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Oculus Rift: “Zero Days VR” ausprobiert – Cyberkrieg in der Virtual Reality

von Matthias Bastian10. Juni 2017

Wie kann man einen Computervirus aus nächster Nähe erleben? Indem man ihm in der Matrix begegnet. Die Virtual-Reality-Doku “Zero Days VR” für Oculus Rift und Samsung Gear VR versucht, das Unsichtbare mit der VR-Brille sichtbar zu machen.

Zero Days VR ist die Virtual-Reality-Version der Cyberkrieg-Doku “Zero Days”, die im vergangenen Jahr auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin Premiere feierte. Die Virtual-Reality-Version wurde 2017 erstmals auf dem Sundance Filmfestival vorgeführt.

Die Dokumentation spekuliert über die Entstehung und Verbreitung des ausgereiften und fortschrittlichen Computerwurms Stuxnet, der im Juni 2010 gezielt ein spezielles Steuergerät der Firma Siemens attackierte.

Das Steuergerät wurde auch in iranischen Atomanlagen genutzt und verursachte dort nach der Infizierung mit Stuxnet außerplanmäßige Störungen. Die Zentrifugen der Urananreicherungsanlagen, die normalerweise stabil mit 1064 Umdrehungen pro Sekunde drehen müssen, wurden aus dem Takt gebracht. Durch leichte Abweichungen bei der Umdrehungszahl beschädigte Stuxnet die Anlagen und verschleierte anschließend den Schaden.

Die Macher der Doku zeichnen die Entstehungsgeschichte der Malware nach und beziehen sich dabei auf anonyme Aussagen von NSA-Mitarbeitern, die behaupten, dass der Schädling gemeinschaftlich von den USA und Israel entwickelt wurde, um das Atomprogramm im Iran zu attackieren. Offiziell sind weder die Entwickler noch das genaue Ziel von Stuxnet bekannt.

Mit Virtual Reality einen Blick hinter die Kulissen des Cyberkriegs werfen

Optisch und atmosphärisch ist die VR-Version von Zero Days beeindruckend. Das inhaltliche Ziel der Doku – nämlich einen Blick hinter die Kulissen des Cyberkriegs zu geben – wird in der Virtual-Reality-Version auch ästhetisch erreicht.

Die wesentliche Erzählung der Dokumentation findet auf der Tonspur statt. Zero Days VR ist im Grunde ein Hörspiel, das durch visuelle Effekte um reichlich Atmosphäre und anschauliche Erklärungen ergänzt wird. Diese Effekte verfehlen ihre Wirkung nicht: In den über zehn Minuten Spieldauer nimmt die Dokumentation den Zuschauer regelrecht gefangen.

Aus der VR-Perspektive fühlt man sich, als sei man in das Innere eines Computers eingetaucht, in eine Matrix ähnliche Cyberwelt, in der man die sonst unsichtbare digitale Sphäre als Ort und den Stuxnet-Schädling als physische Bedrohung erleben kann.

Höhepunkte sind unter anderem der Ausflug in die infizierte Cyber-Version einer Zentrifugenhalle in einer Urananreicherungsanlage sowie das volumetrisch gefilmte Video einer geheimen Informantin, die als Hologramm die Szene betritt.

Die Doku zeigt: Code kann Regierungen stürzen, Existenzen vernichten, Menschen töten. Der VR-Brillenträger erfährt auf sehr eindrückliche Weise die Konsequenzen einer Mixed Reality, in der reale und digitale Welt so eng miteinander verflochten sind wie nie zuvor.

Zero Days VR ist kostenlos für Samsung Gear VR und Oculus Rift erhältlich. Wer beide VR-Brillen besitzt, sollte den Download für die Rift-Brille wählen, denn die VR-Erfahrung ist vollständig gerendert und unterstützt räumliches Tracking. Einige Szenen wirken so deutlich eindrucksvoller als in der 360-Video-Variante für Samsung Gear VR.

Details zur technischen Umsetzung von Zero Days VR gibt es direkt von den Entwicklern bei YouTube.

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