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Playstation VR im Test: Fazit der US-Medien – wie gut ist Sonys VR-Brille?

von VRODO5. Oktober 2016

Rund eine Woche vor dem Launch urteilen Kritiker über Sonys neue Virtual-Reality-Brille. Wir fassen die wichtigsten Testberichte zusammen. Wie fällt das Fazit aus?

Der auf VR spezialisierte US-Blog Road to VR bezeichnet Sonys VR-Brille als “starken Start” für Virtual Reality mit der Spielekonsole. Insbesondere die verfügbaren Inhalte sollen zu den derzeit Besten gehören. Trotz der alten PS4-Hardware soll die Grafik auf einem hohen Niveau sein – und mit der PS4 Pro besteht noch deutliches Steigerungspotenzial. Gelobt wird die gelungene Ergonomie.

Das Display soll trotz der vergleichsweise niedrigen Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln kaum sichtbare Bildpunkte zeigen, zum Teil aber fleckig ausgeleuchtet sein. Als größte Schwachstelle wird das optische Trackingsystem ausgemacht, das sowohl mit der VR-Brille als auch mit den Move-Controllern weniger präzise arbeiten soll als das von Oculus Rift oder HTC Vive.

Ähnlich wie Road to VR macht der Tester von Upload VR das ältere Trackingsystem als Schwachpunkt von Playstation VR aus und bezeichnet es als qualitativ “weit entfernt” von dem der PC-Brillen. Das visuelle Erlebnis soll ob der geringeren Auflösung und des etwas engeren Sichtfelds geringfügig schlechter sein als das der PC-Vorbilder. Wie störend die Auflösung ins Gewicht falle, hänge von der jeweiligen Anwendung ab. Gelobt wird die einfache Einrichtung, der günstige Preis und die hochwertigen Inhalte. Das Fazit der Tester fällt sehr positiv aus: Mit Playstation VR habe die Zukunft des Konsolen-Gaming begonnen.

Tested und Digital Foundry loben Display und Ergonomie, kritisieren schlechtes Tracking

Der YouTuber Norman Chan von Tested ist angetan von der sehr guten Ergonomie. Das Trackingsystem, so Chan, würde allerdings “zu Wünschen übrig lassen”. Es würde zwar funktionieren, im Vergleich zu Oculus Rift und HTC Vive aber deutlich abfallen.

Die Darstellung der 3D-Controller Move würde nicht immer exakt zur Handposition passen und die Geräte würden virtuell leicht zittern. Das gleiche gelte auch für das PS4-Gamepad. Besonders gravierend sei es, dass auch die VR-Brille ab und an das Tracking verliere und das könne VR-Übelkeit auslösen. Außerdem sei der Trackingbereich sehr eng, bei ausfallenden Bewegungen würde man diesen schnell verlassen. Die Tested-Tester sehen das als solch gravierenderes Problem, dass sie grundlegende Zweifel am Erfolg des Systems andeuten.

Richard Leadbetter von Digital Foundry gesteht dem Sony-System zu, dass es technisch ein Gefühl von Präsenz erzeugen könne. Das Display würde ein gutes Bild mit nur geringem Screen-Door-Effekt liefern.

Bei der grafischen Präsentation müsse man jedoch Abstriche gegenüber herkömmlichen PS4-Spielen hinnehmen. Das ist klar, denn das Rendering für die VR-Brille verschlingt deutlich mehr Leistung als jenes für den 2D-Monitor. Eine mögliche Lösung für dieses Problem ist Sonys neue Playstation Pro, die Anfang November erscheint. Wie fast alle Kritiker nimmt auch Leadbetter das Trackingsystem von Playstation VR mit auf seine Negativliste. Bei seinem Test hatte er Probleme mit zitternden 3D-Controllern, fehlender Präzision und Verdeckung.

