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Fallout 4 VR: Warum es vermutlich nicht für Oculus Rift erscheint *Update*

von Tomislav Bezmalinovic15. Juni 2017

Update vom 15. Juni 2017:

Bethesda schreibt in einer Twitternachricht, dass das Studio so viele VR-Plattformen wie möglich unterstützen will.

Es bleibt abzuwarten, ob Bethesdas Worte mehr als nur ein Lippenbekenntnis sind.

Der Reddit-Nutzer Heaney555 schreibt in einem Beitrag, dass SteamVR so offen gebaut ist, dass es andere VR-Brillen nicht ausschließen kann. Lediglich Google Earth VR sei anfänglich per Hardware-Check für Rift-Nutzer gesperrt gewesen. Ein einfacher Hack hätte diese Sperre jedoch nach kürzester Zeit umgangen. Dasselbe sei für Fallout 4 VR möglich.

Ursprünglicher Artikel vom 12. Juni 2017:

Auf der E3 stellte Bethesda offiziell Fallout 4 VR für HTC Vive vor. Von einer Oculus-Rift-Unterstützung ist in der Ankündigung nicht die Rede. Weshalb sollte Bethesda den AAA-Titel dem Rift-Okösystem vorenthalten?

Im Februar 2017 verkündete Bethesdas Marketingchef Pete Hines, dass Fallout 4 Bethesdas erfolgreichstes Spiel ist. Der Titel hat sich folglich noch besser verkauft als Skyrim, das über 30 Millionen Mal über die Ladentheke ging.

Diese Zahlen lassen keinen Zweifel daran, dass die Fallout-Marke enorme Strahlkraft hat und die Verkäufe von VR-Brillen stärker ansteigen lassen könnte als alle bisherigen VR-Titel. Man mag von VR-Portierungen halten, was man will: Ein Spiel vom Kaliber eines Fallout 4 VR gab es bisher für Virtual Reality nicht.

Sollte das Spiel nicht für Oculus Rift erscheinen, wäre das ein herber Rückschlag für die Facebook-Tochter. Laut Schätzungen hinken die Verkäufe von Oculus Rift denen von Playstation VR und HTC Vive ohnehin deutlich nach. Bethesda hat zwar nicht bestätigt, dass das Spiel exklusiv für HTC Vive erscheint, die bisherige Informationslage legt dies aber nahe.

Im offiziellen Trailer wird nur HTC Vive gezeigt, auf der Steam-Seite von Fallout 4 VR ist sie als einzige, unterstützte VR-Brille gelistet und in der Twitterankündigung des Studios ist ebenfalls nur HTC Vive markiert:

Dass Playstation VR nicht unterstützt wird, dürfte technische Gründe haben: Die Playstation-4-Konsole bietet zu wenig Leistung, um die VR-Brille mit genug Bildern pro Sekunden zu befeuern. Für Oculus Rift stellt sich dieses Problem nicht. Außerdem steht die VR-Brille HTC Vive mittlerweile in nichts mehr nach: Anders als vor einem Jahr bietet Oculus Rift 3D-Controller und dank eines dritten Sensors auch raumfüllendes Tracking.

Steckt ein rechtliches Kalkül dahinter?

Bethesdas Zurückhaltung gegenüber Oculus ist politischer Natur: Der Publisher gehört zu Zenimax, das sich seit längerem in einem erbitterten Rechtsstreit mit Oculus befindet. Zenimax beschuldigt Oculus firmeneigene Technologie entwendet und für die Entwicklung von Oculus Rift eingesetzt zu haben.

Im Februar wurde die Facebook-Tochter zu einer Strafe von 500 Millionen US-Dollar verurteilt. Oculus hat das Urteil angefochten und im April eine Neuverhandlung beantragt. Zenimax hat im Gegenzug eine Unterlassungsverfügung eingereicht, um den Verkauf von Oculus-Produkten zu stoppen, die gestohlenen Programmcode enthalten. Davon wäre auch Oculus Rift betroffen.

Dass Zenimax den Verkauf der VR-Brille stoppen will, ist unwahrscheinlich. Naheliegender ist, dass das Unternehmen dadurch seine Verhandlungsposition stärken will. Zenimax’ Ziel dürfte sein, Oculus zu einer außergerichtlichen Einigung zu zwingen. Die Abfindungssumme dürfte in diesem Fall weitaus höher liegen als die 500 Millionen US-Dollar.

In diesem Zusammenhang dürfte Zenimax Fallout 4 VR als zusätzliches Druckmittel gebrauchen und den AAA-Titel erst dann im Oculus Store zulassen, wenn Oculus sich zur Zahlung einer Abfindung bereit erklärt.

Die Vive-Exklusivität fragmentiert den Markt

Derzeit sieht es aus, als würde Fallout 4 VR nur bei Steam erscheinen. Bethesda kann auf Softwarebasis verhindern, dass das Spiel auf Oculus Rift läuft. Für Hacker sollte es zwar ein Leichtes sein, diese Schranke wie bei Google Earth VR zu umgehen. Dass der Titel weder offiziell unterstützt noch für Oculus Rift optimiert ist, dürfte potenzielle Rift-Käufer aber dennoch abschrecken.

Ein weiteres mögliches Szenario ist, dass Bethesda den Titel mit Oculus-Rift-Unterstützung bei Steam veröffentlicht. Dadurch würde Oculus nicht am Verkauf der Software mitverdienen. Unwahrscheinlich aber möglich ist auch, dass der Titel zeitlich verzögert im Oculus Store erscheint und Bethesda die offizielle Unterstützung für das VR-System nur deshalb verschweigt, weil das Unternehmen keine Werbung für Oculus machen möchte.

Wünschenswert ist die Rift-Unterstützung nicht nur für Besitzer des VR-Systems, sondern auch für die gesamte VR-Industrie. Dass ein Spiel wie Fallout 4 VR nur für HTC Vive erhältlich ist, würde den Markt weiter fragmentieren.

| Featured Image: Bethesda Softworks

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