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Playstation VR: Ein Horrormärchen – “The Lost Bear” im Test

von Tomislav Bezmalinovic10. September 2017

In “The Lost Bear” begibt man sich an der Seite eines Mädchens in die Tiefen eines Waldes, um ihren Teddybären zurückzuholen. Ob sich die Reise lohnt, erfahrt ihr im Test.

Um den Zauber von Virtual Reality zu spüren, reicht es mitunter schon, wenn man die Nase in ein virtuelles Diorama vom Schlage eines “Witchblood” oder “Gnog” steckt und eine erstaunliche plastische Miniaturwelt vor sich auftauchen sieht. Die Virtual Reality erfinden diese Spiele zwar nicht neu, dafür bieten sie leicht verdaubare Kost, die man im Sitzen und ohne großes Rumgefuchtel genießen kann.

Mit “Bloody Zombies” und “Moss” kommen demnächst zwei weitere Spiele auf den Markt, die sich dieses Blicks von außen bedienen. Und auch The Lost Bear, das aus der Kooperation zweier Indie-Studios hervorgegangen ist, reiht sich in diese Gruppe ein. Es macht den Eindruck, als würde hier ein neues VR-Genre entstehen, obwohl die Spiele unter sich nicht unterschiedlicher sein könnten.

Limbo VR

The Lost Bear ist ein 2D-Jump’n’Run mit düsterem Einschlag, ein Horrormärchen mit einer Landschaft voller tödlicher Hindernisse, Fallen und Monster, die einem nach dem Leben trachten. Wer jetzt an “Limbo” oder dessen Nachfolgeprojekt “Inside” denkt, liegt vollkommen richtig. Während man The Lost Bear spielt, fühlt man sich auf Schritt und Tritt an die großen Indie-Vorbilder erinnert.

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Anders als bei diesen Titeln erlebt man The Lost Bear in der Virtual Reality. Startet man das Spiel, findet man sich in einem herbstlichen Wald auf einer Art Freilichtbühne wieder. Man kann den Blick schweifen lassen und die liebevoll gestaltete 3D-Umgebung in sich aufsaugen. Das eigentliche Spielgeschehen findet jedoch auf einer 2D-Fläche statt, die das Sichtfeld ausfüllt, wenn man den Blick nach vorne richtet.

Ein Bruch zwischen den Welten

Hier stellt sich eine erste Ernüchterung ein: Was man vor sich hat, ist kein Diorama, sondern ein virtueller Kinosaal und anstatt in eine Welt hineinzusehen, blickt man auf eine Leinwand, auf die das Spiel projiziert wird. Dadurch entsteht zu keinem Zeitpunkt ein räumlicher Bildeindruck. Damit der Bruch zwischen diesen beiden Welten nicht so stark hervortritt, haben die Entwickler die unmittelbare 3D-Umgebung des Spielers an die Umgebung der Spielfigur angepasst.

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Am Anfang sitzt man wie das Mädchen in einem Wald, doch als es in düstere Gefilde vorstößt, findet man sich auf einem Autoschrottplatz oder in einer Kanalisation wieder, so wie die unerschrockene kleine Heldin selbst.

Zudem durchbrechen die Entwickler gelegentlich die vierte Wand, indem Elemente des Spiels in die Welt des Spielers hinüberschwappen. Die Distanz zwischen dem Spieler, der sich in einer 3D-Umgebung aufhält und dem Spielgeschehen, das auf einer Leinwand flimmert, können sie damit aber nicht aufheben.

Gelungene Interaktion mit Händen

Um in The Lost Bear voranzukommen, braucht man neben Geschicklichkeit auch Köpfchen: An vielen Hindernissen und Gegnern kann man nur vorbei, indem man die Umgebung manipuliert.

Das kleine Mädchen kann einerseits mit einer Schleuder Walnüsse verschießen oder von Hand Maschinen manipulieren, um Wege freizumachen. Die Handgriffe muss man selber ausführen, indem man den Dualshock 4 Controller zuerst in eine virtuelle Vorrichtung hineinlegt.

Anschließend muss man das Gamepad drehen oder in eine bestimmte Richtung führen. Der Controller wird dabei von der Playstation 4 Kamera räumlich erfasst und die Bewegungen präzise umgesetzt, sodass das Hantieren mit Maschinen großes Vergnügen bereitet.

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Der Tod lässt sich in The Lost Bear jedoch nicht vermeiden, im Gegenteil. Wie bei Limbo und Co. sollte man darauf vorbereitet sein, Dutzende Male zu sterben, bevor der Abspann rollt.

Der Tod ereilt den Spiel oft unvorbereitet und ist oft das einzige Mittel, um herauszufinden, was man tun kann und was nicht. Mich hat das häufige Starren auf den Ladebildschirm eher frustriert.

Fazit

Wer stilbewusste Indie-Spiele mag und an Spielen wie Limbo und Inside Freude hatte, für den dürfte The Lost Bear eine Reise wert sein.

Enttäuscht hat mich, dass das Spielgeschehen auf eine Leinwand projiziert wird. Das wirkt auf mich, als hätten die Entwickler das Spiel nicht von Grund auf für Virtual Reality entwickelt und die 3D-Umgebung erst nachträglich eingefügt. Die Interaktion mit Maschinen fühlt sich hingegen immersiv an, weil sie die eigenen Hände in die Virtual Reality holt.

Die große Stärke von The Lost Bear ist nicht die gebotene Immersion, sondern die visuelle und musikalische Ausgestaltung des Spiels. Die an Bilderbücher der Kindheit erinnernde Welt ist äußerst liebevoll verwirklicht und von zeitloser Schönheit.

Gerne hätte ich auch noch mehr erfahren über das Mädchen, ihren Vater und die mythischen Bären, die von Zeit zu Zeit rettend eingreifen. Leider war das Spiel schon nach neunzig Minuten vorbei.

The Lost Bear ist im Playstation Store erhältlich und kostet 9,99 Euro. Mitglieder von PS Plus erhalten es für 8,99 Euro.

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