VR und AR stecken in der Pixelsackgasse. Die Mixed Reality braucht neue Displays, die den Blick ins Digitale zum natürlichen Seherlebnis machen. Doch der Weg ist noch weit.

Die fehlende Innovation bei Displaytechnologien hält die Virtual- und Augmented-Reality-Branche zurück. Pixelscreens in Kombination mit Linsen sind aus mehreren Gründen eine Sackgasse: Sie machen die Brillen groß, schwer und klobig, das Sichtfeld ist viel enger als in der Realität und – dieses Problem wiegt besonders schwer – sie erlauben nur den Fokus auf einer einzelnen 2D-Ebene. Egal ob man in der Virtual Reality in die Ferne blickt oder ein nahes Objekt betrachtet, der Fokusabstand zum Display ist immer gleich. Das irritiert das Auge und ist ein Mitverursacher für VR-Übelkeit.

Oculus forscht an sogenannten Multifokusdisplays, die den Fokus auf mehrere Ebenen ermöglichen. Betrachtet der Brillenträger ein Objekt in der Nähe, erscheint der Hintergrund – wie im echten Leben – unscharf oder umgekehrt. Noch sind diese Systeme weit von der Marktreife entfernt, die Wissenschaft ist mit Grundlagenforschung beschäftigt: Es geht erstmal darum, überhaupt neue Ansätze für Darstellungsverfahren zu finden.

Beispielsweise zeigte Oculus im Mai ein prototypisches Display, das zwar den Multifokus beherrscht, im Aufbau dafür aber noch komplexer und größer ist als ein herkömmlicher Pixelscreen. Außerdem liegt die Sichtfeldweite bei gerade einmal 18 Grad.

Ein weiter Weg zum ultimativen Mixed-Reality-Display

Wissenschaftler der Universität Montreal präsentieren gemeinsam mit Oculus’ Forschungsabteilung ein neues Renderverfahren, mit der die verschiedenen Fokusebenen eines Multifokusdisplays präziser aufgereiht werden können. Das verhindert Unschärfen und Überlagerungen, insbesondere wenn der Brillenträger den Kopf oder die Augen bewegt.

Außerdem soll der Algorithmus um den Faktor drei schneller rechnen als bisher vorgestellte Ansätze. In der Echtzeit-Demo reicht das dennoch nur für fünf Bilder pro Sekunde in einer grafisch einfach gehaltenen 3D-Szene. Eigentlich muss die Virtual Reality mit mindestens 90 Bildern pro Sekunde dargestellt werden, damit den Brillenträgern nicht übel wird.

Besonders spektakulär ist der Versuchsaufbau, der sowohl die Bewegungen als auch die dynamische Anpassung des Auges in Zusammenspiel mit den verschiedenen Fokusebenen messen kann. Eine ganze Reihe Linsen sind auf insgesamt sechs OLED-Displays ausgerichtet, pro Auge gibt es drei Ebenen. Hinzu kommt das Eyetracking-System, das die Augenbewegungen mit Hochgeschwindigkeitskameras und Infrarotlicht misst und das Messgerät für die Akkommodation. Eine gute Nachricht für Brillenträger: Der Versuchsaufbau kann bis zu 17 Dioptrien kompensieren.

Die aufwendige Testumgebung soll den Grundstein legen für weitere Forschung zur neuen Displayklasse. Gleichzeitig macht der Anblick des sehr großen und komplexen Konstrukts klar, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis Multifokusdisplays in kommerziellen Produkten verbaut werden können. Weiterführende Informationen stehen hier.

| Featured Image: Universität Montreal / Facebook (Screenshot)

Tagesaktuelle und redaktionell ausgewählte Tech- und VR-Deals: Zur Übersicht
VRODO-Podcast #115: Oculus Rift 2, Pimax Vorbestellstart, AWE 2018 | Alle Folgen anhören


Unsere Artikel enthalten vereinzelt sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über einen dieser Links erhalten wir eine kleine Provision. Der Kaufpreis bleibt gleich.