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Oculus Rift vorbestellen oder auf HTC Vive warten?

von Carolin Albrand6. Januar 2016

Nun sind die Vorbestellungen für Oculus Rift offiziell gestartet, der Preis fällt mit rund 740 Euro inklusive Porto höher aus als gedacht – viele Spieler zögern und überlegen, welche VR-Brille für den PC die bessere Wahl ist: HTC Vive oder Oculus Rift.

Auf die vollständige Bewegungsfreiheit im virtuellen Raum als Unterscheidungsmerkmal setzen HTC und Valve mit der VR-Brille Vive. Dagegen bietet Oculus Rift nur sitzende oder stehende VR-Erfahrungen – vorerst. Möglicherweise könnte sich das ändern, wenn mit den Bewegungscontrollern Oculus Touch Ende des Jahres eine zweite Trackingkamera ausgeliefert wird. Laut Palmer Luckey können zwei der Infrarotkameras problemlos einen großen Raum erfassen und dort Bewegungen des Spielers verfolgen und in VR übertragen. Das Problem an der Sache: Weder ist entsprechende Software geplant, noch scheinen die Touch-Controller vollständig kompatibel mit “Room-Scale-VR” zu sein. Sobald einer der Controller verdeckt wird, funktioniert er nicht mehr verlässlich. Wenn man durch den gesamten Raum turnt, kann das aber schnell passieren.

Auf der CES 2016 wurde die neuste Version des HTC-Vive-Entwicklerkits namens “Pre” vorgestellt. Die VR-Brille wurde runderneuert, ist kleiner, leichter und bequemer und hat außerdem auf der Vorderseite eine Kamera eingebaut, die dem Spieler ein Bild der Außenwelt in der VR-Brille anzeigen kann. Theoretisch sollen damit auch neue Spielekonzepte im Mixed-Reality-Bereich umsetzbar sein. Mindestens aber kann man so auf Knopfdruck zwischen virtueller Realität und Wirklichkeit wechseln, ohne die VR-Brille vorher absetzen zu müssen. Auch die beiden Bewegungscontroller sowie das Trackingsystem wurden sowohl in Funktion als auch Design überarbeitet. Weitere Veränderungen bis zum finalen Release im April 2016 sind möglich, denn “Pre” ist erstmal nur für Entwickler gedacht. An diese werden noch im Januar rund 7.000 Kits verschickt.

Wer also Wert legt auf VR-Erfahrungen, die potenziell in einem Radius von 16 bis 25 Quadratmeter und nicht nur im Sitzen oder Stehen sondern mit ganzem Körpereinsatz stattfinden, der muss zu HTC Vive greifen. Oculus VR hat diesem Feature bisher nichts entgegenzusetzen, das wird sich auch bis Ende 2016 nicht ändern – wenn überhaupt. Auch dass HTC die Vive-Brille von Anfang an mit Bewegungscontrollern ausliefert, ist ein großer Pluspunkt. Immerhin haben Spieler damit ein Interface, das speziell für Virtual Reality entwickelt wurde. Das Standard-Gamepad, das Oculus Rift beigelegt wird, ist im Vergleich eher langweilig, auch wenn es für den Anfang durchaus effizient sein mag.

Was die restliche technische Ausstattung angeht, geben sich die beiden VR-Brillen nicht viel: Beide unterstützen 3D-Audio mit integrierten Kopfhörern, die Displays haben eine vergleichbare Qualität, das Tracking funktioniert bei beiden VR-Brillen gleich schnell und ohne spürbare Verzögerungen. Auch die Anforderungen an die PC-Hardware sind identisch.

HTC Vive Pre: HTC zeigt eine neue Entwicklerversion der VR-Brille.

Das ist das umfangreiche Zubehör der Vive-Brille ab Launch mit zwei Bewegungscontrollern, hochwertigem Trackingsystem und eingebauter Kamera in der VR-Brille… Quelle: HTC

Die komplette Ausstattung die es für 699 Euro gibt...

…dagegen das vollständinge Setup der Rift-Brille mit normalem Gamepad, einer einzelnen Trackingkamera und zusätzlicher Fernbedienung für Non-Gamer. Quelle: Oculus VR

Einen großen Pluspunkt hat Oculus Rift allerdings: Die Inhalte. Und die sind bekanntlich entscheidend. Schon zum Launch werden mit Lucky’s Tale und EVE: Valkyrie zwei kostenlose, hochwertige Titel beigelegt. Viele weitere, zum Teil exklusive Spiele, wurden bereits angekündigt. HTC hält sich mit großen Ankündigungen noch zurück, der Partnerschaft mit Valve könnten aber hochwertige (VR-)exklusive Spiele entspringen. Trotzdem: Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Rift-Brille hier die Nase vorne. Viele VR-Spiele werden in Zukunft aber sowohl mit HTC Vive als auch Oculus Rift funktionieren.

Wer eher wenig Interesse an klassischen Spielerlebnissen in VR hat, sollte daher eher auf HTC Vive warten. Hier wird es zumindest bei Markstart die innovativeren VR-Erlebnisse geben, die sich aufgrund des Trackingsystems und der beiden Bewegungscontroller stärker von bekannten Spielerfahrungen unterscheiden. Allerdings kommen diese Feature auch mit einem Preisschild: Experten gehen davon aus, dass Vive zu einem höheren Preis launchen wird als Oculus Rift. Die kostet bereits 700 Euro und wird angeblich ohne Gewinn verkauft; HTC Vive könnte also richtig teuer werden. Dafür gibt es für das Geld eben auch das volle VR-Erlebnis und maximale Immersion.

Rift-Käufer, die ihr System später um Oculus Touch erweitern wollen, werden aber letztlich ähnlich tief in die Tasche greifen müssen. Der Preis für zwei Touch-Controller mit zusätzlicher Trackingkamera wird auf 100 bis 150 US-Dollar geschätzt. Laut Oculus-Chef Palmer Luckey ist Oculus Rift aber so oder so ein Schnäppchen: Via Twitter vermeldete er, dass die VR-Brille ohne die Finanzspritzen von Facebok über 1.000 US-Dollar kosten würde. Marc Zuckerberg finanziert also selbst bei einem Preis von 700 Euro noch quer, damit die VR-Brille ein Erfolg wird; das spricht dafür, dass er die Marke langfristig am Markt etablieren will. HTC hingegen ist seit geraumer Zeit ein finanzieller Wackelkandidat – allerdings sitzt hier ja noch Valve mit im Boot. VR-Enthusiasten mit tiefem Geldbeutel werden ohnehin zu beiden VR-Brillen greifen.

| FEATURED IMAGE: HTC / Oculus VR