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Playstation VR: Sony patentiert Warnsystem für Virtual-Reality-Übelkeit

von Matthias Bastian13. August 2016

Trotz hoher Bildwiederholraten und besseren Auflösungen: Das Problem der Bewegungsübelkeit in Virtual Reality ist grundlegend noch lange nicht gelöst. Sony patentiert für Playstation VR ein Warnsystem, das Spieler beobachten und Gegenmaßnahmen einleiten soll.

Von allen Virtual-Reality-Systemen ist Sonys Playstation VR potenziell von den meisten Beschwerden bezüglich VR-Übelkeit bedroht. Das liegt zum einen daran, dass Playstation VR schnell die am weitesten verbreitete VR-Brille werden dürfte. Selbst wenn nur eine kleine Minderheit von Übelkeit betroffen ist, wird diese im Netz besonders laut sein.

Zum anderen ist es ein hausgemachtes Problem: Sony setzt vornehmlich auf Virtual-Reality-Spiele, die mit einem herkömmlichen Gamepad gespielt werden. Das bedeutet viel künstliche Bewegung, die schnell VR-Übelkeit provoziert. Nur ausgewählte Titel setzen ausschließlich auf die 3D-Controller Move, die eine natürlichere Interaktion ermöglichen.

Das ist in erster Linie eine wirtschaftliche Entscheidung und keine, die im Sinne des neuen Mediums getroffen wird. Sony kann es sich schlichtweg nicht erlauben, einen Großteil der PS4-Besitzer aufgrund des fehlenden Eingabegeräts vom VR-Erlebnis auszuschließen. Zum Vergleich: Anwendungen für HTC Vive setzen fast ausschließlich auf natürliche Bewegung im Raum mit passendem 3D-Interface. Übelkeit ist hier zwar nicht ausgeschlossen, aber deutlich unwahrscheinlicher. Die Vive-Controller liegen jeder VR-Brille bei, sodass der Markt nicht fragmentiert ist und Entwickler ausschließlich für das räumliche Erlebnis konzipieren und optimieren können.

Sonys Frühwarnsystem: Spieler werden auf Symptome beobachtet – Vibrationen und Audioeffekte sollen Übelkeit verhindern

Der Titel des neuen Patents lautet “Motion Sickness Monitoring and Application of Supplemental Sound to Counteract Sickness”. Es beschreibt ein Frühwarnsystem, das die Bewegungen und die Mimik des VR-Brillenträgers beobachtet und bei Anzeichen von VR-Übelkeit Alarm schlägt. Im Patent werden beispielsweise Kopfbewegungen und das Tracking von Pupillen und der Gesichtsmuskulatur genannt. Entsprechende Tracking-Technologien stehen vollständig frühestens in der zweiten Generation VR-Brillen zur Verfügung.

Wenn das System erkennt, dass VR-Übelkeit entsteht, werden automatisch Gegenmaßnahmen eingeleitet. Diese umfassen “unterstützenden Sound”, eine Reduktion der Spielintensität oder eine vibrierende VR-Brille. Der Sony-Erfinder Brian Watson verdeutlicht das im Patent anhand einer Ski-Simulation, bei der der Spieler den Hang hinunterrast. Kündigt sich Übelkeit an, startet automatisch eine Audio-Massage, die Spielgeschwindigkeit wird angepasst und die grafischen Details im Hintergrund werden reduziert (bspw. Bäume ausgeblendet).

Die lindernden Soundeffekte sollen über sogenannte Knochenleitkopfhörer nah am Innenohr übertragen werden. Entsprechende Hardware könnte im Haltesystem der VR-Brille integriert sein. Ergänzend werden im Patent weitere Methoden beschrieben, um das Gleichgewichtsorgan positiv zu stimulieren, beispielsweise Mikrowellen, “die für das Innenohr sicher sind” oder elektrische Impulse.

Ob und wie stark das System eingreift, soll dynamisch vom Nutzerprofil abhängen und sich nach Faktoren wie Spielerfahrung, Alter, Gewicht oder Größe richten. Spieleentwickler, die wissen, dass ein Abschnitt besonders herausfordernd für den Magen wird, können Gegenmaßnahmen präventiv festlegen. Umgekehrt könnte die Hardware den Spielablauf vorhersehen und ein begleitendes Therapieprogramm planen. Das Patent wurde am 5. Februar 2015 eingereicht und am 11. August 2016 publiziert.

Das Frühwarnsystem beobachtet und leitet Gegenmaßnahmen ein. Bild: Sony

Das Frühwarnsystem beobachtet und leitet Gegenmaßnahmen ein. Bild: Sony

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Das System erkennt intelligent, ob und wann VR-Übelkeit entsteht und arbeitet dynamisch. Bild: Sony

| Source: United States Patent and Trademark Office | Featured Image: Sony / United States Patent and Trademark Office