Die Entwickler von Pokémon Go setzen ihre Einkaufstour fort und erwerben das vierte Unternehmen in weniger als einem Jahr. Mit der Übernahme von Seismic Games holt sich Niantic ein Team erfahrener Spieldesigner ins Boot.

Das 2011 in L.A. von ehemaligen Mitarbeitern von EA, Pandemic und Activision gegründete Studio entwickelte unter anderem das rundenbasierte Rollenspiel Marvel Strike Force für mobile Plattformen und das Daydream-exklusive VR-Spiel Blade Runner: Revelations.

Das Team soll an bestehenden Projekten weiterarbeiten und zugleich für Niantic “völlig neue” AR-Erfahrungen entwickeln. Damit dürfte weniger Ingress Prime oder das kommende Harry-Potter-Spiel als ein noch unangekündigter Titel gemeint sein. Die Übernahmesumme nennt Niantic nicht.

Niantic will die AR-Cloud bauen

Vor kurzem stellte das Unternehmen die “Real World Platform” vor, eine AR-Technologie, die Grundlage einer AR-Cloud werden soll. Damit ist ein digitales Abbild der physischen Welt gemeint, das ein präzises 3D-Koordinatensystem für AR-Erfahrungen bereitstellt. Niantic will die Technologie an AR-Entwicker lizenzieren.

“Wir gaben kürzlich einen Einblick in unsere AR-Technologie und Seismic Game soll uns helfen, die Vision eines Betriebssystems zu verwirklichen, das die Kluft zwischen der digitalen und physischen Welt überbrückt”, schreibt Niantic-Chef John Hanke im Firmenblog.

Viele Übernahmen in kurzer Zeit

Um dieses Ziel zu erreichen, erwarb Niantic seit November 2017 drei weitere Unternehmen, darunter Escher Reality und Matrix Mill. Escher Reality entwickelte eine Technologie, die geräteübergreifende AR-Erfahrungen sowie die dauerhafte Verankerung von AR-Objekten in der physischen Welt ermöglicht – eine wichtige Voraussetzung für die AR-Cloud.

Matrix Mill hingegen arbeitete an KI-gestützten Verfahren, die räumliche Informationen der Umgebung aus herkömmlichen Smartphone-Kameraaufnahmen herleitet. Die für eine AR-Cloud benötigten Echtwelt-Informationen sollen die AR-Spieler liefern, die mit ihren Smartphones durch die Nachbarschaft ziehen.

Dass Niantic so aggressiv Startups übernimmt, liegt nicht zuletzt am konstanten Geldfluss: Das Unternehmen erhielt Ende 2017 200 Millionen US-Dollar von Investoren. Darüber hinaus läuft Pokémon Go noch immer sehr gut und hat seit dem Marktstart im Sommer 2016 Einnahmen über 1,8 Milliarden US-Dollar generiert.

| Featured Image: Seismic Games


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