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Oculus Rift: Vorerst keine Rückgaben im Oculus Store

von Matthias Bastian5. April 2016

Auch digitale Güter sind Güter und der Gesetzgeber sieht eigentlich eine Möglichkeit zur Rückgabe vor. Oculus VR und Facebook setzen diese aber vorerst nicht um.

Nach der EU-Richtlinie 2011/83/EU, die seit Sommer 2014 auch in Deutschland geltendes Recht ist, muss es für Waren, die via Internet gekauft werden, ein 14-tägiges Widerrufsrecht geben. Dazu gehören auch digitale Güter: “‘Digitale Inhalte’ bezeichnet Daten, die in digitaler Form hergestellt und bereitgestellt werden, wie etwa Computerprogramme, Anwendungen (Apps), Spiele, Musik, Videos oder Texte, unabhängig davon, ob auf sie durch Herunterladen oder Herunterladen in Echtzeit (Streaming), von einem körperlichen Datenträger oder in sonstiger Weise zugegriffen wird. Verträge über die Bereitstellung von digitalen Inhalten sollten in den Geltungsbereich dieser Richtlinie fallen.”

Bei dieser Regelung existiert allerdings ein Schlupfloch für Händler, denn die EU-Richtlinie räumt auch ein, dass der Käufer die Ware zwar zurückgeben kann, “es sei denn, er hat während der Widerrufsfrist dem Beginn der Vertragserfüllung zugestimmt und zur Kenntnis genommen, dass er infolgedessen sein Widerrufsrecht verliert.” Und genau diesen Passus hat Oculus VR in den Nutzungsbedingungen stehen, denen jeder Rift-Nutzer zustimmt, wenn er im Oculus Store auf Einkaufstor gehen möchte.

“Alle Softwarekäufe im Oculus Store sind endgültig. Sofern dies nicht aufgrund örtlicher Gesetze erforderlich ist, werden keine Rückerstattungen gewährt. EU-Bürger stimmen zu, dass digitale Inhalte unmittelbar nach dem Kauf ausgeliefert werden und dass jedes Recht auf Rückgabe und Erstattung verloren geht.” (Engl. Original hier unter 4.11)

Wohlgemerkt hat auch Valve bei Steam eine ähnliche Formulierung in die Nutzungsbedingungen geschrieben, räumt aber seit Mitte 2015 auf freiwilliger Basis eine 14-tägige Rückgabefrist für Spiele und Apps ein. Voraussetzung ist allerdings, dass die Spiele zuvor nicht länger als zwei Stunden genutzt wurden. Auch die Spieleplattform “Origin” von EA gibt Kunden innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Spielstart oder sieben Tage nach dem Kauf die Möglichkeit, die Software wieder zurückzugeben.

Trotz der momentanen Formulierung in den AGBs könnte Oculus VR also zukünftig eine vergleichbare Lösung für die Rückgabe anbieten. Aufgrund der “Motion Sickness”-Gefahr bei Virtual-Reality-Spielen sollte diese eigentlich schon jetzt Standard sein. Denn während man sich über Funktion und Inhalt einer App gut vorab informieren kann, sind die möglichen physischen Auswirkungen nur schwer absehbar. Zwar zeigt Oculus VR im Oculus Store Bewertungen an, die Aufschluss darüber geben sollen, wie sehr eine VR-Anwendung potenziell den Magen strapaziert – eigene Tests ersetzt das Feature aber nicht.

Immerhin: Ein Nutzer bei Reddit konnte das Spiel “VR Karts”, das massive qualitative Mängel hat, erfolgreich zurückgeben. Allerdings stimmt die Antwort des Oculus-Supports nicht gerade zuversichtlich, dass zeitnah eine nutzerfreundlichere Lösung angeboten werden könnte. “Von Zeit zu Zeit haben wir mehr Möglichkeiten und da es deine erste Anfrage für eine Rückerstattung ist, können wir sie diesmal genehmigen”, heißt es in einer Antwortmail an den Reddit-Nutzer. Gut möglich, dass damit nur ein weiterer Reddit “Shitstorm” verhindert werden sollte.

| Featured Image: Oculus VR / VRODO / Clipart lizenziert nach CC0, OpenClipArtVectors bei Pixabay
| Source: EU-Richtlinie / Oculus VR