Oculus Rift: Oculus Medium im Test – Das erste Meisterstück
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Oculus Rift: Oculus Medium im Test – Das erste Meisterstück *Update*

von Matthias Bastian6. Dezember 2016

Update vom 6. Dezember:

Oculus hat einen offiziellen Trailer zu Medium veröffentlicht, der die vielfältigen Möglichkeiten des Werkzeugs vorführt:

Ursprünglicher Artikel vom 3. Dezember:

Im Vorfeld des Marktstarts von Oculus Rift wurde die VR-Brille häufig als ultimative Gaming-Technologie beschrieben. Die bislang beste und reifste Anwendung aus dem Hause Oculus VR ist allerdings kein Spiel, sondern ein Werkzeug.

Wenn man die Bühne von Medium das erste Mal betritt, ist man umgeben von weißem Nichts. Allein ein Gitternetz zu den Füßen zeigt an, wo unten und wo oben ist. Die App stellt den Nutzer vor die Aufgabe, diesen Weißraum mit Kreativität zu füllen. Dafür hält man in der rechten Hand ein Allzweckwerkzeug – eine Art Pinsel – und in der linken Hand den Werkzeugkasten.

Anders als bei vergleichbaren Anwendungen arbeitet man in Medium nicht allein mit Pinselstrichen, sondern mit virtueller Knetmasse. Die Idee der App: Der Nutzer soll dreidimensionale Skulpturen erschaffen.

Mit den 3D-Controllern Oculus Touch werden die eigenen Hände und damit die virtuellen Werkzeuge präzise im Raum geortet und erlauben grobe Arbeiten ebenso wie auf den Millimeter genaue Pinselstriche.

Beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, kreativ zu sein

Um eine Skulptur zu erschaffen, hat der Nutzer reichlich Werkzeuge zur Auswahl – wahrscheinlich sogar mehr als ein Bildhauer in der bekannten Realität. Man kann Knete hinzufügen, entfernen, sie glätten, aufblasen, verdünnen, schraffieren, verdrehen, rotieren und vieles mehr.

Jede Art von Werkzeug und Pinsel ist in sich noch einmal auf zahlreichen Ebenen modifizierbar. Es gibt Einstellungen für die Größe des Pinsels, die Transparenz der Objekte oder das Tempo, mit der die Knetmasse aus der Pinselspitze gedrückt wird. Die Optionen, die zur Verfügung stehen, sind auf das jeweilige Werkzeug angepasst.

Ergänzend gibt es eine Reihe an fertigen 3D-Modellen, die man in die virtuelle Umgebung malen kann – beispielsweise ein Blatt, ein Stein oder einen menschlichen Kopf. Diese 3D-Objekte können als Grundlage für die eigene Arbeit dienen und insbesondere Anfängern den Einstieg ins virtuelle Modellieren erleichtern.

Einen kleinen Bonsai kann man mit einer simplen Geste groß wie einen Riesenmammutbaum ziehen

Hat man sein 3D-Modell in Form gebracht, kann man es mit Pinsel oder Sprühkanne in jeder beliebigen Farbe millimetergenau kolorieren. Spätestens hier vergisst man, dass man es eigentlich nur mit Luft und Bytes zu tun hat. Das resultiert in einem beinahe surrealen und sicherlich meditativen VR-Erlebnis mit starkem Präsenzgefühl. Schnell kommt man in einen kreativen Tunnel und arbeitet mit hohem Fokus.

Das Kunstwerk ist jederzeit skalier- und rotierbar. Man kann bequem im Sitzen arbeiten oder aufstehen und große, raumfüllende 3D-Modelle erstellen. Ebenso ist es möglich, einen kleinen Bonsai zu modellieren und diesen anschließend mit einer einfachen Geste so groß werden zu lassen wie einen kalifornischen Riesenmammutbaum.

Diese Funktion gibt Künstlern die Möglichkeit, selbst feinste Details auszuarbeiten oder Kunstwerke innerhalb des Kunstwerks zu erschaffen. Mit Medium können nicht nur einzelne Skulpturen, sondern ganze Kunstwelten erstellt werden.

Fertiggestellte 3D-Skulpturen und Kunstwerke sind nicht in der Anwendung isoliert, sondern können für die Weiterverarbeitung in andere Grafikprogramme, Engines oder für einen 3D-Drucker exportiert werden. Den kreativen Vorgang kann man außerdem in Videos, Gifs und Bildern dokumentieren.

Von Laien nutz- und von Profis beherrschbar

Oculus VR gibt sich sichtlich Mühe, Laien den Einstieg in Medium zu erleichtern. Sämtliche Arbeitsschritte sind gut dokumentiert und in virtuellen Telepräsenz-Seminaren bringt einem ein Oculus-Mitarbeiter bei, wie man in wenigen Minuten ein Häuschen, eine Katze oder einen Baum modellieren kann.

Das geht erstaunlich einfach von der Hand und schnell erzielt man als Anfänger respektable Ergebnisse – ungefähr auf dem Niveau eines Töpferkurses an der VHS an einem Samstagnachmittag (siehe Bild). Immerhin hat es mich nur circa fünf Minuten gekostet, unter Anleitung einen virtuellen Baum zu kneten. Am Monitor wäre die Einarbeitungszeit deutlich länger gewesen. In der Realität wäre es mir vielleicht gar nicht gelungen.

Wie man so einen Baum formt, bekommt man in einem Tutorial erklärt. Das ist auch für Laien machbar.

Wie man so einen Baum formt, bekommt man in einem Tutorial erklärt. Das ist auch für Laien machbar.

Obwohl Medium recht zugänglich ist, ist es zweifellos ein Werkzeug für Profis. Künstler und Designer, die sich an eine völlig neue Disziplin heranwagen und eine alternative Form des künstlerischen Ausdrucks erlernen wollen, finden in Medium den perfekten Einstieg.

Für Profis ist das Ebenensystem eine elementare Funktion

Dass die Facebook-Tochter wohl eher Profis im Visier hat, zeigt auch, dass von Anfang an ein Ebenensystem wie bei Photoshop integriert wurde. Man kann einzelne Bereiche einer Skulptur ein- und ausblenden und verschiedene Ebenen unabhängig voneinander bearbeiten. Das erlaubt viel präziseres Handwerk.

Für Profis ist dieses Ebenensystem eine elementare Funktion und der Schlüssel dazu, dass Medium kontinuierlich als sinnvolles Werkzeug bei der 3D-Modellierung genutzt werden kann. Die App ist kein Spielzeug, sondern hat das Potenzial, eine Art Photoshop für die VR-Brille zu werden. Einen Kreationsprozess von Anfang bis Ende kann man im folgenden Video ansehen.

Medium ist der Anfang von neuen Design- und Arbeitsprozessen

Da ich selbst kein Designer und nicht mit handwerklichem oder gar künstlerischem Talent ausgestattet bin, fehlt mir die Kompetenz, die Möglichkeiten der Anwendung vollumfänglich auszuschöpfen. Stattdessen zeige ich lieber einige der beeindruckenden 3D-Modelle und Skulpturen, die Mitarbeiter von Oculus und erste Nutzer bislang erschaffen haben.

Ich denke, dass Medium der Anfang von einem neuen Schaffungs- und Gestaltungsprozess ist, der in vielen Bereichen ankommen wird. Brian Sharp, Produktmanager bei Oculus VR, bezeichnet Medium als “zehnmal schneller als jedes andere Werkzeug, um einfach eine Idee aus dem Kopf auf den Bildschirm zu bringen” – ich bin geneigt, ihm zuzustimmen.

Letzte Aktualisierung am 1.08.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

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