Erste Tester der womöglich finalen Pimax Prototyp-Brille “M1” schreiben ihre Eindrücke anonym ins Internet. Das Gerät soll gute Ansätze haben, scheint aber noch nicht ausentwickelt zu sein – obwohl es schon vor einem halben Jahr an Kickstarter-Unterstützter versandt werden sollte.

Ende letzten Jahres sorgte der chinesische VR-Brillenhersteller Pimax bei einigen VR-Enthusiasten für Furore: Das Unternehmen versprach eine VR-Brille der nächsten Generation, die in puncto Auflösung und Sichtfeldweite alle bislang verfügbaren Modelle nicht nur ein bisschen, sondern deutlich in den Schatten stellt. Und das für kleines Geld und mit viel Zubehör.

Bei Kickstarter investierten knapp 6.000 Enthusiasten fast 4,5 Millionen US-Dollar in dieses Versprechen. Damit brach Pimax gar den Kickstarter-Einnahmerekord von Oculus Rift (circa 2,5 Millionen Euro).

Pimax liefert nicht

Seit der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne Ende 2017 gab es seitens Pimax allerdings kaum noch positive Meldungen. Die VR-Brillen sollten ursprünglich schon im Januar 2018 in den Versand gehen. Jetzt ist es Juni und der Marktstart nicht in Sicht.

Zuletzt produzierte Pimax den womöglich serienreifen Prototyp “M1”, dessen Qualität von zehn (!) ausgewählten Testern aus der Pimax-Unterstützer-Gemeinschaft geprüft werden soll, bevor die Produktion anläuft.

Nun sind diese Tester aber nicht zufällig ausgewählte Unterstützer, sondern Journalisten oder Youtuber. Die berichten natürlich über den Erhalt der VR-Brille, dürfen aufgrund strenger Geheimhaltungsvereinbarungen aber nichts zur Qualität sagen.

Dieser recht durchschaubare PR-Trick – kostenlos Aufmerksamkeit generieren, ohne in Gefahr zu geraten, öffentlich kritisiert zu werden – ist wohl kaum im Sinne der seit Monaten wartenden Unterstützer-Gemeinschaft. Transparenz sieht anders aus.

Erste Eindrücke zur Pimax M1 Prototyp-Brille

Bei Reddit kümmern sich zwei M1-Tester nicht um die Geheimhaltungsvereinbarung und veröffentlichen ihre Meinung zur VR-Brille anonym. Ihre Eindrücke sind durchwachsen, in Teilen durchaus positiv. Ausentwickelt und damit serienreif ist die VR-Brille offenbar noch nicht.

Bemängelt werden insbesondere Bildfehler in der Peripherie des Sichtfelds aufgrund der stark verzerrenden Linsen und ein insgesamt unnatürlicher Bildeindruck abseits der Bildmitte. Das kritisierte auch VRODO-Autor Christian Steiner bei seinem Test eines früheren Prototyps. Offenbar wurde das Problem durch die im Mai neu verbauten Linsen nicht vollständig behoben.

Einer der beiden Reddit-Tester bemängelt, dass er bei seinem Versuch schielen musste und mit Schwindel kämpfte. Er vermutet, dass die Augenabstandeinstellung (IPD) bei ihm nicht korrekt funktionierte. Text sei – wahrscheinlich aus diesem Grund – nicht gut lesbar gewesen.

Der Schielzwang könne aber auch bauartbedingt sein durch die stark angewinkelten Screens bei hoher Linsenverzerrung – ein Problem, das Rift-Erfinder Palmer Luckey schon vor einigen Jahren beschrieb.

Beide Tester stellen fest, dass die LC-Displays der Pimax-Brille weder besonders hell noch kontrastreich sind.

Adé Taucherbrilleneffekt

Gelobt werden die hohe Auflösung der Screens und das weite Sichtfeld der Linsen. In Kombination sollen diese beiden Verbesserungen für eine deutlich höhere Immersion sorgen, die den Taucherbrilleneffekt der aktuellen Brillen-Generation fast beseitigt. Der M1-Prototyp soll weiter ordentlich verbaut sein, die Kopfhalterung müsse jedoch noch verbessert werden.

Uneins sind sich die Tester in Hinblick auf die Serienreife des Geräts: Ein Tester würde die Brille im aktuellen Zustand nehmen, bevor Oculus und Co. ihre zweite VR-Generation vorstellen. Ein weiteres halbes Jahr Wartezeit sei zu lang.

Der andere Tester bezeichnet den Prototyp als “noch nicht ganz fertig”, ist aber begeistert vom Potenzial, sofern die von ihm bemängelten Kritikpunkte (IPD / 3D-Darstellung, Kopfhalterung, Verzerrung, Helligkeit) noch beseitigt würden.

Eine bekömmliche Mahlzeit

Witzig: Ein dritter Tester meldet sich zu Wort und umgeht die Geheimhaltungsvereinbarung, indem er die Pimax-Brille als Mahlzeit beschreibt.

Die Fläche des Tellers sei sehr weit gewesen, der Teller an sich schön verarbeitet mit einem hohen Gewicht im Vergleich zu HTC Vive. Das Essen auf dem Teller habe nicht so gewirkt, als betrachte man es durch ein Fliegengitter.

An den Rändern sei der Teller etwas verzerrt gewesen, was aber nur gestört habe, wenn er darauf achtete. Die Mahlzeit sei ihm gut bekommen.

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