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Qualcomm VR820 im Hands-on: Der mobile Virtual-Reality-Traum?

von VRODO14. September 2016

Update vom 14. September 2016:

Qualcomms Inside-Out-Tracking-Chip, der in der VR820 VR-Brille nach unserem Hands-on recht verlässlich seinen Dienst verrichtet, könnte auch im Kontext von Samsung Gear VR eingesetzt werden. Qualcomm kündigte bereits an, dass die selbstentwickelte Hardware in einem Lizenzmodell anderen Herstellern zur Verfügung gestellt wird.

Oculus’ Technikchef John Carmack, der hochwertiges Mobile-VR zu seiner persönlichen Mission gemacht hat, deutet bei Twitter an, dass sein Unternehmen auf Qualcomm setzt. Auf eine Frage, ob Oculus mit dem VR820-Chip arbeiten würde, antwortet Carmack: “Wir haben eine sehr gute Beziehung zu Qualcomm.”

Details dazu wird Carmack sicherlich auf der Oculus Connect 3 Anfang Oktober verraten.

Ursprünglicher Artikel vom 8. September 2016: Qualcomm VR820 im Hands-on: Der mobile Virtual-Reality-Traum?

Die VR-Brille VR820 klingt wie das mobile Traumgerät für Virtual Reality. Hält die Hardware das, was Qualcomm verspricht?

Die erste Einschränkung gab es beim IFA-Test gleich vorweg: Weder das Hand- noch das Eye-Tracking waren im gezeigten Prototyp voll integriert und funktionsfähig. Zwei der wichtigsten Features der VR-Brille konnten also gar nicht ausprobiert werden.

Auch die gezeigte Demo war recht simpel. Zu sehen gab es eine grafisch einfach gehaltene Unterwasserszene mit einem Octopus und ein paar Luftblasen. Die Leistungsfähigkeit des Systems konnte man anhand dieser Demo nicht bewerten.

Immerhin: Das Display der VR-Brille mit 1.440 x 1.440  Pixeln pro Auge bei einer Bildwiederholrate von 70 Hz machte einen sehr guten Eindruck. Ein Screendoor-Effekt war nicht sichtbar. Auch der Tragekomfort war gut. Auf der Kopfrückseite hatte die VR-Brille Gegengewichte, um das Gesamtgewicht besser zu verteilen.

Sieht nicht schön aus, trägt sich aber gut. Bild: VRODO

Sieht nicht schön aus, trägt sich aber gut. Bild: VRODO

Inside-Out-Tracking: Es ist da und es funktioniert

Das vielleicht interessanteste Feature der VR820, das Inside-Out-Tracking, funktionierte im ersten Test tadellos. Ohne externe Sensoren und störende Kabel konnte man sich völlig frei in 360-Grad um den virtuellen Octopus bewegen. Eine Latenz war nicht spürbar. Sowohl das Tracking als auch die Demo an sich liefen flüssig.

Zumindest im Rahmen der eher einfachen Demo scheint das Inside-Out-Tracking also durchaus marktreif zu sein. Einzig wenn man die Hände vor die Frontkameras führte, kam das Trackingsystem kurz aus dem Tritt und ruckelte für einen kurzen Moment.

Was definitv noch fehlte, war ein Vive-ähnliches Schutzsystem, das die Raumgrenzen anzeigt. So war man sich mit VR-Brille auf dem Kopf nie sicher, ob man nicht im nächsten Moment gegen eine Wand oder ein Hindernis läuft. Der Immersion ist das nicht zuträglich.

Die Qualcomm-Brille soll bis zur CES 2017 Entwicklern zur Verfügung stehen. Zum Preis gibt es noch keine genauen Informationen, angeblich soll er zwischen 500 und 600 Euro liegen. Ähnlich wie Intel ist Qualcomm darauf aus, dass andere Hersteller das Design lizenzieren und eigene Produkte damit bauen.

Ist die VR 820 das ultimative mobile VR-Gerät? Wir besprechen das – im VRForum.

Wie reagieren Oculus VR und Samsung?

Die jüngsten technischen Entwicklungen setzen Oculus VR und Samsung ein wenig unter Zugzwang. Mit Intel, AMD und Qualcomm präsentierten gleich drei Hardware-Hersteller fortschrittliche mobile VR-Technologie. Voraussichtlich am 4. Oktober stellt Google offiziell das erste Daydream-System vor, dass mindestens mit einem zusätzlichen Bewegungscontroller ausgeliefert wird. Ohne erweitertes Trackingverfahren und 3D-Controller ist Gear VR mittelfristig nur bedingt konkurrenzfähig.

Gut möglich, dass auch Oculus VR und Samsung zeitnah eine Lösung für Inside-Out-Tracking mit Gear VR anbieten können. Ein kürzlich aufgetauchtes Patent zeigt eine ansteckbare Tiefenkamera für eine mobile VR-Brille. Oculus-Technikchef John Carmack deutete eine mögliche Zusatzhardware bereits im Mai 2016 bei Twitter an.

Bei Oculus VR würde man für das Inside-Out-Tracking nur mit dezidierten Kamerasystemen arbeiten, so Carmack, und nicht mit der im Smartphone verbauten 2D-Kamera. Man solle daher nicht erwarten, dass ein räumliches Tracking für Gear VR mittels eines Software-Updates nachgereicht würde. Aber vielleicht als Hardware-Update?

Jetzt verspricht Carmack – erneut bei Twitter – Neuigkeiten zum Inside-Out-Tracking auf der Oculus Connect 3, die vom 5. bis zum 7. Oktober in San Jose stattfindet.

| Text: Sven Person / Matthias Bastian | Bild: Sven Person