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Oculus Rift und Virtual Reality: Fünf Jahre weiter dank Facebook?

von Matthias Bastian26. März 2016

Die Akquisition von Oculus VR durch Facebook wird gerade von VR-Enthusiasten der ersten Stunde noch kritisch gesehen. Aber es gibt keinen Zweifel daran: Die Einmischung seitens Facebook hatte eine wichtige Signalwirkung für die gesamte Branche.

Mike Rothenberg ist Inhaber von Rothenberg Ventures, einem US-Investmentunternehmen, das Geld in vielversprechende Tech-Startups steckt. Er organisiert unter anderem den “River-Accelerator”, ein Förderprogramm für Startups, das sich zuletzt stark auf junge Unternehmen aus dem VR- und AR-Bereich konzentrierte. Die Startups bekommen eine finanzielle Unterstützung von 200.000 US-Dollar aufwärts, aber auch Arbeitsräume und Beratung. Unter anderem stehen die 3D-Videomacher von 8i, die Social-App Altspace VR oder die Eye-Tracking VR-Brille FOVE in Verbindung mit dem “River-Accelerator”.

Für Rothenberg war nach dem Einstieg von Facebook klar, dass er mehr Geld in die noch junge Branche stecken will. Die Einmischung des Social-Networks war für ihn gleichsam Bestätigung und Absicherung. “Noch vor Ende 2014 gab es nur sehr wenige VR-Unternehmen”, sagt Rothenberg. “Nachdem Oculus VR aufgekauft wurde und wir wussten, dass Oculus Rift die Unterstützung von Facebook hat und definitiv auf den Markt kommt, hat das unser Risiko für Investitionen gesenkt. Man will die Sicherheit haben, dass ein Ökosystem entsteht.” Zusätzlich wurden durch den Facebook-Deal die Mainstream-Medien auf das Thema Virtual Reality aufmerksam, begleiten es seitdem regelmäßig. Zuvor fristete Oculus Rift, trotz aller Begeisterung in der Branche, ein relativ isoliertes Nischendasein als kurioses Tech-Gadget für Gamer. Erst Facebook-Chef Marc Zuckerberg drückte der VR-Brille das Image als ernstzunehmende Computerplattform auf.

Ohne Facebook wären wir fünf oder zehn Jahre hintendran. Palmer Luckey, Oculus VR

Nicht nur Rothenberg nahm das Facebook-Signal dankbar auf, auch HTC, Sony oder Google, die zwar schon an VR-Projekten arbeiteten, intensivierten ihre Bemühungen und nahmen mehr Geld für Forschung und Entwicklung in die Hand. Zahlreiche andere Investoren taten es ihnen gleich. “Facebook hat dafür gesorgt, dass jeder seinen Arsch hochbekommt”, sagt Octavio Herrera vom Gamestudio Lucid Sight, unter anderem entstand dort das VR-Spiel “Polyrunner VR” für Samsung Gear VR. “Es ist kein Zufall, dass das Produkt von HTC toll ist. Dass das Produkt von Sony toll ist. Man kann nicht faul sein, wenn man Facebook als Wettbewerber hat. Das bringt alle nach oben.”

Ähnlich schätzt das auch Oculus-Gründer Palmer Luckey ein, der den zwei Milliarden US-Dollar Facebook-Deal im März 2014 gemeinsam mit seinem Geschäftsführer Brendan Iribe eintütete. Sein Unternehmen hatte zu diesem Zeitpunkt rund 75 Beschäftigte, mittlerweile arbeiten dort über 400 VR-Enthusiasten. “Ich glaube, dass wir ungefähr fünf Jahre weiter vorne sind als wir es ohne Facebook wären”, sagt Luckey mit Verweis auf die Qualität von Hard- und Software. “Es gibt gute Gründe, weshalb wir das gleiche Ergebnis [ohne Facebook] niemals in fünf oder zehn Jahren erreicht hätten.”

| SOURCE: Re/Code
| FEATURED IMAGE: Facebook / Oculus VR