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Oculus Rift: Virtueller Trip auf das japanische Superschlachtschiff Yamato

von Matthias Bastian18. Dezember 2016

Am 7. April 1945 wurde das japanische Schlachtschiff Yamato von US-Kampfjets versenkt. Jetzt taucht das stählerne Ungetüm wieder auf – in Virtual Reality.

Ich bin ganz sicher kein Verehrer von Kriegstechnologie. Dennoch muss der Schlachtkreuzer Yamato zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs ein Ehrfurcht gebietender Anblick gewesen sein.

Das gigantische Kampfschiff verfügte über schwere Artillerie. Riesige Kanonen waren über das Deck verteilt, ein martialischer Stahlturm ragte in der Mitte des Monstrums nach oben. Schon die Architektur des Schiffes war darauf ausgelegt, Angst und Schrecken zu verbreiten.

Der Bau der Yamato erfolgte unter strengster Geheimhaltung, denn das Superschlachtschiff sollte die Trumpfkarte werden im zweiten Weltkrieg. Fotos und Baupläne wurden vernichtet, nur sehr wenige originale Unterlagen sind erhalten geblieben. Das Wrack der Yamato verweilt in rund 340 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund.

Die Entwickler von Kanda Technologies recherchierten die Originaldaten und bauten auf deren Basis ein virtuelles und begehbares Replikat des martialischen Kriegsschiffes in Virtual Reality nach. Konstruiert wurde das 3D-Modell mit der Unity Engine.

Grafisch wirkt es teils etwas einfach – gerade die Crew an Bord ist recht steif animiert – dennoch ist der digitale Nachbau detailverliebt. Mitunter stellt sich ein Gefühl von Präsenz ein, wenn man über das Deck und durch die Mannschaftsquartiere wandelt.

Virtual Reality macht Geschichte erfahrbar

Das Schiff ist beinahe vollständig für die VR-Brille rekonstruiert. Man kann übers Deck schlendern, in die riesigen Kanonenrohe starren, einen Blick in die Quartiere der Mannschaft werfen oder in der Kombüse den Köchen beim Gemüse schnippeln zusehen.

Die luxuriös ausgestattete Kapitänskabine überrascht mit aufwendigen Verzierungen und einem großzügigen Bad samt Badewanne. Am großen Holztisch im Manöverraum planten die Offiziere ihre Feldzüge. Besonders beeindruckend ist der Aussichtssturm, von dem aus man das Schiff überblicken kann und Zeuge einer Demonstration der Feuerkraft der Yamato wird. Auch der Maschinen- und der Steuerraum wurden nachgebaut und virtuell in Betrieb genommen.

Das Schiff ist voll besetzt mit Soldaten und Matrosen, die offenbar bereitwillig Auskunft geben zur Herkunft und Funktion der einzelnen Schiffsteile. Offenbar deshalb, da mein japanisch arg eingerostet ist- die App ist leider noch nicht lokalisiert. Das gilt auch für die Menüs.

Irritierend ist die teils heroische Inszenierung der Yamato. Nach langer Anfahrt legt man mit viel Tam Tam und orchestraler Begleitmusik in einem Beiboot an das Schiff an. Die Crew spielt zur Begrüßung einen Marsch – wahrscheinlich schlüpft man als VR-Brillenträger in die Rolle eines Kapitäns. Das mag zwar im Sinne der historischen Rekonstruktion sein, wirkt aber gleichsam kriegsverherrlichend.

Wer über die fehlende Lokalisierung und die vereinzelt pathetische Darstellung hinwegsehen kann, bekommt einen spannenden Ausflug an Bord der Yamato und in die Vergangenheit geboten, der zeigt, wie Virtual Reality Geschichte wieder lebendig und erfahrbar machen kann.

Mit fortschrittlicheren Rendertechnologien, die 3D-Modelle wie das der Yamato in wenigen Jahren fotorealistisch darstellen können, scheinen die Möglichkeiten, Geschichte virtuell nachzuerleben, beinahe unbegrenzt. VR Battleship Yamato ist bei Oculus Home als Early-Access-Version verfügbar.

| Featured Image: Kanda Technologies

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