Titelbild: Shūhei Yoshida, Präsident der Sony Interactive Entertainment Worldwide Studios (Youtube-Screenshot)

Mit Playstation VR will Sony die erste VR-Brille für Spielekonsolen etablieren. Ein teures Unterfangen mit ungewissem Ausgang.

Denn der Weg hin zum lukrativen Massenmarkt ist für Sony noch weit. Bislang konnten die Japaner nur einen Bruchteil der über 75 Millionen Playstation-4-Besitzer davon überzeugen, zur VR-Brille zu greifen.

Woran das liegt, weiß niemand ganz genau. Es ist eine Mischung aus Faktoren wie Preis, technologischem Reifegrad, hohem Nerd-Faktor und natürlich Software.

Sony jedenfalls dürfte sich den Abverkauf von Playstation VR einfacher vorgestellt haben. Natürlich beteuern Sony-Entscheider bei jeder Gelegenheit, langfristig für VR zu planen. Das müssen sie aber auch: Würden sie das Gegenteil erzählen, könnten sie die VR-Brille ebenso gut direkt vom Markt nehmen.

Intern jedenfalls ist Playstation VR angezählt. Das beweist eine kürzlich abgehaltene Investorenkonferenz, bei der Sonys Playstation-Chef John Kodera die VR-Brille auf der Problemkindfolie führte.

Sony muss weiter in Vorleistung gehen

Damit VR zumindest weiter eine Chance auf einen möglichen Durchbruch in der Zukunft hat, wird Sony weiter investieren müssen – insbesondere in Software. Denn kaum ein Entwicklerstudio geht das finanzielle Risiko ein, spezielle VR-Spiele für eine Minizielgruppe zu programmieren.

Auf der Gamelab Spielekonferenz Ende Juni in Barcelona sprach Sonys Shawn Layden, Vorsitzender der weltweiten Playstation-Studios, über die Marktsituation:

“Es gibt Spiele, die müssen wir entwickeln, auch wenn sie nicht profitabel sind”, sagt Layden über Sonys generelle Vermarktungsstrategie. Ein Musterbeispiel dafür seien Playstation-VR-Games, so Layden.

“Da so wenige VR-Brillen am Markt sind, können wir Dritthersteller kaum dazu bewegen, für Virtual Reality zu entwickeln. Aber wir brauchen Spiele, um die Plattform voranzubringen. Es ist das Henne-Ei-Problem”, erklärt Layden.

Um Playstation VR “auf den Weg zu bringen”, wickele Sony daher viele VR-Projekte in den eigenen Studios ab.

Playstation VR ist für Sony eine Muss-Aufgabe

Die Spieleentwicklung für PSVR definiert Layden als “Muss”-Aufgabe. “Wir haben uns entschieden, VR zu machen. Wir haben die Playstation-VR-Technologie. Daran haben wir sechs Jahre gearbeitet”, sagt Layden.

Die Technologie sei marktreif und brauche Vorzeigespiele, die zeigten, was VR könne und weshalb sie wichtig sei. “Wir entwerfen Spiele speziell für die Technologie”, sagt Layden.

Seine Worte machen klar, weshalb sich Sonys ehemaliger Playstation-Chef Andrew House Ende letzten Jahres endlich Konkurrenz wünschte: Mehr verkaufte VR-Brillen insgesamt bedeutet für Drittentwickler ein höheres Absatzpotenzial für ihre Spiele.

Sony müsste weniger Geld in die Entwicklung eigener Software investieren und der gesamte Markt würde schneller wachsen. Derzeit tritt er auf der Stelle. Da hilft Sony das Konsolen-VR-Monopol wenig.

Allerdings bleibt House’ Wunsch nach Wettbewerb auf absehbare Zeit ungehört: Auf der E3 2018 zeigte Microsoft Virtual Reality abermals die kalte Schulter. Beim Ausblick auf die nächste Xbox-Generation wurde VR-Technologie nicht einmal erwähnt.

Seitens Nintendo war ohnehin keine VR-Ankündigung zu erwarten: Sprecher des Unternehmens machten in den vergangenen Monaten wiederholt klar, dass Nintendo aufgrund der abschirmenden Wirkung der VR-Brille nicht investieren wird. Vielleicht springt ja Google in die Bresche und liefert Sony den geforderten VR-Wettkampf.

Die große VR-Stille auf der E3 2018 diskutieren wir ausführlich im VRODO-Podcast. Er kann hier kostenlos angehört werden.


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