Skyrim VR ist nicht der erhoffte Heilsbringer der VR-Spiele und hat viele Schwächen, ist aber dennoch eine solide Portierung.
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Playstation VR: Skyrim VR im Test – Lohnt die Reise nach Himmelsrand?

von Tomislav Bezmalinovic17. November 2017

Kaum ein VR-Spiel wurde so sehnlichst erwartet wie Skyrim VR für Playstation VR. Nach den ersten Stunden mit Bethesdas Rollenspielportierung ist klar, dass das Spiel nicht der erhoffte Heilsbringer für VR-Spiele ist. Weshalb ich die VR-Umsetzung dennoch für gelungen halte, könnt ihr im Test nachlesen.

Die Szene habe ich schon ein Dutzend Mal erlebt: Umgeben von Gefangenen, fahre ich auf einem Holzwagen einen steilen, holprigen Weg hinab zu meiner Hinrichtungsstätte.

Doch dieses Mal ist es anders: Mir ist, als würde ich das Rumpeln und die Neigung des Wagens tatsächlich spüren. Instinktiv halte ich mich fest, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Das ist die Magie der Virtual Reality.

Sie hat jedoch nicht lange Bestand: Skyrim ist bekannt für seine weiten Landschaften und beeindruckenden Panoramen, doch gerade die profitieren kaum von der Virtual Reality. Skyrim VR wirkt ungewöhnlich flach für ein VR-Spiel und kann nicht verbergen, dass man auf einen Bildschirm statt in eine Welt schaut. Das neue Medium eignet sich eher für die Darstellung von engen Räumen als großer Welten.

Menüs sind unverändert

Die Bedienung des Spiels funktioniert und lässt dennoch Wünsche offen. Wer ein verbessertes oder komplett neues Interface für Virtual Reality erwartet, wird enttäuscht sein: Die Menüs und Anzeigen wurden größtenteils beibehalten, nur dass sie jetzt vor dem Spieler schweben.

Die Navigation durch die Menüs ist damit noch immer so umständlich wie in der Originalfassung und macht das Inventarmanagement und den Wechsel zwischen Zaubersprüchen und Waffen zu einer Geduldsübung.

Fortbewegung: Viele Anpassungsmöglichkeiten

In puncto virtuelle Fortbewegung hat Bethesda gute Arbeit geleistet: Im Menü gibt es zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten, die auf der Höhe aktueller VR-Standards sind und Anfänger sowie geübte VR-Spieler gleichermaßen zufrieden stellen sollten.

Mit dem Gamepad kann man sich fließend durch Himmelsrand bewegen, mit Playstation Move steht zusätzlich Teleportation zur Auswahl. Wem die fließende Fortbewegung mit dem Gamepad nicht bekommt, kann einen Tunnelblick aktivieren, der bei Bewegung das Sichtfeld verengt oder ganz auf Teleportation ausweichen.

Bethesda lässt Nutzern die größtmögliche Wahl bei der Gestaltung des Spielerlebnisses.

Die fließende Fortbewegung mit Move ist auf den ersten Blick intelligent gelöst: Man hält die Spitze des linken Controllers in die gewünschte Laufrichtung und drückt den Move-Knopf.

Probleme gibt es, wenn man rückwärts gehen oder gleichzeitig mit der linken Hand kämpfen möchte. Wer sich davon eingeschränkt fühlt, muss zum Gamepad greifen.

Magische Hände und leichter Stahl

Wer seine Hände in Skyrim VR einsetzen möchte, wird diese Einschränkungen in Kauf nehmen, denn das Zaubern mit Playstation Move fühlt sich großartig an.

Der Einsatz von Schild und Schwert bereitet im Vergleich weniger Freude: Die Waffen wirken federleicht und geben beim Auftreffen kaum Feedback. Dadurch fühlen sich die Nahkämpfe nicht besonders realistisch an.

