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Ohne Last im Knast – “Prison Boss VR” ausprobiert

von Tomislav Bezmalinovic25. September 2017

In “Prison Boss VR” wird man ins Gefängnis geworfen und muss sich auf engstem Raum durch Herstellung illegaler Waren und geschickten Handel zum Bunkerchef hocharbeiten. Das macht so viel Spaß, dass man die Zelle am Ende gar nicht mehr verlassen möchte.

13. August 1931

Es ist vorbei! Die Bullen haben mich erwischt. Nun ist erst einmal Schluss mit der Schwarzbrennerei. Mein altes Leben ist Vergangenheit. Eine zwei auf zwei Meter große Zelle ist mein neues Zuhause. Nicht einmal ein Bett gibt es hier, nur einen schäbigen, kleinen Kasten und ein Tischchen mit Schublade.

Aber die Mistkerle kriegen mich nicht so schnell klein. Wo es Menschen gibt, gibt es Bedürfnisse und wo es Bedürfnisse gibt, gibt es einen Markt. Und wer diesen Markt beherrscht, beherrscht alles.

17. August 1931

Ich habe einige der Insassen kennengelernt, darunter einen Typ namens Pete, der mit illegalen Waren handelt. Bei meinem “Umzug” habe ich unbemerkt ein altes Erbstück ins Gefängnis schmuggeln können. Draußen wäre es ein Vermögen wert, aber hier drin kriege ich dafür nicht mehr als zwei, drei Blatt Papier und eine Dose frischen Tabak. Das sollte jedoch für den Anfang reichen.

19. August 1931

Die erste Nacht verlief erfolgreich. Kurz nach Mitternacht, als man im Gefängnisblock nur noch das Schnarchen der Männer hörte, kramte ich die Blätter und den Tabak aus der Schublade und meine Zeile verwandelte sich in eine Werkstatt.

Ich trennte die Blätter in zwei Hälften, ließ etwas Tabak darauf fallen, rollte das Ganze zusammen und befeuchtete das Papier mit der Zunge, sodass es klebte. Es war sehr dunkel und ich bin etwas aus der Übung, aber nach zwei Stunden hatte ich eine Handvoll Zigaretten gedreht.

Mitten in der Nacht kam ein Wachmann und drehte eine Runde, um nach dem Rechten zu sehen. Ich wusste natürlich, dass er immer um drei Uhr vorbeischaut. Deshalb war auch schon alles fein säuberlich im Kasten verstaut, als er an meiner Zelle vorbeikam.

20. August 1931

Ich habe die Zigaretten bei Pete gegen das Fünffache an Papier und Tabak getauscht! In der kommenden Nacht habe ich viel zu tun. Aber ohne Fleiß kein Preis. Das gilt selbst hier.

21. August 1931

Heute bin ich sehr müde, da ich die ganze Nacht geschuftet habe. Ich war derart in meine Arbeit vertieft, dass ich fast nicht den Wachmann kommen hörte. Aber dieses Mal ging es noch gut.

Ich habe mir vorgenommen, etwas mehr System und Ordnung in meine Arbeitsweise bringen, sodass ich in kürzerer Zeit mehr Zigaretten produzieren und das Zeug schneller Verschwinden kann, falls mich ein Wachmann überrascht. Effizienz ist alles.

22. August 1931

Es hat sich herumgesprochen, dass ich gute Ware produziere. Ich kann jetzt über Pete mit anderen Insassen handeln und steigere so mein Ansehen. Für die kommenden Tage habe ich mich mit viel Papier und Tabak eingedeckt: Der Kasten ist bis oben angefüllt. Ich kann es kaum erwarten, dass das Licht ausgeht. Zum Glück macht mir der Wachmann nicht mehr zu schaffen, denn ich habe ein Gefühl dafür entwickelt, wann er kommt und wie schnell er sich bewegt.

29. August 1931

Ich habe mir mittlerweile einen Kundenstamm aufgebaut und mein Ansehen im Bunker spürbar gesteigert. Dadurch tun sich mir ganz neue Möglichkeiten auf. Ich konnte mir über Umwege eine Tischlampe und eine Kommode kaufen. Jetzt ist es nicht nur gemütlicher hier. Ich habe auch genug Platz, um die Rohstoffe zu verstauen.

30. August 1931

Diese Nacht wurde ich fast erwischt! Der übliche Wachmann wurde gegen einen Neuling ausgetauscht, der zu einer vollkommen anderen Zeit auftauchte. Meine Arbeitsmaterialien waren in der ganzen Zelle verstreut, als der Neue den Gefängnisblock betrat.

Ich riss sämtliche Schubladen auf und warf panisch alles hinein, was herumlag. Im letzten Augenblick gelang es mir, die große Schranktür zu schließen. Atemlos und schweißgebadet stand ich da, als der Neue an meiner Zelle vorbeiging, mich neugierig anblickte und weiterging.

2. September 1931

Anscheinend haben sie unseren Tabakzulieferer geschnappt. Der Nachschub fällt aus, entsprechend selten und teuer ist der Tabak jetzt. Ich werde später wieder einkaufen, wenn sich die Lage beruhigt und die Preise normalisiert haben. Ein paar Tage Ruhe werden mir gut tun.

6. September 1931

Die Preise sind immer noch hoch und die Produktion liegt still. Aber ich habe mittlerweile eine andere Einnahmequelle gefunden. Einige der Männer hier sind ganz verrückt nach erotischen Geschichten und Zeichnungen. Ihre Wünsche sind ziemlich ausgefallen, aber ich komme ihnen nach. So werde ich das viele Papier für einen guten Preis los.

12. September 1931

Die Tabakpreise sind gefallen und die Wirtschaft brummt wieder. Viele der Insassen sehen zu mir herauf. Selbst einige der korrupten Wachmänner stecken mir jetzt Aufträge zu.

Trotzdem muss ich mich vorsehen. Die Gefängnisleitung hat ihre Bemühungen verstärkt, den Schwarzhandel zu unterbinden. In der Nacht bekommen wir jetzt zu unregelmäßigen Zeiten Besuch und manchmal kommen sogar zwei Wachmänner zu uns hinauf. Das heißt, dass ich fast nicht mehr zum Arbeiten komme.

Zum Glück kann ich den Kerker bald verlassen. Ein einflussreicher Insasse, der auf meine “Literatur” steht, hat mir im Tausch für eine längere Geschichte eine Möglichkeit angeboten, aus dem Gefängnis auszubrechen. Nun arbeite ich Nacht für Nacht an der Erzählung.

16. September 1931

Es sieht aus, als könnte ich diese Nacht verschwinden. Gut möglich, dass ich dieses Drecksloch vermissen werde. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich in dieser Zelle so viel Spaß haben könnte.

Prison Boss VR ist bei Steam erhältlich und kostet 19,99 Euro. Die Unterstützung für Oculus Rift soll im Oktober folgen. Mehr Informationen zum Spiel gibt es in diesem Artikel.

| Featured Image: Trebuchet

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