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Oculus vs. Zenimax: Verteidigung stellt Palmer Luckey als Wunderkind dar

von Matthias Bastian19. Januar 2017

Update vom 19. Januar 2017:

Gestern trat Palmer Luckey in den Zeugenstand. Er betrat den Gerichtssaal in einem blauen Anzug und einer roten Krawatte.

Luckey wurde in den ersten Stunden von Zenimax-Anwälten ins Kreuzverhör genommen. Die Anwälten warfen Luckey vor, einen Geheimhaltungsvertrag mit Zenimax gebrochen zu haben, als er im Sommer 2012 auf der E3 Journalisten seinen Rift-Prototyp vorgeführt habe. John Carmack, damals noch Mitarbeiter von id Software und Zenimax, hätte softwareseitig maßgeblich zu dem Prototyp beigetragen, so die Ankläger.

Die Strategie der Verteidigung war, Palmer Luckey als ein technisches Wunderkind darzustellen, das auch allein in der Lage wäre, eine VR-Brille zu konstruieren. Damit sollte die Rolle von Carmack und Zenimax bei der Entwicklung des Rift-Prototypen heruntergespielt werden.

Nach Luckey trat der ehemalige CEO von Oculus VR, Brendan Iribe, in den Zeugenstand. Auch hier wollten die Ankläger aufzeigen, dass Iribe Zenimax’ Geheimhaltungsvertrag gebrochen hat. Die Verteidigung hingegen versuchte mit gezielten Fragen den Eindruck zu erwecken, dass Iribe sich keines Vergehens schuldig gemacht habe. Iribe verneinte bei jeder Frage, dass geistiges Eigentum von Zenimax verwendet worden sei, um den Prototyp zu bauen.

Polygon schreibt, dass ein Gerichtsurteil zugunsten von Zenimax im schlimmsten Fall zu einem kompletten Verkaufsstop von Oculus-Produkten führen könnte, Samsung Gear VR eingeschlossen. Mehr Einzelheiten zum gestrigen Verhandlungstag sind hier zu finden.

Zweites Update vom 17. Januar 2017:

Ein Reporter der New York Times berichtet über die Vernehmung von Marc Zuckerberg. Gemeinsam mit Zuckerberg betrat Oculus-Gründer Palmer Luckey den Gerichtsraum – letztgenannter war ausgerüstet mit einem pinken Schlips.

In einem Statement zu Beginn der Verhandlung bezeichnete Zuckerberg die Forderungen von Zenimax als nicht glaubhaft. Es sei normal, dass nach einem großen Deal “alle möglichen Leute” auftauchen würden, um davon zu profitieren.

Über John Carmack sagt Zuckerberg, dass dieser “sehr viel” Geld bei der Übernahme von Oculus VR erhalten habe. Zuckerberg enthüllte außerdem, dass die Kosten für die Übernahme von Oculus VR bei fast drei Milliarden US-Dollar lagen. Zusätzliche Kosten fielen insbesondere im Bereich Personal an.

Das Ziel der Übernahme sei es gewesen, dass Facebook – anders als beim Smartphone – nicht die Entwicklung eines neuen Marktes verpassen wolle. Die Abwicklung innerhalb eines Wochenendes habe sehr schnell stattgefunden.

Den eigenen Nutzern möchte Facebook eines Tages die Möglichkeit geben, einen Moment so einzufangen, wie er passiert ist. Es brauche noch fünf bis zehn Jahre, um diese Vision vollständig zu realisieren. “Ich denke, dass gute Virtual Reality noch nicht existiert”, sagt Zuckerberg. Sein Unternehmen werde in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich weitere 3 Milliarden US-Dollar investieren müssen, um mit Virtual Reality den Massenmarkt zu erobern.

Den Austausch zwischen Zuckerberg und dem Anwalt von Zenimax bezeichnet der Reporter als hitzig. Unter anderem fragte der Anwalt den Facebook-Chef: “Wenn Du mein Fahrrad klaust, es neu anmalst und eine andere Klingel dran schraubst, ist es dann dein Fahrrad?”. Zuckerberg beantwortete die Frage mit “Nein”. Im Kreuzverhör musste Zuckerberg unter anderem Auskunft geben zur technischen Entwicklung von Plattformen, Code und Software.

