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Retro: VR-Brille von Vuzix aus 2011 im Test

von Matthias Bastian16. April 2016

Der große VR-Flop aus den 90ern ist bekannt, aber auch danach gab es immer wieder mal Versuche, VR-Produkte auf dem Markt zu etablieren – noch bevor Palmer Luckey den ersten Oculus-Rift-Prototyp vorzeigte. Ein Tested-Review aus 2011 zeigt, wie schnell sich die VR-Technologie in den letzten Jahren entwickelte.

Die Begeisterung über die “Vuzix Wrap 1200VR 3D Glasses” strömt den beiden Testern förmlich aus jeder Pore. “Juhu, wir sind zurück in den 90ern” und “Ich bin der Rasenmähermann” sind nur zwei Kommentare der beiden Reviewer, die zeigen, wie krass das Image aus den 90ern der Technologie damals (und auch heute noch?) anhaftete. Betrachtet man die Qualität der Vuzix-Brille im Verhältnis zum stolzen Preis von 600 US-Dollar, sind die sarkastischen Anmerkungen allerdings vollkommen berechtigt. Da sag noch einmal jemand, dass Oculus Rift zu teuer sei.

Die Brillengläser an der Vorderseite sind nur Verzierung und nicht durchsichtig, das eigentliche VR-Display liegt dahinter. Die Auflösung der beiden LCD-Displays betrug damals nur 852 x 480 Pixel, das ist nur ein Bruchteil der Auflösung von aktuellen VR-Brillen – und selbst die ist noch lange nicht optimal. Das wichtigste Feature der Brille: Videos auf einem etwa 75 Zoll großen Riesenmonitor aus circa drei Metern Entfernung anschauen. Das erinnert an die Kinomodi, die auch Oculus Rift und Co. bieten.

Aufgrund der geringen Auflösung machte das Feature bei der Vuix aber eher wenig Freude, Text war natürlich gar nicht lesbar. Mit einer ansteckbaren Sensoreinheit (IMU mit Beschleunigungsmesser, Gyroskop, Magnetometer) unterstützte die Brille auch Headtracking in Spielen, vergleichbar mit Samsung Gear VR. Laut dem Tester konnte man die Vuzix-Brille aber kaum eine Stunde am Stück nutzen, ohne die Augen zu überanstrengen.

Immerhin unterstütze Vuzix schon damals 3D-Video und HDMI. Und Formfaktor und Design könnten durchaus Vorbild für zukünftige VR-Brillen sein, denn wenigstens optisch macht die Vuzix-VR-Brille deutlich mehr her als Oculus Rift, HTC Vive oder Playstation VR. Und kabelloser Betrieb mit bis zu 4,5 Stunden Akkulaufzeit sind auch nicht zu verachten.

Der damalige Tested-Moderator Will Smith, der mittlerweile ein eigenes Virtual-Reality-Startup betreibt, erweist sich außerdem als echter Visionär: “Ich denke, man stülpt besser einen Pappkarton über den Laptop, schneidet zwei Löcher rein und schaut dort hindurch.” Wir spulen vier Jahre vor und starren mit Google Cardboard auf Smartphones. Nicht schlecht. Möglicherweise waren damals einige Google-Mitarbeiter unter den Zuschauern.

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| Featured Image: Tested (Screenshots bei YouTube)