Kompromisse bei der Grafik

Um die für Virtual Reality erforderliche hohe Bildwiederholrate zu erreichen, musste Bethesda große Kompromisse bei der Grafik eingehen. Ich spiele Skyrim VR auf einer herkömmlichen PS4, auf der es gefühlt schlechter aussieht, als die sechs Jahre alte Originalfassung.

Gemessen an den technischen Einschränkungen hat Bethesda gute Arbeit geleistet.

Hinzu kommt, dass verwaschene Texturen und polygonarme 3D-Modelle unter der VR-Brille negativer auffallen als auf einem Monitor. Das stört besonders bei menschlichen Spielfiguren. Über der Welt liegt zudem ein Unschärfefilter, der die geringe Auflösung und die fehlende Kantenglättung kaschieren soll. Deshalb wirkt das Bild stark verwaschen.

Die ureigene Magie der Elder-Scrolls-Spiele und die prachtvollen Landschaften können die grafischen Mängel teilweise aufwiegen. Wenn ich am Fuß eines Berges stehe und zum Gipfel hochblicke oder einen Kiefernwald in dichtem Schneegestöber durchquere, dann bin ich dankbar, Himmelsrand durch die VR-Brille erleben zu können.

Die Grundlagen stimmen

Dass ich in Skyrim VR trotz aller Kritikpunkte eine gelungene Portierung sehe, hat zwei Gründe.

Einerseits kann ich zum ersten Mal in der Virtual Reality zwei Stunden am Stück in einer schier endlosen Rollenspielwelt versinken, ohne dass mir schlecht wird oder meine Augen ermüden. Dieses Gefühl der Freiheit kannte ich bislang nicht unter der VR-Brille.

Andererseits lässt mir Bethesda die Wahl bei der Gestaltung meines Spielerlebnisses: ich kann mich fließend oder per Teleportation durch die Welt bewegen, das Gamepad oder Playstation Move nutzen und im Stehen oder Sitzen spielen.

In diesem Sinne hat Bethesda seine Hausaufgaben gemacht und gemessen an den technischen Einschränkungen von Playstation 4 und Playstation VR das Bestmögliche aus der Portierung eines Rollenspielungetüms wie Skyrim herausgeholt.

Muss man für Skyrim VR erneut nach Himmelsrand reisen?

Eine andere Frage ist, ob und für wen sich die erneute Reise nach Himmelsrand lohnt. Klar ist, dass Skyrim VR das Original nicht neu erfindet. Wer das Original durchgespielt hat, wird keinen großen Mehrwert in der VR-Neuauflage sehen. Das gilt insbesondere für Käufer der Special Edition oder PC-Nutzer, die Mods installiert haben. Sie dürften sich an der schwachen Grafik stören.

Wer das Original durchgespielt hat, dürfte keinen großen Mehrwert in der VR-Neuauflage sehen.

Wer eine Playstation VR besitzt und Skyrim kaum oder noch gar nicht gespielt hat, für den ist die VR-Neuauflage eine gute Gelegenheit, Himmelsrand zu erkunden. Den Kauf einer VR-Brille rechtfertigt der Titel meines Erachtens nicht im Alleingang. Nur wer schon länger mit einer Playstation VR liebäugelt und andere VR-Spiele ausprobieren möchte, sollte sich Sonys VR-Brille anschaffen.

Ungeschliffenes Juwel

Skyrim VR für Sonys VR-Brille ist nicht der krönende Abschluss, die erhoffte “Ultimate Edition” des Rollenspiels – aber möglicherweise deren Anfang.

2018 dürfte das Spiel für HTC Vive erscheinen und Bethesda täte gut daran, das Spiel mit Mod-Support zu veröffentlichen. In zwei oder drei Jahren könnte mit Hilfe der Modder-Szene ein Skyrim VR entstehen, das die aktuelle Version in vielen Belangen in den Schatten stellt und spätestens ab der nächsten Generation VR-Brillen ihr volles Potenzial entfaltet.

Letzte Aktualisierung am 13.12.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

| Featured Image: Bethesda

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