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Qualcomm: VR-Brillen sollen bald wie gewöhnliche Brillen aussehen

von Matthias Bastian19. Oktober 2016

Die VR-Branche drängt früh in Richtung einer neuen Mittelklasse. Während Low-End-Lösungen wie Google Cardboard oder Samsungs Gear VR nur Einsteiger begeistern können, sind Highend-Lösungen wie Oculus Rift oder HTC Vive für die Masse zu teuer und zu komplex in der Einrichtung. Mobile VR-Brillen mit integrierter Hardware sollen dieses Dilemma lösen und einem breiten Publikum Zugang in die Virtual Reality gewähren.

Auf der Oculus Connect 3 Entwicklerkonferenz bezeichnete Facebook-Chef Marc Zuckerberg eine solche Geräteklasse als optimalen Mittelpunkt. Wie einst als Apple-Gründer Steve Jobs das Tablet als fehlende Verbindung zwischen Mac und iPhone präsentierte, zeigte Zuckerberg den völlig autarken Rift-Prototyp “Santa Cruz”. Und gab so die Richtung für die VR-Industrie vor.

Schon einige Wochen und Monate vor Facebook präsentierten AMD mit Sulon Q, Intel mit Project Alloy sowie Qualcomm mit der VR820-Brille mobile VR-Geräte, die sowohl leistungsfähige Prozessoren als auch das Trackingsystem im Gehäuse integriert haben.

Qualcomm war so mutig, den frühen Prototyp auf der IFA 2016 vorzustellen. Zwar waren das angekündigte Hand- und Augen-Tracking noch nicht integriert, die räumliche Bewegungserkennung durch die verbauten Kamerasensoren funktionierte bei unserem Hands-on hingegen prima.

Modische VR-Brillen in der nahen Zukunft

Qualcomms Vizepräsident Raj Talluri ist davon überzeugt, dass Virtual- und Augmented-Reality-Geräte schon bald nicht mehr wie Ziegelsteine vor den Augen hängen, sondern elegant wie eine modische Brille auf dem Nasenrücken ruhen.

“Wir haben unsere Hardware in Gear VR gesteckt und auch in einige andere VR-Brillen. Aufgrund der gesteigerten Rechenleistung können wir schon jetzt mobile VR-Brillen bauen, die nicht mehr auf ein Smartphone angewiesen sind”, sagt Talluri auf einer Konferenz des Unternehmens. Qualcomm baut auch den Snapdragon 821 Vierkernprozessor, den Google für die Daydream-Initiative voraussetzt.

Talluri visioniert weiter: “In einigen Jahren werden VR-Brillen kaum mehr anders aussehen als die Brille, die ich gerade trage. Der Punkt ist noch nicht erreicht, aber wir sehen schon, dass wir ihn erreichen können.”

Qualcomms Vizepräsident geht davon aus, dass die neue Technologie grundlegend verändert, wie Menschen Medien konsumieren. Als Beispiel nennt er Sportübertragungen, bei denen man gefühlt mit im Stadion sitzt. “In Zukunft werden wir sogar aufstehen und dort herumlaufen können.”

VR und AR brauchen schnelles Internet

Qualcomms Technikchef Matt Grob geht davon aus, dass zuerst die Netzinfrastruktur besser werden muss, damit VR und AR überhaupt eine Chance haben, den Massenmarkt zu erreichen.

“Mit 5G kann man hochqualitative 360-Videos für VR von überall aus streamen”, sagt Grob. Über das schnelle Funknetz sollen sich mobile VR-Geräte zusätzliche Rechenleistung aus der Cloud holen bei geringer Latenz und niedrigen Kosten. Auch Auflösungen jenseits der 4K sollen dann möglich sein.

“Das wird Unternehmen wie Magic Leap und vielen anderen dabei helfen, Grafik auf Hollywood-Niveau in Echtzeit an viele Menschen gleichzeitig zu übertragen”, sagt Grob. Ohne Highspeed-Netze hingegen soll es düster aussehen. “Wir müssen als Industrie gemeinsam daran arbeiten.”

| Source: Trustedreviews