jeder Zeit tolle Erfahrungen haben.” Palmers Co-Pilot und Technikguru John Carmack bezeichnet es gar als “moralische Verpflichtung”, VR-Produkte dem Massenmarkt zugänglich zu machen. “[Mit Virtual Reality] kann ein kleiner Teil der Erlebnisse von wohlhabenden Menschen synthetisiert und für viele Menschen wiederhergestellt werden. […] Wenn Menschen virtuell ein fröhliches Leben haben, dann haben sie ein fröhliches Leben. Punkt”, sagt Carmack zu Wired.

Nicht alle VR-Enthusiasten teilen derartige Allmachtsfantasien. Jaron Lanier, VR-Forscher für Microsoft und schon seit den 80er Jahren eine Ikone der Virtual-Reality-Branche, kritisiert Luckey für seine Äußerungen, schreibt sie aber seinem jugendlichen Leichtsinn zu. “Wenn er etwas älter ist und mehr von der Welt gesehen hat, wird er seine Meinung ändern”, glaubt Lanier. Laut ihm ist Luckey mit seinen Ansichten aber nicht alleine, einige seiner Kollegen im Silicon Valley würden ähnliche oder noch extremere Positionen vertreten. Sogar Fantasien über Matrix-ähnliche Konstrukte, in denen reiche Menschen unsterblich existieren, während eine Unterschicht in einer simulierten Realität lebt, sollen in Kaliforniern kursieren. “Ich würde eine Welt vorziehen, in der jeder Mensch ein privilegierter Bürger ist und niemand in einer Matrix leben muss”, sagt Lanier.

| SOURCE: Upload VR / Wired
| FEATURED IMAGE: Oculus VR; Freeimages.com / Bensik Imeri; VRODO