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Playstation VR: Vorerst kein VR-Spiele-Streaming am PC

von Matthias Bastian8. Juli 2017

Mit dem Streaming-Service “Playstation Now” will Sony das Netflix fürs Gaming etablieren. Virtual Reality mit Playstation VR wird auf absehbare Zeit nicht unterstützt.

Bereits seit 2015 in den USA verfügbar, soll Playstation Now 2017 in Deutschland starten. Interessierte ab 18 Jahren können sich hier für den Betatest registrieren. Der Service kostet in den USA rund 20 US-Dollar pro Monat.

Das Streaming-Angebot ist für Sony strategisch ein signifikanter Schritt, denn erstmals sind damit Playstation-Spiele offiziell unabhängig von einer Playstation-Konsole spielbar. Mit einer App können PC-Nutzer PS3- und PS4-Klassiker auf dem Windows-Rechner starten. Laut Sony sollen hunderte Titel verfügbar sein. Spiele für Playstation VR sind allerdings nicht darunter.

Spiele-Streaming: Zu viel Latenz für Playstation VR

Die größte Herausforderung beim Spiele-Streaming ist die zusätzliche Latenz, die durch die Internetübertragung entsteht. Je größer die Verzögerung zwischen Knopfdruck und Aktion auf dem Bildschirm, desto stärker leidet der Spielspaß im Vergleich zum nativen Abspielgerät.

Die genaue Latenz hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, viele davon – wie die Qualität der heimischen Internetleitung oder Einstellungen am Router – kann der Anbieter des Streams gar nicht kontrollieren.

Laut Messungen aus 2015 verursacht das Playstation-Now-Streaming eine zusätzliche Latenz von circa 80 Millisekunden, die auf die ohnehin schon vorhandene Latenz der Konsole und des TVs draufgerechnet werden. Bei herkömmlichen Monitorspielen ist diese zusätzliche Latenz zwar spürbar, je nach Spiel und Anwender muss sie aber nicht den Spaß an der Sache nehmen.

Ganz anders ist das bei Playstation VR: Hier zählt jede Millisekunde. PSVR-Spiele laufen durchschnittlich 30 bis 90 Bilder pro Sekunde schneller als Monitorspiele, um die Latenz so gering wie möglich zu halten.

Eine zu hohe Latenz würde bedeuten, dass die Kopf- und Handbewegungen nicht mehr eins zu eins, sondern verzögert in die Virtual Reality übertragen werden. Dieser zeitliche Versatz macht den Wow-Effekt zunichte und dem VR-Brillenträger wird höchstwahrscheinlich schlecht.

Bei der Latenz gibt es daher keine Toleranz, sie muss unter 20 Millisekunden liegen, damit die VR-Illusion funktioniert und der Magen des Nutzers geschont wird. Selbst wenn Sony den Playstation-Now-Service deutlich optimieren könnte, wäre ein VR-Streaming noch immer unrealistisch.

Entsprechend gibt Sonys Playstation-Network-Chef Eric Lempel gegenüber der Webseite Time an, dass Playstation VR vorerst kein Thema fürs Streaming-Angebot ist. Sony hat sich laut Lempel nicht einmal damit beschäftigt. “Ich denke, dass es eine sehr große Herausforderung wäre”, sagt Lempel und lacht dabei.

Native PC-Unterstützung für Playstation VR?

Lange vor dem Marktstart von Playstation VR stellte Sonys Masayasu Ito eine native Unterstützung von Playstation VR am PC in Aussicht. Ito ist Vizepräsident bei Sony Interactive Entertainment, er betreute unter anderem die Entwicklung und Markteinführung der VR-Brille.

“Da die PS4 und PCs ohnehin sehr ähnliche Hardware haben, gibt es diese Möglichkeit”, sagt Ito im März 2016 der Webseite Nikkei. “Aber im Moment konzentrieren wir uns nur auf Spiele und wir sind noch nicht soweit, dass wir etwas ankündigen könnten. Aber ich würde schon sagen, dass es Erweiterungen in verschiedene Bereiche geben wird.”

Sony-Chef Kazuo Hirai prognostizierte im April 2017, dass das Virtual-Reality-Geschäft im B2B-Bereich in den kommenden Jahren wichtiger werden könnte als der Gaming-Sektor. Sonys Plan sei es, zuerst den Entertainment-Markt für VR zu dominieren, um dann stärker auf Bereiche außerhalb von Games und Filmen zu fokussieren. Spätestens dann würde eine Sony-Brille für den PC Sinn ergeben.

| Featured Image: Sony

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