Erstes Update vom 17. Januar 2017:

Das US-Blog Upload VR berichtet, dass Zenimax eine neue Stellungnahme publiziert hat. Darin heißt es, dass Zenimax vor Gericht Beweise vorlegen wird, die zeigen sollen, dass die Angeklagten Geschäftsgeheimnisse und Programmcode des Unternehmens entwendet. Zenimax will zudem beweisen, dass die Angeklagten versucht hätten, diese Vorgänge zu vertuschen, indem sie Beweise zerstört hätten.

Das Statement im Original:

“With the start of the trial of our case in Federal District Court in Dallas against Defendants Facebook, Oculus and its management, ZeniMax and id Software welcome the opportunity to present substantial evidence of the Defendants’ misappropriation of our Virtual Reality (VR) intellectual property. That evidence includes the theft of trade secrets and highly confidential information, including computer code. ZeniMax will also present evidence of the Defendants’ intentional destruction of evidence to cover up their wrongdoing. ZeniMax and id Software are the visionary developers of breakthrough VR technology, and look forward to the vindication of our claims.”

Mark Zuckerberg tritt heute in den Zeugenstand. VRODO wird über die weiteren Ereignisse berichten.

Update vom 15. Januar 2017:

Die Verhandlungen in Dallas haben begonnen. Facebook-Chef Marc Zuckerberg soll am 17. Januar aussagen, auch Palmer Luckey und der frühere Oculus-CEO Brendan Iribe werden vor Gericht gebeten.

Die Richter widersprachen einem Einwand der Facebook-Anwälte, die verhindern wollten, dass Zuckerberg in den Zeugenstand muss. Für Oculus-Mitgründer Luckey ist es der erste öffentliche Auftritt nach seiner Politaffäre im September 2016.

In einer Ansprache zu Beginn der Verhandlungen bezeichnete Tony Sammi, Anwalt von Zenimax, die Übernahme von Oculus VR durch Facebook als “einen der größten Technologiediebstähle aller Zeiten”. Der Prozess läuft noch rund drei Wochen.

Bereits im Zeugenstand war Oculus-Technikchef John Carmack, der im Zentrum des Rechtsstreits steht. Er soll es gewesen sein, der vertrauliches Wissen von Zenimax bei der Entwicklung von Oculus Rift eingebracht hat.

Im Zeugenstand hielt Carmack daran fest, dass das Rift-System von Oculus-Mitgründer Palmer Luckey entwickelt wurde. Laut dem Anwalt von Zenimax soll Luckey nur die “billigen Linsen” beigesteuert haben.

Update vom 11. Januar 2017:

Im Vorfeld des Rechtsstreits verteilt Oculus VR eine Stellungnahme. Man bedauere, dass es zu einem “verschwenderischen Rechtsstreit” käme und dass Zenimax nicht die Vision, Expertise oder Geduld gehabt hätte, die Technologie für Oculus Rift zu entwickeln. Man würde den Fall gerne vor Gericht präsentieren.

Statement im Original:

“We’re eager to present our case in court. Oculus and its founders have invested a wealth of time and money in VR because we believe it can fundamentally transform the way people interact and communicate. We’re disappointed that another company is using wasteful litigation to attempt to take credit for technology that it did not have the vision, expertise, or patience to build.”

Update vom 10. Januar 2017:

Der Rechtsstreit zwischen Zenimax und Oculus VR beginnt in diesen Tagen vor einem Gericht in Dallas. Zenimax hält an der Aussage fest, dass Oculus’ Technikchef John Carmack relevante Informationen aus dem Unternehmen entwendet hat, um Palmer Luckey dabei zu helfen, seinen einfachen Prototyp in eine brauchbare VR-Brille umzubauen. Das gilt sowohl für Hard- als auch Software.

Zenimax möchte auch Facebook-Chef Marc Zuckerberg in den Zeugenstand berufen. Ihm wird vorgeworfen, dass er bei seiner Übernahme im Frühjahr 2014 genau wusste, dass die Kerntechnologie des Produkts bei Zenimax entwendet wurde. Die Gründergeschichte um Palmer Luckey als Erfinder der Technologie soll laut Zenimax komplett erfunden sein.

Dass an den Vorwürfen von Zenimax etwas dran sein könnte, zeigt unter anderem Carmacks Verteidigung. Er gibt an, dass Zenimax es geduldet habe, dass er mit Oculus VR kooperiert, da es sich seinerzeit nicht um einen direkten Konkurrenten bei der Spieleentwicklung gehandelt hätte. Auch die öffentliche Weitergabe seiner Virtual-Reality-Forschung sei gestattet gewesen.