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Sony soll bessere 3D-Controller nachliefern

Adi Robertson vom Tech-Magazin The Verge übertitelt ihren Testbericht mit “Wenn gut genug toll ist”. Auch bei ihr herrscht die Meinung vor, dass besonders das Trackingsystem und die älteren Bewegungscontroller eine Schwachstelle sind.

Playstation VR sei “ein Mix verschiedener seltsamer Sony-Experimente”, die nun in der VR-Brille zusammengeführt würden. Das Tracking der Move-Controller würde gegenüber den Rift-Controllern Oculus Touch oder den Vive-Stäben deutlich abfallen. Die nicht für VR, sondern für herkömmliche Monitorspiele optimierte Platzierung der Buttons sei ein Nachteil. Sony müsse dringend eine bessere Lösung nachliefern.

Das Display, so Robertson, sei wegen der geringeren Auflösung körniger und das Schwarz trüber als bei Oculus Rift und HTC Vive. Gelobt wird der komfortable Sitz, der günstige Preis und das Software-Lineup, das laut der Autorin von mutigeren VR-Experimenten profitieren würde.

Nur ein Spielzeug – und das ist gut so

Lucas Matney von Techcrunch bezeichnet Playstation VR als “Spielzeug, das unterhalten und kein Eintrittstor in die Matrix sein soll” – das ist keineswegs negativ gemeint, sondern eher eine Anspielung auf die häufig übertriebenen Metaverse-Fantasien aus dem Silicon Valley. Allerdings stört sich auch Matney an einem unpräzisen Tracking der Move-Controller sowie an den zahlreichen Kabeln und einer mäßig verarbeiteten Hardware. Wie seine Kollegen, lobt Matney den Tragekomfort, das Design und die gute Ausgangsposition innerhalb von Sonys Ökosystem.

Sein Fazit ist insgesamt positiv: Playstation VR sei ein grundlegend neues Stück Technologie, das qualitativ hochwertige VR-Erlebnisse vielen Interessierten zu einem fairen Preis zugänglich machen würde.

Kabelsalat garniert mit guten Spielen

Mike Epstein von Digital Trends bewertet Sonys VR-Brille recht positiv. Playstation VR sei zwar nicht ganz so leistungsfähig wie die Systeme von HTC und Oculus VR, biete aber dennoch “die volle VR-Erfahrung”. Wenig erfreut zeigt sich Epstein über die Unordnung, die Sonys VR-Brille im Wohnzimmer verursache. Nach der Einrichtung würden viele zusätzliche Kabel herumliegen. Für das Zubehör wie die Playstation Move Controller solle man sich zudem eine Aufladestation besorgen, so Epstein.

Dem Journalisten zufolge würde die Bildqualität variieren, je nachdem, welches Spiel man spiele. Bei vielen Spielen würde der Fliegengittereffekt nicht stören, während andere wie Batman: Arkham VR sehr körnig wirken würden.

Die VR-Übelkeit kam bei Epstein zwar gelegentlich auf, sie sei nicht von der Hardware verschuldet. Vielmehr sei die Ursache bei den Spielen zu suchen, die viel künstliche Fortbewegung einsetzen. Bei der Playstation Kamera kritisiert er den engen Trackingbereich. Es käme vor, dass die Kamera den Spieler aus dem Auge verliere, wenn man sich zu den Seiten bewege.

Epstein lobt Sonys Spiele-Lineup. Seines Erachtens ist das Spieleangebot besser als das der Konkurrenz aus dem Hause Oculus VR und HTC. Mit einem Wort: Playstation VR ist für Gamer.

Virtual Reality noch nicht reif für den Massenmarkt?

Playstation VR habe Potenzial, würde aber von der alten PS4-Hardware zurückgehalten, schreibt Kirk Hamilton, Tester beim Nerd-Magazin Kotaku. Trotz des im Vergleich zu anderen VR-Systemen günstigen Preises sei die Hardware noch immer kostspielig: “Auch eine günstige VR-Brille ist immer noch furchtbar teuer.”

