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Oculus Rift: Luckey plant den perfekten Launch

von Matthias Bastian18. März 2016

In zehn Tagen ist die VR-Brille Oculus Rift offiziell erhältlich und wird an die ersten Besteller ausgeliefert. Wenn der erste Kunde das Paket öffnet und die Rift-Brille am PC einstöpselt, dann ist das das Ergebnis jahrelanger Arbeit und von Milliarden US-Dollar, die in Forschung, Entwicklung und Produktion investiert wurden.

“Wir müssen diesen Launch perfekt hinbekommen, alles muss passen. Bis jetzt ist alles gut. Aber es ist definitiv eine kritische Phase”, sagt Palmer Luckey in einem aktuellen Interview. Der gerade mal 23-Jährige hat eine Karriere wie aus einem US-Bilderbuch hinter sich. Wie einst Bill Gates oder Steve Jobs kommt Luckey “aus der Garage”. Er entwuchs aber schnell der Nerd-Community, die ihm seinen ersten Prototypen finanzierte, als Facebook-Chef Zuckerberg an seine Tür klopfte und mit Geldscheinen winkte.

Zuckerberg identifizierte sich schnell mit der damaligen Hacker-Kultur bei Oculus VR und glaubte ab diesem Zeitpunkt an Virtual Reality als das finale Medium. Eine Überzeugung, die er seitdem bei jeder Gelegenheit weitergibt. Die Legende sagt, dass die Übernahme von Oculus VR durch Facebook für zwei Milliarden US-Dollar bei einem Stück Pizza beschlossen wurde. Luckey, jetzt nur noch Angestellter im Unternehmen, das er einst gründete, verteidigt diese Entscheidung noch heute und beteuert, dass die Rift-Brille ohne die Facebook-Milliarden niemals die gleiche Qualität haben würde. Nun muss sich diese Qualität im Alltag der Nutzer beweisen.

“Bei einem perfekten Launch würde jeder Oculus Rift bekommen, die Brille einstöpseln und es gäbe keine Probleme mit dem Rechner. Es gäbe keine Probleme mit der Software. Und dann spielt man eine Woche ohne Pause VR-Spiele. Das wäre der perfekte Launch. Die Realität sieht aber anders aus. Wenn man eine Hardware an unzählige Menschen verschickt, dann wird es Probleme geben. Darauf muss man sich einstellen. Man muss Fehler korrigieren, Änderungen vornehmen und den Menschen bei Problemen helfen. Darauf sind wir gut vorbereitet. Das ist sehr wichtig”, sagt Luckey dem US-Magazin Gamasutra.

“Glaubt den optimistischsten Prognosen der Analysten nicht.” Palmer Luckey, Oculus VR via Gamasutra

Wirkliche Ziele scheint sich der Rift-Erfinder für die kommenden Monate nicht setzen zu wollen. Auf die Frage, wie der VR-Markt in einem Jahr aussehen könnte, antwortet Luckey: “Ich habe keine Ahnung. Einige Leute werden Oculus Rift oder Gear VR nutzen. Einige Leute werden andere Geräte benutzen. Einige wenige Entwickler werden richtig viel Geld machen, aber auch andere Entwickler können gutes Geld verdienen, einfach weil das Medium so neu ist und es noch nicht so viele Inhalte gibt.”

So wie sein Chef Zuckerberg geht auch Luckey davon aus, dass es viele Jahre dauern wird, bis Millionen von Nutzern eine Virtual-Reality-Brille im eigenen Zuhause liegen haben. “Man kann sehr erfolgreich sein, wenn man nur eine kleine Anzahl Einheiten verkauft und dabei das Ökosystem aufbaut. Man muss nicht etwas bauen, das jedermann kauft”, sagt Luckey. Dabei sieht er auch Anwendungen außerhalb von VR-Spielen als potenziellen Wachstumsmarkt, eine 50:50-Aufteilung hält er zukünftig für realistisch.

Auch für Entwickler und Content-Produzenten hat Luckey einen Ratschlag: “Wer jetzt keine Zeit investiert, wenigstens über VR nachzudenken, wird es schwer haben, die Leute einzuholen, die sich mit dem Thema schon länger beschäftigen.” Vor übertriebenem Optimismus warnt Luckey allerdings auch: “Glaubt den optimistischsten Prognosen der Analysten nicht. Besonders dann nicht, wenn sie sowieso keine Ahnung von Virtual Reality haben.”

| SOURCE: Gamasutra
| FEATURED IMAGE: Oculus VR