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Oculus Rift: VR-Meditation im Selbstversuch – mit der VR-Brille entspannen?

von Matthias Bastian11. Februar 2017

Betrachtet man es rein konzeptionell, so könnte man der Meditation und der VR-Brille eine gewisse Ähnlichkeit unterstellen: Beides sind Instrumente, die bei der Flucht aus dem Alltag behilflich sein können. Wenn man diese zusammenführt, sollte sich die Wirkung potenzieren. Oder nicht?

Das Entwicklerstudio Cerevrum ist recht umtriebig, wenn es darum geht, nützliche VR-Erfahrungen außerhalb von Spielen anzubieten. Mit “Speech Center VR” soll man lernen, sicher und selbstbewusst vor Publikum zu sprechen. Kurios – und umstritten – ist “Dating Lessons”, eine App, die schüchternen Männern das Flirten beibringen möchte.

Ganz entspannt atmet es sich bei “House of Meditation” für Oculus Rift und Samsung Gear VR. Unter der VR-Brille wird Interessierten beigebracht, wie man Körper, Geist und Seele für ein paar Minuten in Einklang bringt. Auch wenn die Meditation nur virtuell stattfindet, die Auswirkungen auf den Körper fühlen sich real an.

Im Grunde macht Cerevrum nicht viel: Das Unternehmen stellt eine Reihe an gerenderten Umgebungen zur Verfügung, in die man sich je nach Gusto zurückziehen kann. Besonders einsam fühlt man sich auf dem Mars oder einer verlassenen Raumstation. Ästhetisch ist der japanische Garten, klassisch das tibetanische Mönchszimmer, abgefahren der Platz auf einer Wolke zwischen Wolkenkratzern.

Die Umgebungen sind grafisch nicht unbedingt eine Augenweide, aber sie erfüllen ihren Zweck. Jede Umgebung hat einen eigenen Klangteppich, der die Atmosphäre vor Ort einfängt.

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen

Um den Weg zur meditativen Erleuchtung möglichst einfach und intuitiv zu gestalten, bietet die App zwei Hilfestellungen: Ein visuelles Element gibt das Atemtempo vor und wirkt dabei leicht hypnotisch. Eine Dame säuselt dazu eine Entspannungsreise durch die Kopfhörer.

Die Übungs- und Atemanweisungen unterscheiden sich je nach Stimmung, die man vor einer Meditation angibt. Insgesamt kann man aus sechs Optionen wählen (bspw. aufgeregt, gestresst). Wer auf eigene Faust meditieren will, kann die Audioanweisungen ausschalten und sich seine eigene Geschichte zurechtlegen. Im Wesentlichen geht es darum, sich auf die Atmung zu konzentrieren und die Umwelt auszublenden.

Genau an dieser Stelle kommt es zu einem konzeptionellen Bruch bei der Meditation in der Virtual Reality. Zwar hilft die App durchaus dabei, einen entspannten Grundzustand zu erreichen – gerade durch die bewusste Kontrolle der Atmung – aber möchte man wahrhaftig für ein paar Minuten die Reise ins Innere antreten, dann entsteht unweigerlich der Wunsch, die Augen zu schließen.

Wer allerdings die Augen schließt, muss keine VR-Brille mehr auf dem Kopf tragen. Insbesondere dann nicht, wenn die deutlich spürbar im Gesicht ruht und somit zum physischen Hindernis auf dem Weg zur Transzendenz wird.

Will man die Kunst der Meditation lernen, dann ist “House of Meditation” ein guter Einstieg. Eine gewisse Wirkung kann man der Anwendung nicht absprechen.

Effektiver und günstiger dürfte es sein, wenn man eine Meditationsübung bei YouTube startet, die Lautsprecher hoch dreht, es sich bequem macht und die Augen schließt. Nicht alles wird automatisch besser, weil man der Gleichung Virtual Reality hinzufügt.

| Featured Image: Cerevrum Inc.

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