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Playstation VR: Frühe Käufer sind begeistert von Sonys VR-Brille

von Matthias Bastian20. Oktober 2016

Das internationale NeoGAF-Forum gehört zu den wichtigsten Meinungsbildnern der Gaming-Szene. Dort treffen sich Spieler aus allen Altersklassen und Kulturkreisen. Über 150.000 registrierte Mitglieder sprechen über die Zukunft der Branche. Die frühen Käufer von Playstation VR ziehen nun ein erstes Zwischenfazit zu Sonys VR-Brille, das beinahe durchgängig positiv ist.

Dabei hatte Playstation VR vor dem Launch alles andere als einen einfachen Stand. Viele Besucher des Forums bezeichneten die neue Hardware als Gimmick, das ähnlich wie Microsofts Kinect, 3D-TVs oder Nintendos Wii-Konsole nach einem kurzen Hype wieder vom Markt verschwindet.

Die Kritik war so laut und verfrüht, dass Forenbesitzer Tyler Malka einschritt und neue Moderationsregeln eigens für das Thema Virtual Reality aufstellte. Den Skeptikern machte Malka klar: “VR ist kein Gimmick, das den Nutzern aufgezwungen wird […]. Es ist eher ein fester Bestandteil zukünftiger Technologien […]; auch wenn eine der kommenden VR-Brillen sich nicht gut verkauft, ändert das die grundsätzliche Richtung dieser Entwicklung nicht.”

Jetzt, wo deutlich mehr VR-Interessierte und – Skeptiker gleichermaßen die neue Hardware ausprobieren konnten, ist die Stimmung deutlich positiver aufgeladen.

“Playstation VR hat mich umgehauen”

Gerade VR-Neulinge, die zuvor noch nie eine Highend-VR-Brille auf dem Kopf hatten, sind begeistert von der neuen Technologie. “Ich habe schon einmal Cardboard probiert und das war schon ‘woah’. Jetzt habe ich PSVR probiert und das war wie ‘OMGGGWTFMELTINGGGG'”, schreibt ein Nutzer.

Eine Reihe Forenschreiber bezeichnen den Wechsel auf die VR-Brille als ähnlich fundamental wie seinerzeit der Sprung von 2D- auf 3D-Spiele. Einige VR-Neulinge fühlen sich in ihre Kindheit zurückversetzt, als sie in Mario 64 den dicken Klempner das erste Mal in drei Dimensionen durch die Level scheuchten. “Ich habe mich wieder wie ein Kind gefühlt, das das erste Mal etwas völlig Neues erleben darf.” Andere schreiben: “Playstation VR hat mich umgehauen, das ist meine Gaming-Zukunft.” Oder: “Es gibt nichts Besseres als direkt in der 3D-Welt zu sein.”

Interessant ist es, dass gerade jene VR-Anwendungen positiv bewertet werden, die auf dem normalen 2D-Screen niemanden umhauen würden. Die Batman-Simulation Arkham VR begeistert Spieler mit dem Gefühl, in der Haut des Superhelden zu stecken. Und das obwohl die VR-Erfahrung deutlich weniger Inhalt und Substanz bietet als die ebenso beliebten 2D-Ableger. Positiv bewertet wird auch das Spiel Tumble VR, bei dem man vorzugsweise mit den 3D-Controllern Move virtuell mit Bauklötzchen spielt.

Erlebnis hui, Auflösung pfui

Beschwerden über die berüchtigte VR-Übelkeit gibt es nur vereinzelt. Das von den Medien häufig gescholtene Trackingsystem stört die neuen Besitzer kaum. Häufiger kritisiert wird hingegen die geringe Auflösung vieler VR-Spiele und -Erfahrungen.

Das hat weniger etwas mit dem 1080p-Display der Sony-Brille zu tun als mit der alternden PS4-Hardware. Diese wird auf Dauer zu schwach sein, um grafisch anspruchsvolle VR-Anwendungen bei einer gleichzeitig hohen und stabilen Bildwiederholrate mit bis zu 90 FPS zu rendern.

Die gute Nachricht: Ab November können Sony-Spieler diesen Kritikpunkt aus der Welt räumen, indem sie in die deutlich leistungsfähigere Playstation 4 Pro investieren. Wie lange Sony Entwickler dazu verpflichtet, VR-Spiele auch für die klassische PS4 zu veröffentlichen, dürfte unmittelbar davon abhängen, ob ein Großteil der VR-Nutzer ebenfalls zur Pro-Konsole greift.

Die schlechte Nachricht: Für die PS4 Pro werden erneut 400 Euro fällig. Rechnet man das notwendige Zubehör und die neue Pro-Konsole zusammen, kostet Sonys VR-Erlebnis so viel wie Oculus Rift und HTC Vive. Die PC-Brillen sind zusätzlich zwar auf einen leistungsfähigen Rechner angewiesen, aber die Preise für hochwertige Grafikkarten fallen rasant.

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Kann Sony den guten Start verstetigen?

Der Wow-Effekt ist zweifelsohne groß, wenn man das erste Mal eine VR-Brille aufzieht und in die Welt hinter dem Display eintaucht. Von diesem Aha-Erlebnis dürfte das obige Meinungsbild stark profitieren. Die Frage ist nun: Was kommt nach dem Marktstart? Wird es Sony gelingen, die Begeisterung für VR dauerhaft aufrechtzuerhalten oder flacht die Kurve wieder ab?

Bislang sind sich viele neue Spieler der Limitierungen der VR-Technologie noch nicht bewusst. Gerade das ungelöste Problem der Fortbewegung in VR, benötigt ein gewisses Verständnis für das neue Medium, das sich nicht über Nacht einstellt. Die Erkenntnis, dass viele bewährte Spielkonzepte in der Virtual Reality kaum mehr funktionieren, wird erst in den kommenden Monaten folgen.

Früher oder später werden Konsolenspieler mehr Substanz bei ihren VR-Spielen und -Erlebnissen einfordern. Ähnlich verhält es sich gerade auf dem PC-Markt für VR-Games, der die Experimentierphase langsam aber sicher verlässt. Jetzt werden Rufe nach teuren Produktionen im Stile von klassischen Monitorspielen laut.

Die vielen kleinen Entwicklerstudios, die für den PC programmieren, können solche großen Projekte jedoch nicht stemmen. Große Studios halten sich zurück, da die Verbreitungszahlen von Oculus Rift und HTC Vive noch denkbar gering sind.

Hier ist Sony deutlich im Vorteil: Die Japaner haben jahrzehntelange Erfahrung im Games-Business, sind hervorragend vernetzt und betreiben zusätzlich hochkarätige Entwicklerstudios. Hinzu kommt, dass Sony wohl schon beim Launch mehr Einheiten von Playstation VR absetzen konnte als die PC-Konkurrenz im vergangenen halben Jahr.

Das macht es für Entwickler deutlich attraktiver, für Sonys VR-Brille zu programmieren. Sogar Jason Rubin, Chef der Oculus Studios, geht davon aus, dass Playstation VR der neue Standard und kleinste gemeinsame Nenner der VR-Spielebranche wird.

Bist Du auch begeistert von Playstation VR? Noch mehr VR-Enthusiasten findest Du im VRForum.

| Featured Image: Sony