Pokémon Go wird als neues Augmented-Reality-Spiel gehypt. Aber hat die App wirklich was mit einer erweiterten Realität zu tun?
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Pokémon Go: So könnte es in echter Augmented Reality aussehen

von Matthias Bastian11. Juli 2016

Update vom 11. Juli:

Der Geschäftsführer John Hanke von Niantic, dem Entwicklerteam hinter Pokémon Go, deutet gegenüber Techinsider an, dass die Augmented-Reality-Features des Spiels in Zukunft verbessert werden könnten. Die aktuelle Version sei zwar ein toller erster Schritt, aber es gebe noch deutlich mehr, das man mit Augmented Reality umsetzen könne. Hanke deutet an, dass auch eine Portierung für dezidierte Augmented-Reality-Geräte wie das Tango-Smartphone oder Microsofts Hololens im Bereich des Möglichen seien. “Das würde wahrscheinlich Spaß machen”, sagt Hanke.

Ursprünglicher Artikel: Pokémon Go: So könnte es in echter Augmented Reality aussehen

Man könnte viele Stunden darüber diskutieren, ob Pokémon Go tatsächlich etwas mit Augmented Reality zu tun hat oder nicht. Fest steht jedenfalls: Es gibt noch viel Luft nach oben. Ein Entwickler zeigt, wie so ein Spiel auf einem für Augmented Reality optimierten Smartphone aussehen könnte.

Neue immersive und räumliche Computer sind gerade erst in Entwicklung. Dementsprechend gehen auch die Begrifflichkeiten durcheinander. Virtual, Mixed oder Augmented Reality – wo sind die Unterschiede, wo fängt das eine an, wo hört das andere auf? Das ist Teil der Debatte, wenn eine neue Technologiebranche entsteht.

Ein Spiel wie Pokémon Go dürfte sich zu Augmented Reality so ähnlich verhalten wie 360-Videos zu Virtual Reality. Es gibt eine gemeinsame technische Schnittmenge und Vision, aber im Grunde genommen sind beide Ansätze noch weit von dem entfernt, was in einigen Jahren möglich sein soll. Der Endverbraucher stört sich an dieser eher akademischen Diskussion legitimerweise nicht. In den USA ist das Pokémon-Fieber jedenfalls schon in vollem Gange. Ob mit oder ohne echter Augmented Reality, Pokémon Go dürfte ein großer Hit werden.

Was ist “echte” Augmented Reality?

Zum besseren Verständnis: Um eine erweiterte Realität glaubhaft darzustellen, muss das verwendete Endgerät auch etwas über die Realität wissen. Das ist bei Pokémon Go aufgrund der Einbindung des GPS-Signals der Fall, aber eben nur sehr rudimentär. Noch dazu ist die Idee nicht neu, Googles Ingress nutzt dieses Prinzip schon seit einigen Jahren.

Was derzeitigen Smartphones für echte Augmented Reality noch fehlt, sind Sensoren und 3D-Kameras, die die unmittelbare Umgebung in Echtzeit scannen, rendern und in eine Anwendung einbinden können. Das führt dazu, dass die putzigen Pokémons auf der Karte zwar ungefähr an Ort und Stelle sitzen, aber beim Blick auf das Smartphone-Display eben nicht perspektivisch korrekt mit der Umgebung verschmelzen. Stattdessen wird das Bild der Kamera nur mit der digitalen Grafik überlagert. Je nach Szene kann das glaubhaft aussehen. Oder es passt eben gar nicht.

Im Project Tango forscht Google seit einigen Jahren an Technologien des maschinellen Sehens (Computer Vision) in Kombination mit 3D-Tracking und lernenden Algorithmen. Das Ziel: Smartphones mit Tango-Technologie sollen wie ein Mensch sehen und die Umgebung wahrnehmen können. “Mit Project Tango wird das Smartphone zu einem magischen Fenster in die physische Welt, es kann Raum und Bewegung auch außerhalb der Grenzen des Touchscreens erkennen”, erklärt Tango-Projektleiter Johnny Lee. Auch Geräte wie Hololens, Meta 2 oder Magic Leap arbeiten nach diesem Prinzip.

Erst durch diesen technologischen Sprung wird es möglich, reale und virtuelle Welt glaubhaft miteinander zu verschmelzen. Die digitalen Objekte überlagern nicht mehr einfach nur das Kamerabild, sondern werden Teil der Umgebung und erweitern tatsächlich die Realität. Das entspricht auch dem, was Nintendo im Ankündigungstrailer für Pokémon Go versprach. Gezeigt wird beispielsweise ein Pokémon, das sich hinter einem Stein befindet. Ein Teil seines virtuellen Körpers wird vom realen Stein überlagert.

Das Pokémon fügt sich in die Umgebung ein, der Stein verdeckt einen Teil seines Körpers. Das wäre echte Augmented Reality. BILD: Nintendo

Das Pokémon fügt sich in die Umgebung ein, der Stein verdeckt einen Teil seines Körpers. Das wäre echte Augmented Reality. BILD: Nintendo

Pokémon-Klon auf einem Augmented-Reality-Smartphone

Die AR-Spezialisten der Trixi-Studios zeigen, wie so eine Monsterjagd mit echten Augmented-Reality-Features aussehen könnte. Umgesetzt wurde die Demo mit Entwicklerhardware des kommenden Tango-Smartphones. Lenovos und Googles “Phab2 Pro”-Smartphone erscheint im September und kostet 499 US-Dollar. Eine 3D-Infrarotkamera ist für die Tiefenwahrnehmung zuständig, eine Fischaugenlinse erkennt Bewegungen, eine RGB-Kamera liefert den Videostream. In Kombination mit dem standardmäßig verbauten Beschleunigungssensor und einem Gyroskop kann das Smartphone die Umgebung in Echtzeit scannen und ausmessen.

Die im Video unten gezeigte Demo ist zwar lange nicht perfekt – ebenso wenig wie die Tango-Technologie – aber man erkennt auf den ersten Blick, dass die digitalen Objekte deutlich glaubhafter Teil der Umgebung werden. Richtig spannend könnte es werden, wenn Nintendo sich davon überzeugen lässt, die bereits vorhandene Basis von Pokémon Go für die speziellen Features des Lenovo-Smartphones zu optimieren. Denn genau solche Anwendungen braucht es, um den Vertrieb der neuen Technologie anzukurbeln.

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| Featured Image: Nintendo (Screenshot bei YouTube)