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Regisseur über erstes VR-Filmprojekt: “Es war furchterregend”

von Tomislav Bezmalinovic17. September 2017

Jorge Gutiérrez ist ein mehrfach ausgezeichneter Regisseur von Animationsfilmen. Für Google schuf der mexikanische Filmemacher seinen ersten VR-Kurzfilm “Son of Jaguar”. Nun berichtet er, wie schwierig die Umstellung auf Virtual Reality für ihn war.

Gutiérrez wurde bekannt durch seine Animationsserie “El Tigre: The Adventures of Manny Rivera” und den Animationsfilm “The Book of Life”. Sein erster VR-Film entstand in Zusammenarbeit mit dem Studio Reel FX und wurde für Spotlight Stories produziert, Googles VR-Filmplattform. In Son of Jaguar wird der Zuschauer in den Geist eines mexikanischen Ringkämpfers versetzt, der seine Familie besucht und seinem Sohn und Enkel beim Kämpfen im Ring zusieht.

Der Regisseur reagierte zuerst ängstlich, als er von Google eingeladen wurde, einen VR-Film zu produzieren. “Ich war sehr skeptisch gegenüber Virtual Reality, bis ich eines Tages Patrick Osbornes ‘Pearl’ sah. Ich musste weinen und sagte zu mir, ich müsse einen VR-Film machen”, sagt Gutiérrez gegenüber Variety. Wie schwierig die Umsetzung werden würde, ahnte er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht.

Virtual Reality ist wie Theater

Die Umstellung betraf technische und künstlerische Aspekte. Auf technischer Seite war die große Herausforderung, den Film so zu gestalten, dass er in Echtzeit flüssig auf einem Smartphone gerendert werden konnte. Künstlerisch machte dem Regisseur zu schaffen, dass er nicht mehr bestimmen konnte, was der Zuschauer sieht. “All die Tricks und Dinge, die du dir als Filmemacher dein ganzes Leben lang angeeignet hast, kannst du plötzlich nicht mehr gebrauchen”, sagt Gutiérrez gegenüber Cartoon Brew.

“Ganz ehrlich, es war furchterregend, all das aufgeben zu müssen. Wir Animationsfilmer sind Kontrollfreaks.” Sein Team habe deshalb versucht mit audiovisuellen Hinweisen zu arbeiten, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die erzähltechnisch wichtigen Dinge zu lenken. Das funktioniere aber nicht immer. Am Ende sei man der Willkür des Betrachters ausgeliefert. “Ich habe das Publikum noch nie so geliebt und zugleich gehasst”, sagt Gutiérrez.

Um sich den Unterschied zwischen Film und Virtual Reality klar zu machen, vergleicht der Regisseur das neue Medium mit einem Theatererlebnis. “Wie haben wir Geschichten vor dem Kino erzählt? Wir sind ins Theater gegangen, haben uns hingesetzt und zugeschaut, was sich vor uns abspielt.” Um Virtual Reality als Filmmedium zu verstehen, müsse man nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit blicken, so Gutiérrez.

| Featured Image: Jorge Gutiérrez / Reel FX / Google | Source: Variety / Cartoon Brew

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