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Playstation VR: Weshalb Thumper für mich die schönste VR-Erfahrung bietet

von Tomislav Bezmalinovic26. November 2016

Wenn es nach mir geht, gibt es derzeit in der Virtual Reality nichts Schöneres zu erleben als Thumper. Und das, obwohl es fast alle Erwartungen unterläuft, die man an ein VR-Spiel stellen kann.

Als ich zum ersten Mal in die Welt von Thumper eintauchte, fühlte ich mich wie der Astronaut David Bowman, der hinter Jupiter durch das Sternentor in eine andere Dimension tritt. Mir war, als würden meine Augen und Ohren zu Gruben, in die sich Sturzbäche von Farben und Klängen ergiessen. Die sinnliche Wucht dieses Spiels lässt sich kaum in Worte fassen.

Eine sinnlich berauschende Erfahrung

Das liegt daran, dass es auf realistische Elemente weitgehend verzichtet und mich in eine Welt eintauchen lässt, die nur aus Formen und Farben besteht. Wie ein abstraktes Kunstwerk entzieht es sich einer sprachlichen Rekonstruktion und kann nur über die Sinne adäquat erfahren werden.

Das gilt in noch größerem Umfang für Musik, von der man sagen könnte, dass sie die sinnlichste und deshalb auch mächtigste aller Kunstformen ist. Man denke an Homers Odyssee, in der der antike Dichter Homer von Sirenen erzählt, die vorbeifahrende Seeleute mit ihrem Gesang so stark betören, dass sie ihr Schiff auf die Felsen zusteuern und sterben. Thumper entwickelt mit seiner Musik eine ähnliche, fast rauschhafte Sogwirkung.

Ein Spiel als Metapher für die Lebensreise

Das Spiel hat dennoch einige figurative Elemente und wollte man ihm eine Bedeutung zuschreiben, so könnte man in Thumpers irrer Fahrt ins Ungewisse eine Metapher für das Leben sehen. Die Strasse, die man hinunterjagt, wäre dann nichts anderes als ein Bild für den Lebensweg, der sich fortwährend aus einem unbekannten Punkt herauswälzt: einem Weltenei, einer Vulva oder einer Singularität, je nachdem, ob man eine mythische, sexuelle oder physikalische Beschreibung bevorzugt.

Das Leben zu meistern würde heißen, die zahlreichen Hindernisse, die es einem in den Weg legt, als Elemente eines Tanzes zu begreifen. Hat man dessen Rhythmus verinnerlicht, werden Energien entfesselt, die zurückgeworfen werden können und weitere Türen einer endlosen Zimmerflucht öffnen.

Kunst kennt keine Regeln

Es erstaunt, dass Thumper so gut funktioniert, obwohl es viele Erwartungen unterläuft, die man ein VR-Spiel stellt. Zum Beispiel will es den Spieler nicht in eine Matrix versetzen, in der die Welt möglichst realistisch dargestellt ist. Stattdessen hüllt es den Spieler in Formen, Farben und Klänge ein und bietet auf diese Weise eine sinnliche Erfahrung, die ihresgleichen sucht.

Thumper setzt auch nur minimal auf Bewegungen im realen Raum. Man kann sich zwar nach vorne und zur Seite neigen, diese Bewegung ist aber nicht essentiell für das Spiel. Im Grunde könnte man auf das Positional Tracking verzichten. Trotzdem lässt einen das Spiel Raum und Geschwindigkeit in einer Weise erfahren, die hypnotisierend wirkt. Thumper nutzt auch keine Bewegungscontroller, sondern setzt bei der Steuerung auf das Gamepad. Auch dieser Umstand schadet dem Spiel nicht.

Hieraus kann man zwei Dinge lernen. Erstens: In der Kunst gibt es keine Regeln. Zweitens: Kunst findet immer Wege, Einschränkungen jedweder Art zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Die VR-Version von Thumper ist derzeit nur für Playstation VR erhältlich. Die offizielle Seite des Spiels ist hier zu finden.