Mit Astro Bot ist es Sony gelungen, ein altes Spielegenre kunstgerecht in die Virtual Reality zu übertragen und zugleich eines der technisch vollkommensten VR-Spiele zu schaffen. Das ist ein kleiner Triumph für das Medium.

Zugegeben: Ich hatte im Vorfeld keine überragend großen Erwartungen an Astro Bot. Was soll schon so Besonderes sein an einem VR-Plattformer? Man nimmt ein etabliertes Genre und überträgt es samt des Großteils seiner Regeln und Konventionen in die Virtual Reality. Was soll daran schwierig sein?

Sonys Japan Studio und Team Asobi beweisen mit Astro Bot, dass dazu sehr viel Kunstfertigkeit gehört: Astro Bot spielt so souverän auf der VR-Klaviatur und tut, was es tut, so mühelos, dass man das Gefühl hat, es sei ein VR-Titel der nächsten Generation.

Das kommt so überraschend wie selten. Das letzte Mal, das ich so etwas erlebte, war letztes Jahr mit Lone Echo. Beide Titel legen die Messlatte höher und lassen viele ältere VR-Spiele altbacken oder unbeholfen wirken.

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Astro Bot spielt mit krassen Größenverhältnissen. BILD: Japan Studio / Team Asobi

Ein VR-Spiel, das glücklich macht

Virtual Reality ist mehr als eine neue Darstellungsform. Astro Bot beweist dies durch seine kreative Aneignung des Mediums, seine zahllosen Einfälle, die Stärken von Virtual Reality für sich zu nutzen. Diese Ideen fallen einem nicht in den Schoß, sie benötigen ein gewisses Genie, das die Entwickler eindrucksvoll zur Schau stellen.

Das zeigt sich am Spiel mit Größenverhältnissen, den Interaktionen mit dem quirligen Helden des Spiels und der Art und Weise, wie man als Spieler in die Erfahrung und Welt eingebunden wird. Ich nenne bewusst keine Beispiele, um nichts zu verraten.

Astro Bot lässt spüren, dass die Spieldesigner bei der Entwicklung Spaß hatten. Der Titel sprüht vor Leben und Witz und ließ mich ein ums andere Mal ungläubig staunen und Tränen lachen. Astro Bot ist ein Spiel, das glücklich macht.

Sonys beispielloser Feinschliff trägt wesentlich zum Gesamteindruck bei: die Grafik, Animationen und Soundeffekte gehören zum Besten, was VR-Spieler bislang erleben durften und machen Astro Bot zu einer sinnlichen Wucht.

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Der Controller ist Teil der Spielwelt und wird für zahlreiche Interaktionen genutzt. BILD: Japan Studio / Team Asobi

Probleme mit der Perspektive

Das Genre des VR-Plattformers kann Astro Bot gleichwohl nicht vollenden: Das Spiel hat seine Unzulänglichkeiten und wie so oft haben sie mit der Perspektive und Fortbewegung in der Virtual Reality zu tun. Diese Probleme sollten nicht unerwähnt bleiben.

Der Spieler steuert Astro von außen und folgt ihm automatisch auf einer schwebenden Plattform durch die korridorartigen Welten. Diese Bewegung verläuft auf einer Schiene, einer Kamerafahrt gleich. Den Kopf kann man an jeder Position frei im Raum bewegen, um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. Viel Spielraum hat man jedoch nicht, da die Kamera anders als bei klasssichen 2D-Jump’n’Runs dem Helden nicht überallhin folgt, sondern zwischen den eigenen Schultern sitzt.

Die ortsgebundene Kameraführung schränkt die Perspektive gleich in mehrerer Hinsicht ein. An vielen Stellen steuert man Astro in horizontale oder vertikale Ausläufer der Spielwelt, während man selbst an Ort und Stelle verharrt. Das hat den Nachteil, dass man den kleinen Roboter nur noch von fern sieht und steuert. Optimal ist das nicht.

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In Astro Bot besucht man eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Welten. BILD: Japan Studio / Team Asobi

Ein VR-Vorzeigespiel

Doch selbst wenn Astro in der Nähe bleibt, hat man oft den Wunsch, eine geeignetere Perspektive einzunehmen. Sei es, weil Objekte der Spielwelt die Sicht blockieren oder weil sich Astro an unzugänglichen Stellen befindet. Dann hilft nur noch, sich von der Couch zu erheben.

Besonders merkwürdig: Möchte man in ein bereits zurückgelegtes Gebiet zurück, muss man sich umdrehen – oder das Level neu starten. Die Kamera fährt nämlich nur in eine Richtung.

Diese Makel zeigen, dass Astro Bot in Sachen VR-Jump’n’Run noch nicht auf alle Fragen Antworten gefunden hat. Die Spielerfahrung trüben sie jedoch kaum. Der Titel zeigt beispielhaft, wie ein altes Spielegenre wenn nicht neu erfunden, so doch mit großem Gewinn in die Virtual Reality übertragen werden kann.

Damit ist schon viel erreicht, wenn man bedenkt, dass andere Genres wie der Ego-Shooter erst noch auf dem Weg sind, diesen Punkt zu erreichen und in der Virtual Reality noch nicht gänzlich zu sich gefunden haben.

Astro Bot Rescue Mission ist ab sofort im deutschen Playstation Store erhältlich und kostet 39,99 Euro. Die Gratis-Demo gibt es hier.

Letzte Aktualisierung am 11.12.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

| Featured Image: Sony Japan Studio / Team Asobi

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