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Oculus: So entstand die autarke VR-Brille Santa Cruz

von Tomislav Bezmalinovic25. Oktober 2017

Auf der Oculus Connect 4 gewährte der Produktmanager Sean Liu einen Einblick in die Entstehung der autarken VR-Brille Santa Cruz.

Den allerersten Prototyp von Santa Cruz bekam Liu in einem Raum vorgeführt, der ihn an eine Abstellkammer erinnerte. Aus dem Gehäuse der VR-Brille ragten eine Vielzahl von Kabeln, dennoch benötigte das System anders als Oculus Rift keine externen Sensoren für die Erfassung räumlicher Bewegungen.

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Der erste Prototyp, der Inside-Out-Tracking beherrschte. BILD: Oculus

Für ihre Experimente mit Inside-Out-Tracking haben Oculus-Ingenieure die Trackingkameras des Rift-Prototyps Crescent Bay verwendet. Die Weitwinkellinsen haben jeweils ein Sichtfeld von 180 Grad und wurden am Gehäuse einer VR-Brille montiert (siehe Artikelbild). Diesen zweiten Prototyp nannten die Ingenieure “Monarch”, eine Anspielung auf die Kabel, die auf der Oberseite herausragen und wie die Zacken einer Krone anmuten.

Den Formfaktor verbessern

Das Inside-Out-Tracking funktionierte. Die nächste Frage war, wie man die Technologie miniaturisieren und mit einem ansprechenden Formfaktor vereinen kann. Zwei Bilder zeigen den Unterschied zwischen Monarch und dem ersten Santa-Cruz-Prototyp, der auf der Oculus Connect 3 im Oktober 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

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Die Prototypen im Direktvergleich. BILD: Oculus

Der erste Santa-Cruz-Prototyp unterstützte noch keine räumlich erfassten Controller. Um einen möglichst großen Trackingbereich für die Eingabegeräte abzudecken, legten sich die Ingenieure für den zweiten Prototyp auf vier Kameras fest.

Laut Liu hat das Team Monate damit verbracht, mit der idealen Positionierung der Sensoren zu experimentieren, da selbst kleinste Verschiebungen große Auswirkungen auf den Trackingbereich haben. Liu spricht von einer Differenz von 30 Zentimetern, wenn man eine Kamera um zwei Millimeter verschiebt.

Der Santa-Curz-Prototyp wog fast ein Kilogramm

Eine weitere Herausforderung war, die Kameras zu schützen. Tests ergaben, dass die VR-Brille beim Herunterfallen mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine der vier Linsen fällt. Das Problem lösten die Ingenieure durch eine Hartplastikabdeckung.

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Die Kamera sind beim Herunterfallen der VR-Brille besonders gefährdet. BILD: Oculus

Viel Forschung floss auch in die Ergonomie. Der erste Santa-Cruz-Prototyp wog noch 850 Gramm. Da die Recheneinheit und die Batterie bei diesem Gerät am Hinterkopf angebracht sind, ist das Gewicht gut verteilt und fällt nichts besonders negativ auf. Für den zweiten Santa-Cruz-Prototyp musste das Gesamtgewicht drastisch reduziert werden, da sämtliche Komponenten im Gehäuse untergebracht sind.

Hunderte Controller-Prototypen

Beim Design der Controller tüftelten die Forscher lange an der Integration der LEDs. Sind es zu viele, können die Kameras die LEDs nicht mehr unterscheiden, wenn die Controller weit weg vom Körper gehalten werden. Sind es zu wenige, kommt es häufiger zu Verdeckung. Die Ringe zu vergrößern war aus ästhetischer Sicht keine Lösung.

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Oculus Touch und die Santa-Cruz-Controller im Direktvergleich. Die grünen und blauen Tasten wurden beibehalten. BILD: Oculus

Den Analogstick von Oculus Touch ersetzten die Ingenieure durch ein Touchpad. Damit will Oculus mit neuen Formen der Interaktion experimentieren, sagt Liu. Um die Ergonomie der Geräte zu optimieren, habe sein Team “hunderte Prototypen” gebaut. Die Santa-Cruz-Controller wurden für den mobilen Gebrauch ausgelegt und sind deutlich leichter als Oculus Touch.

Lius vollständigen Vortrag kann man sich bei Youtube ansehen. Erste Kurztests der neuen VR-Brille haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

| Featured Image and Source: Oculus

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