Das Headset an sich wird vom Autor positiv bewertet. Allerdings kommen auch in seinem Review die Move-Controller – die beim Test im Gebrauch konstant leicht zitterten – sowie das gesamte Trackingsystem eher schlecht weg. Gerade das fehlende 360-Tracking würde stören. Die ironische Berufssimulation “Job Simulator” würde mit der Vive-Brille dank Room-Scale-VR deutlich mehr Spaß machen.

Ähnlich wie Robertson bezeichnet Hamilton Playstation VR als einen Mix aus zuvor gescheiterten Sony-Technologien. Sein Ausblick für Virtual Reality ist recht düster: Die Technologie sei noch nicht reif und Sony würde dennoch versuchen, einen Massenmarkt mit der VR-Brille zu erschließen. Playstation VR sei in einigen Bereichen signifikant schlechter als die PC-Brillen. Dennoch könne man mit der Hardware spaßige VR-Erlebnisse haben.

Spiele mit minimalistischer Grafik sehen besser aus

Kyle Orland von Ars Technica ist erstaunt ob der Qualität, die Playstation VR bietet. In den besten Momenten kämen die VR-Erfahrungen an die von Oculus Rift und HTC Vive heran. Die Qualität des Displays übertreffe die Mitbewerber sogar, so Orland. So würde der Fliegengittereffekt kaum auffallen. Dennoch sei die geringe Auflösung der Bildschirme zuweilen erkennbar, wenn sich an Kanten ein deutlicher Treppcheneffekt zeige.

Insgesamt sei Sonys VR-Brille nicht ganz auf Augenhöhe mit der PC-Konkurrenz, die mit schönerer Grafik und besserem Bewegungstracking punkten könne. Das Trackingsystem von Playstation VR könne schon durch zu helles Licht im Zimmer gestört werden. Mit dem Tracking der Playstation-Move-Controller hingegen ist Orland zufrieden. Es sei eine Freude, sie zu benutzen, so Orland. Leider würden die meisten Spiele diese nicht unterstützen, da sie für das Dualshock 4 Gamepad optimiert seien.

Orland findet, dass Spiele mit stilisierter oder minimalistischer Grafik wie Rez Infinite oder Job Simulator weitaus schöner anzusehen seien als solche, die sich um Fotorealismus bemühen. Letztere würden die Hardware der Playstation 4 überbeanspruchen und müssten daher Abstriche bei der Auflösung machen. Infolgedessen würden diese sehr unscharf wirken.

New York Times: PSVR lohnt sich, wenn man schon eine Playstation hat

Brian X. Chen von der New York Times bezeichnet Playstation VR als wohnzimmertauglich und als lohnenswerten Kauf für Nutzer mit Interesse an Virtual Reality. Für den durchschnittlichen Gamer könne der Spaß an der virtuellen Realität schnell verfliegen, so Chen. Er selbst würde es nur rund 30 Minuten unter der VR-Brille aushalten. Außerdem seien aktuell nur wenige gute Spiele verfügbar. Sein Fazit: “Ich würde nicht losrennen – nicht einmal bummeln – um mir ein Virtual-Reality-System zu kaufen.”

Geoffrey A. Fowler vom Wall Street Journal lobt den Nutzungskomfort von Playstation VR. Sony habe jahrzehntelange Erfahrung bei der Herstellung von Hardware fürs Wohnzimmer. Würde man bei Oculus Rift darauf hoffen, dass der Nachbar die VR-Brille kaufe und aufbaue, sei es deutlich wahrscheinlicher, dass man Playstation VR dauerhaft selbst im Einsatz haben möchte.

VR habe potenziell zwar viele Anwendungsszenarien, Playstation VR würde sich aber ausschließlich auf das Entertainment fokussieren. Besonders angetan war Fowler vom interaktiven VR-Kurzfilm “Allumette”, der ihm laut eigenen Angaben die Tränen in die Augen trieb.

Was erhofft ihr euch von Playstation VR? Trefft andere VR-Fans im VRforum.

| Text: Bezmalinović / Bastian | Featured Image: Sony