Carmack habe dem Unternehmen außerdem angeboten, als Investor vom Erfolg von Oculus VR zu profitieren oder mit dem Wissen eine eigene VR-Brille zu bauen. Diese Vorschläge wurden seitens Zenimax abgelehnt.

Update vom 30. Oktober: Angeblich belastendes Material auf Carmacks Festplatte gefunden

Wie Polygon berichtet, wurde offenbar belastendes Material auf John Carmacks Festplatte gefunden. Dieses soll nachweisen, dass Verantwortliche von Oculus VR unter Eid Falschaussagen getätigt haben. Das Material liegt nun bei Zenimax zur Sichtung. Oculus VR hat zwei Wochen Zeit, um auf die neuerlichen Vorwürfe zu reagieren. Ebenso muss Samsung innerhalb der nächsten drei Wochen Details zur Kooperation mit Oculus zu Gear VR offenlegen.

John Carmack ist der Technikchef von Oculus VR und eine entscheidende Figur der neuen VR-Branche. Er verhalf Palmer Luckey zu deutlich mehr Aufmerksamkeit, als dieser an seinen ersten Prototypen für Oculus Rift bastelte. Ohne Carmacks Unterstützung und guten Namen wäre Luckey womöglich bereits an der Kickstarter-Kampagne gescheitert. Carmack soll Luckey für die Entwicklung von Oculus Rift Wissen zur Verfügung gestellt haben, das bei Zenimax erarbeitet wurde.

Ursprünglicher Artikel vom 23. August 2016: Oculus VR vs. Zenimax: Der Rechtsstreit geht in die nächste Runde

Lange Zeit war es still in der Streitsache zwischen Zenimax und Oculus VR. Jetzt erhebt Zenimax neue Vorwürfe – und die haben es in sich.

Zenimax ist der frühere Arbeitgeber von John Carmack. Das Unternehmen besitzt namhafte Entwicklerstudios wie Bethesda und hält die Rechte an bekannten Spielemarken wie Fallout oder Doom, für die bereits Virtual-Reality-Adaptionen in Entwicklung sind.

Zenimax behauptet, dass die grundlegende Entwicklungsarbeit für Oculus Rift nicht in Palmer Luckeys Garage, sondern in den eigenen Büros geleistet wurde. John Carmack, mittlerweile Technikchef bei Oculus VR, soll das Wissen vor seinem Wechsel zu Oculus VR widerrechtlich entwendet haben.

In der aktualisierten Klage spricht Zenimax davon, dass John Carmack kurz vor dem Ende seiner Anstellung “tausende Dokumente von einem Computer auf einen USB-Stick” kopiert habe. Diese Dateien seien nach seinem Weggang nicht zurückgegeben worden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll Carmack an seinen alten Arbeitsplatz zurückgekehrt sein, um “ein maßgeschneidertes Werkzeug für die Entwicklung von VR-Technologie” zu entwenden.

Luckey fehlte laut Zenimax das Know-how für die Entwicklung von Oculus Rift

Palmer Luckey, der in der öffentlichen Wahrnehmung als Garagenbastler die Rift-Brille erfunden hat, soll laut Zenimax weder das Wissen noch die Ressourcen gehabt haben, um kommerziell brauchbare VR-Technologie zu entwickeln. “Seine Fertigkeiten im Programmieren waren rudimentär”, heißt es in der Anklageschrift. Luckey soll Programmcode von Zenimax verwendet habe, um den Rift-Prototypen zu demonstrieren. Er soll bei der Entwicklung des Codes “keinen nennenswerten Beitrag” geleistet haben. Ebenso wird Oculus-Geschäftsführer Brendan Iribe belastet. Er hätte über alle Vorgänge Bescheid gewusst und gezielt den Garagen-Mythos um Palmer Luckey geprägt.

Auch Facebook soll vor der Übernahme von Oculus VR über die Beschwerde seitens Zenimax informiert gewesen sein, sich aber bewusst darüber hinweggesetzt haben. Zenimax besteht auf eine Gerichtsverhandlung.

In einer Stellungnahme bezeichnet Oculus VR die Anklageschrift als “einseitige Interpretation seitens Zenimax”. Die Anklage sei unbegründet und die Vorwürfe sollen vor Gericht geklärt werden.

Zenimax v Oculus – Amended Complaint by Michael Futter on Scribd

| Featured Image: EvrydayVR /Flickr | Via: Gameinformer