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Oculus VR entwickelt “die nächste Generation virtueller Menschen”

von Matthias Bastian4. Juli 2016

Dass der Gaming-Markt für Oculus VR eher eine Übergangsphase ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Langfristig möchten Zuckerberg und Co. die Virtual Reality sozialer machen und die Welt darin vernetzen. Dafür braucht es glaubhafte Avatare oder anders ausgedrückt: Virtuelle Menschen.

Avatare werden in der Virtual Reality das Alter Ego vieler Menschen. Das Prinzip gibt es zwar schon, seit es Computerspiele gibt, aber in VR wird den virtuellen Figuren deutlich mehr Bedeutung zuteil, da sie potenziell zur dauerhaften digitalen Erweiterung des eigenen Daseins werden. In vielen Sci-Fi-Romanen werden Avatare als Wunschvorstellung des eigenen Selbst beschrieben. Männer treten als Frauen auf oder umgekehrt, ändern die Rasse, das Erscheinungsbild sowie Talente und Fähigkeiten. Virtuell entflieht man so dem genetisch vorgeschriebenen Schicksal.

Bis das soweit ist, dürften aber noch einige Jahre vergehen. Die aktuellen Avatare sind noch rudimentär und werden meist als abstrakte Comic-Figuren dargestellt. Das ist nicht optimal, aber allemal sympathischer als ein pseudo-realistischer Mensch, der einer täuschend echten Darstellung nur nahe kommt, sie aber nicht erreicht. Letzteres ist für unser Gehirn eher anstrengend oder gar beängstigend. Ganz besonders dann, wenn diese Figur in Lebensgröße vor einem auftaucht und nicht mehr nur durch eine schützende Mattscheibe betrachtet wird. Aus diesem Grund zeigte auch Facebook eine erste Social-VR-Demonstration lieber mit abstrakten Avataren.

GIF Die neuen Touch-Controller für Oculus Rift bringen nicht nur die Hände, sondern auch einzelne Finger in Virtual Reality.

Langfristig müssen Avatare glaubhafter werden, wenn sich Menschen mit ihnen identifizieren sollen

Auf Dauer ist das natürlich keine zufriedenstellende Lösung. Die wenigsten Menschen können sich dauerhaft mit einem Kopf und zwei Händen im Comic-Look identifizieren. Daher sucht Facebook respektive Oculus VR nach kompetenter Verstärkung, um “die nächste Generation virtueller Menschen” zu entwickeln – so heißt es in der Stellenausschreibung. Gebraucht wird ein Wissenschaftler, der sich mit maschinellem Sehen, Computergrafik, Physiksimulationen und dem maschinellen Lernen auskennt. Das Ziel: Körper sollen vollständig erfasst und in VR rekonstruiert werden, um “digitale Doppelgänger” zu erzeugen. Außerdem soll ein Trackingsystem für Bewegungen entwickelt werden, das ohne zusätzliche Marker funktioniert.

Bereits im Februar gab Facebook-Chef Marc Zuckerberg bekannt, dass sein Unternehmen ein eigenes Team nur für Social-VR aufbaut. Dieses soll soziale Interaktion im virtuellen Raum erforschen und herausfinden, wie Menschen sich mit VR-Technologien vernetzen und Inhalte teilen können. Facebook-Nutzer sollen sich zukünftig auch über lange Distanzen hinweg treffen können und dabei das Gefühl haben, tatsächlich Zeit miteinander zu verbringen. Das soll verändern wie wir zusammenleben und arbeiten. Facebook eröffnen sich auf diese Art außerdem völlig neue Wege, um an Daten zu gelangen, die Rückschlüsse auf Verhalten und Persönlichkeit von Nutzern zulassen. Ein Professor der Stanford-Universität bewertet das kritisch.

| Featured Image: Facebook | Source: Oculus VR