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Playstation VR: Hands-on auf der E3

von Tomislav Bezmalinovic21. Juni 2016

Ich hatte auf der E3 2016 die Möglichkeit, die aktuelle Version der Playstation VR-Brille samt Playstation-Move-Controllern anzutesten. Zwei Demos hatte Sony für mich parat: Dangerball, eine Art VR-Pong und das Horrorspiel Blood Rush. 

Was mich an Sonys Brille am meisten beeindruckt hat, ist das Design. Sie kommt zwar ähnlich wuchtig daher wie HTC Vive, ihre äußere Erscheinung gibt aber wesentlich mehr her. Form und Funktion finden bei Playstation VR eher zueinander. Beispielsweise könnten die blauen Leuchten ebenso gut reine Zierde sein, obwohl sie für das Tracking der VR-Brille unabdinglich sind. Zudem kommt sie ohne Klettverschlüsse oder Bänder aus und ist dennoch mit wenigen Handgriffen an die eigene Kopfgröße angepasst. Hier haben Sonys Ingenieure hervorragende Arbeit geleistet.

Dasselbe trifft auch auf den Tragekomfort zu: Zwar wiegt  Playstation VR eine Ecke mehr als Oculus Rift und HTC Vive, sie trägt sich aber dennoch weitaus bequemer als die Konkurrenz. Die Besonderheit von Sonys Brille ist, dass sie angenehm oberhalb der Stirn sitzt. Dafür ist sie auch entsprechend gepolstert, wie auf dem unteren Bild gut zu erkennen ist.

Playstation VR auf E3

PSVR auf dem Sony-Messestand auf der E3 2016 in Los Angeles. Bildquelle: VRODO

Um die Brille aufzusetzen, hält man sie zunächst mit einer Hand an der Polsterung. Mit der anderen Hand greift man von unten die ebenfalls gepolsterte Halterung und betätigt mit dem Daumen den Knopf auf der Rückseite, wodurch die Halterung beweglich wird und nach hinten herausgezogen werden kann. Nun setzt man sich die Brille auf den Bereich oberhalb der Stirn und zieht die Halterung hinter den Kopf. Da die Halterung gefedert ist, zieht sie sich nach Loslassen des Knopfes von selbst an und passt sich so automatisch dem Umfang des Kopfes an. Wahlweise lässt sich eine bestimmte Größe auch einstellen und zwar über einen Regler, der ebenfalls in der Halterung eingebaut und auf dem folgendem Bild gut zu erkennen ist.

Quelle: Sony

Die Rückseite der PSVR mit verstellbarem Kopfteil.  Bildquelle: Sony

Sitzt die Playstation VR gut auf dem Kopf, kann noch die Entfernung des eigentlichen Brillengehäuses zum Gesicht angepasst werden. Auf der linken unteren Seite der Brille befindet sich ein Knopf, der bei Betätigung die Justierung zulässt. In meinem Fall lag die Brille auf dem Gesicht auf, was ich jedoch nicht als störend empfand.

Technisch eindrucksvolle Demos: Dangerball und Blood Rush

Zuerst bekam ich das von Sony entwickelte Playstation VR Worlds zu sehen, das ähnlich wie Valves The Lab eine Reihe von kurzen Spielerfahrungen beinhaltet, welche die Möglichkeiten von Virtual Reality demonstrieren sollen. Zu Beginn befindet man sich in einem runden Raum, in welchem man durch verschiedene Demos scrollen kann. Die Grafik, insbesondere die Beleuchtung des Raumes und die Partikeleffekte, waren besser, als ich erwartet hatte. Auf Anfrage hin bestätigte man mir, dass das Spiel auf der Playstation 4 lief.

Ich entschied mich für eine Demo namens Dangerball. Hierbei handelt es sich um ein Spiel, das ganz offensichtlich den Klassiker Pong in die dritte Dimension überführt. Das Spielziel ist nämlich, eine Kugel am Gegner vorbei zu befördern, ohne dass einem dasselbe geschieht. Der aus dem Originalspiel bekannte weiße Strich weicht in Dangerball einem schwebenden Kraftfeld, das man per Kopfbewegung steuert. Ich hatte während der Demo den Eindruck, dass die Blickrichtung während des Aufschlags die Flugbahn der Kugel und die Schnelligkeit, mit der man den Ball mit dem Kopf zurückschlägt, die Geschwindigkeit der Kugel beeinflussen. So ist der geschickte Einsatz beider Faktoren nötig, um die Kugel gezielt am Gegner vorbei zu befördern. Fußballer mit einer Vorliebe für Kopfbälle dürften hier besonders gut abschneiden.

Mit Blood Rush handelte es sich bei der zweiten Demo um einen VR-Ableger des Horrorspiels Until Dawn, der mit den Playstation-Move-Controllern gespielt wird. Hier bewegt man sich in einer Lore durch allerhand schaurige Schauplätze: von Ruinen, die man mit der Taschenlampe nach spukhaften Erscheinungen absucht, über eine Metzgerei, in der man blutigen Sägeblättern ausweicht, bis hin zu einem von Zombies befallenen Haus, die man sich mit Schrotflinten vom Hals halten muss. Auf die Geschwindigkeit des Gefährts hat man keinen Einfluss und der Pfad scheint ebenfalls vorgegeben zu sein. Obwohl auch hier die Technik stellenweise zu beeindrucken wusste, machte Blood Rush alles in allem keinen besonders originellen oder gruseligen Eindruck auf mich und auch das Tracking der Bewegungscontroller schien mir noch etwas unpräzise zu sein.

Überraschend gute Optik

Neben dem Tragekomfort und den grafisch durchaus eindrucksvollen Demos überraschte mich auch die Optik. Zwar fiel wie bei allen derzeit erhältlichen Geräten die niedrige Auflösung ins Auge, der Fliegengittereffekt trat jedoch nicht besonders störend hervor. Im Gegenteil: Die Bildschirme der Playstation VR lieferten ein insgesamt ruhiges, harmonisches Bild. Die Sichtweite schien mir im Vergleich zur Konkurrenz etwas, wenn auch nicht erheblich, kleiner. Übrigens: Wer sich an der Lücke im Nasenbereich stört, durch welche bei der Rift-Brille die äussere Umgebung sichtbar wird, der wird dasselbe in noch grösserem Umfang bei Playstation VR zu bemängeln haben. Denn hier liegt am unteren Ende des Sichtfelds in der ganzen Horizontale ein schmaler Bereich frei.

Fazit: Sony ist fit für Virtual Reality

Wenn der Ersteindruck nicht vollkommen täuscht, dann bringt Sony mit Playstation VR ein äußerst solides Gerät auf den Markt, das sich vor der Konkurrenz aus dem Hause Oculus VR und HTC nicht fürchten muss und in puncto Tragekomfort diese sogar überflügelt. Die gezeigten Demos konnten mich auch technisch überzeugen – selbst ohne i7 Prozessor und GTX970. Kann Sonys Spielebibliothek bis zum Oktober auch spielerisch überzeugen, so steht dem Erfolg der Playstation VR voraussichtlich nicht mehr viel im Wege.