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Oculus Rift: Wie urteilen Spielekritiker über Lone Echo?

von Tomislav Bezmalinovic2. August 2017

Mit Lone Echo hat Virtual Reality als Spielemedium einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Außerhalb der VR-Szene stieß das Spiel jedoch auf überraschend wenig Interesse. Das zeigt sich daran, dass sich nur eine Handvoll Gaming-Seiten die Mühe gemacht haben, das Weltraumepos zu testen. Die wenigen Stimmen geben dennoch einen Eindruck davon, wie das Spiel von Testern wahrgenommen wird, die keine VR-Enthusiasten sind.

Unter den deutschen Gaming-Seiten wurde das Spiel nur von Eurogamer und 4Players getestet, PC Games und Gamestar brachten keinen Test.

Eurogamer.de

Alexander Bohn-Elias von Eurogamer empfiehlt das Spiel weiter und lobt die Fortbewegung, die er “unfassbar gut” nennt: “Selten fühlte man sich in einem Spiel derart kompetent – Umgebungen in einer möglichst fließenden Bewegung zu durchqueren, dabei den eigenen perfekt animierten Schatten unter sich langhuschen zu seinen, es gibt kaum Vergleichbares.”

Besonders Gefallen fand der Redakteur an der virtuellen Gefährtin Olivia Rhodes: “Das erste Mal, dass Rhodes näherkommt und dem Spielercharakter direkt ins Gesicht blickt, ist ein echter Paukenschlag: Jemand hat in VR mal einen Charakter auf dem Level einer echten Triple-A-Produktion erschaffen.”

In der Virtual Reality zu sehen, wie sich ein lebensechter Charakter vollkommen natürlich durch die Schwerelosigkeit bewegt, sei eine ganz andere Hausnummer, als leblose Gegenstände zu animieren, meint der Redakteur.

Am meisten gestört hat Bohn-Elias das abrupte Ende und die Reparaturarbeiten, die sich teilweise fast schon wie Arbeit anfühlen würden. Dennoch konnte das “dem wahnsinnig guten Gefühl, wirklich hier zu sein, nichts anhaben.” Der Redakteur schreibt: “So müssen sie aussehen, die teuren Großproduktionen in VR, nach denen man so lange darbte.”

4Players

Benjamin Schmädig von 4Players schreibt, dass die letzten Minuten von Lone Echo zum Besten gehören, das er je beim Testen eines Videospiels erlebt hat.

Schmädig lobt die Interaktionen und die guten Dialoge, die zwischen dem Spieler und Olivia Rhodes stattfinden: “Die Unterhaltungen zwischen Liv und der von ihr Jack genannten KI sind so glaubwürdig geschrieben und auch vorgetragen, dass sich die Charaktere wie reale Akteure anfühlen”, schreibt der Redakteur.

Die Gespräche seien vergleichbar mit dem Tonfall vieler Science-Fiction-Filme, die ihre ruhige Erzählweise der stillen Schwerelosigkeit anpassen.

Schmädig lobt zudem die realistischen Handanimationen, die das Gefühl aufkommen lassen, man fasse in der virtuellen Welt erstmals “wirklich” zu. “Worte können gar nicht beschreiben, wie plastisch die virtuelle Kulisse durch diese vermeintliche Kleinigkeit wirkt”, schreibt der Tester.

Die Interaktionen mit Objekten und die Umsetzung der schwerelosen Fortbewegung sorge für eine herausragende Verbindung zwischen dem Spieler und der künstlichen Umgebung: “Für mich ist Lone Echo deshalb einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu einer neuen Art des Spielens!”

Weniger Gefallen fand Schmädig am zähen Durchkämmen und Aktivieren immer gleicher Korridore und Schalter im Mittelteil des Abenteuers. Nach einem starken Einstieg ziehe sich das Geschehen eine ganze Zeit lang auf deutlich weniger interessante Art hin.

Dennoch sieht der Redakteur in Lone Echo einen wichtigen Meilenstein für die Virtual Reality. Schmädig gibt dem Titel eine für 4Players ungewöhnliche hohe Bewertung von 86 Prozent.

IGN

Unter den großen englischsprachigen Gaming-Seiten haben dem Spiel lediglich IGN und Polygon einen Test gewidmet. Dan Stapleton von IGN bewertet das Spiel mit 8.9 von 10 möglichen Punkten.

“Mit einer der besten Fortbewegungsarten, die ich je erlebt habe, einer gestochen scharfen Grafik und einer ausgedehnten Geschichte, ist Lone Echo eine der vollkommensten VR-Spielerfahrungen, die es gibt”, schreibt Stapleton gleich vorneweg.

Dem Redakteur gefällt die glaubhafte Interaktion zwischen dem Androiden und Rhodes, vom Ende zeigt er sich hingegen enttäuscht: “Die Geschichte ist in Ordnung, mit einer Reihe von Wendungen, die die Erwartungen an ein Sci-Fi-Spiel wie Lone Echo unterlaufen. Aber das Ende ist nicht so überwältigend, wie es gerne sein würde.”

Stapleton bedauert, dass die Rätsel und Aufgaben in Lone Echo zu simpel sind. Man müsse lediglich Objekte finden oder Ausrüstung reparieren. Der wahre Star des Spiels sei die Fortbewegung.

“Lone Echo und Echo Arena gehören zu den wenigen Spielen, die den Wert von Virtual Reality und Handtracking offenkundig machen. Die Fortbewegung fühlt sich großartig an und könnte so in keiner anderen Form existieren”, schreibt Stapleton in seinem Fazit.

Polygon

Ben Kuchera von Polygon nennt Lone Echo einen der neuesten Höhepunkte der Virtual Reality. “Ein Spiel wie dieses existierte bisher nur in Filmen, um den Menschen eine Vorstellung davon zu geben, wie cool Spiele in der Zukunft sein würden.”

Die Interaktion mit der Spielewelt funktioniere so reibungslos, dass das Medium unsichtbar wird: “Die Technologie hinter dem Fortbewegungsystem und den Animationen ist interessant, aber sie verschwindet, sobald du in diese Welt eintauchst.

Diese Systeme existieren bloß, um der Geschichte und der Erfahrungen zu dienen und sie funktionieren gut genug, dass man sie beim Spielen vollkommen vergisst”, schreibt Stapleton.

Zwar könne einem das Spiel von Zeit zu Zeit auf den Magen schlagen, dafür seien aber nicht die Technologie und die Fortbewegung, sondern die anspruchsvollen Spielsituationen verantwortlich, was für ausgereiftes VR-Spieldesign spreche.

“Es macht unheimlich Spaß, diese Zeilen zu tippen. Es fühlt sich nicht an, als hätte ich ein Videospiel gespielt, sondern als würde ich über meine Erinnerungen schreiben, ein Roboter im Weltall gewesen zu sein.”

Weitere englischsprachige Spielbesprechungen von Internetseiten, die nicht ausschließlich über Virtual Reality schreiben, sind unter anderem bei Techradar, Game Crate, Adventure Gamers und COGConnected erschienen.

| Featured Image: Ready at Dawn

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