Niantic ist das Entwicklerstudio hinter dem Augmented-Reality-Hit Pokémon Go. Jetzt investiert es die Millionengewinne und zusätzliche Investorengelder in das Künstliche-Intelligenz-Startup Matrix Mill und den Aufbau einer Echte-Welt-Plattform. Das Ziel: Bekannte und erweiterte Realität sollen visuell glaubhafter ineinanderfließen.

Matrix Mill entwickelt KI-gestützte Verfahren, um aus herkömmlichen Kameraaufnahmen 3D-Daten der Umgebung zu extrahieren. Laut Niantic beschäftigt sich das Gründer-Team der Universität London schon seit Jahren damit, wie Maschinen unsere Welt sehen und wie digitale Objekte mit ihr interagieren können.

Im eigenen Blog zeigt Niantic ein Beispiel für diese Umgebungsanalyse: Anstatt einfach nur über dem Kamerabild zu schweben oder an einem fixen Standpunkt zu verharren, bewegt sich das Pokémon glaubhaft durch die Welt und kann sich hinter realen Objekten verstecken.

Dieses Verdeckungsverfahren (Occlusion) ist eine Kerntechnologie, um Augmented Reality visuell glaubhafter zu machen. Es verbessert den Eindruck, dass digitale Charaktere oder Objekte wirklich Teil unserer Welt sind.

“Bei Niantic sagen wir immer, dass man die Realität verstehen muss, um sie digital zu erweitern”, schreibt Niantic-Chef John Hanke. Das Team von Matrix Mill habe einige neuartige Ansätze entwickelt, die es Maschinen erlauben, die Realität ähnlich zu sehen wie das menschliche Auge. “Das Resultat sind visuell glaubhaftere Augmented-Reality-Erlebnisse, das ist genau unser Ziel.”

Der Kauf von Matrix Mill ist bereits Niantics dritte Übernahme seit vergangenem November. Zuvor schlossen sich Niantic das auf Social-Kommunikation spezialisierte Startup Evertoon an und Escher Reality, das sich wie Matrix Mill mit 3D-Karten und Computer Vision befasste.

Niantic will die Augmented-Reality-Cloud bauen

Diese Übernahmen sind Teil eines größeren Plans: Niantic möchte die sogenannte Augmented-Reality-Cloud bauen, ein detailliertes 3D-Koordinatensystem, das die Konturen der realen Welt digital abbildet. Mit maschinellen Lernverfahren und Computer Vision soll ein möglichst detailgetreues 3D-Modell geschaffen werden.

In dieses können dann digitale Informationen und Objekte millimetergenau eingefügt und unter Nutzern geteilt werden, unabhängig von einzelnen Endgeräten.

Geht es nach Niantic, dann wird diese 3D-Karte von Spielern erschaffen, die bei der Monsterjagd Pokémon Go und ähnlichen Niantic-Spielen mit der Smartphone-Kamera die reale Welt abfilmen. “Wir wollen, dass Spieler das Spielfeld schaffen, auf dem sie spielen wollen”, sagt Hanke.

Mit Technologien wie jener von Matrix Mill könnte der Aufbau dieser 3D-Welt im Hintergrund und vom Spieler unbemerkt stattfinden.

Niantics nächstes Produkt: Die Echte-Welt-Plattform

Das eigentliche Ziel von Niantic ist es, die Augmented-Reality-Cloud als Service an Entwickler zu verkaufen und zwar über die “Echte-Welt-Plattform” (Real World Platform).

Das Unternehmen bezeichnet die Plattform als “Betriebssystem, das die digitale und physische Welt miteinander verbindet”. Neben der Vermessung der Welt ist auch die Objekterkennung vorgesehen.

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Die Software soll also einen Tisch nicht nur vermessen, sondern ihn auch als Tisch identifizieren und passende Objekte darauf platzieren können. So könnte die reale Welt mit digitalem Kontext versehen werden. Hat man zum Beispiel einen Blumenstrauß im Kamerasucher, könnte eine digitale Hummel erscheinen.

“Wenn wir die Bedeutung der Umgebung um uns herum verstehen, dann können wir sie beliebig digital erweitern”, schreibt Hanke. Sollte das Produkt am Markt ankommen, könnte Niantic zu einem der wichtigsten Augmented-Reality-Unternehmen werden.

Niantic stellt die Real-World-Plattform ab Ende des Jahres ausgewählten Entwicklern für erste Tests zur Verfügung. Wer Interesse hat, kann sich hier für einen Newsletter anmelden.


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