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Revive: Spiele für Oculus Touch lassen sich mit Vive-Controllern spielen

von Matthias Bastian14. November 2016

Update vom 14. November:

Mit dem neusten Update des Revive-Hacks lassen sich Spiele für Oculus Touch mit den Vive-Controllern spielen.

Da Oculus Touch ein vollkommen anderes Design zugrunde liegt, ist die Steuerung mit den Vive-Controllern mit gewissen Einschränkungen verbunden. Der Hack nutzt das Touchpad der Vive-Controller für die Emulierung sowohl des Analogsticks als auch der Knöpfe A, B, X und Y von Oculus Touch. Anwender müssen dann zwischen den beiden Modi wechseln, je nachdem ob sie den Analogstick oder die Knöpfe emuliert haben wollen.

Ein Youtuber hat in einem Video vorgeführt, wie sich das Oculus-Touch-Tutorial “First Contact” mit HTC Vive spielen lässt.

Zweites Update vom 24. Juni:

Oculus VR bestätigt in einem offiziellen Statement, dass es sich bei dem Update nicht etwa um ein Versehen, sondern um ein bewusstes Manöver handelt – und deutet für die Zukunft eine weitere Öffnung des eigenen Ökosystems an. “Wir überarbeiten kontinuierlich unsere Berechtigungs- und Anti-Piraterie-Systeme und haben im Juni den Check für Rift-Hardware entfernt. Wir werden auf dem PC in Zukunft keine Hardware-Checks mehr als Teil unseres DRM-Systems durchführen.” Man plane außerdem weitere Schritte, um auch für die Zukunft Inhalte von Entwicklern zu schützen und sicherzustellen, dass diese in weitere Inhalte investieren können.

Update vom 24. Juni:

Offenbar dringt die heftige Kritik vieler VR-Enthusiasten nun doch in das Oculus-Hauptquartier vor. Nachdem der Revive-Hack, der HTC Vive mit Oculus Home kompatibel macht, zuerst per Software-Update seitens Oculus VR ausgehebelt wurde, überlistete der Hacker CrossVR kurzerhand das DRM-System von Oculus Home, um den Hack wieder lauffähig zu machen. Das klappte zwar, allerdings konnte man den Hack seitdem auch dafür nutzen, um Raubkopien abzuspielen. Das war eigentlich nicht im Sinne des Hackers, der das aber als Notwendigkeit in Kauf nahm.

Mit dem neuesten Update von Oculus Home entkoppelt Oculus VR das DRM-System vom VR-Brillen-Check und verzichtet komplett auf diesen, so dass der Revive-Hack samt HTC Vive wieder wie zuvor funktioniert. Vive-Besitzer müssen nun nicht mehr den Kopierschutz von Oculus Home umgehen, um exklusive Rift-Spiele mit der Vive-Brille zu nutzen. Die neuste Version von Revive gibt es hier als kostenlosen Download.

Der Hacker CrossVR bewertet das bei Reddit als positives Zeichen und Entgegenkommen seitens Oculus VR: “Mehrere Nutzer berichten, dass der Headset-Check entfernt wurde. Die Meinung zu Exklusivtiteln hat Oculus VR wohl nicht geändert, aber wir treffen uns nun auf halbem Wege und wir können unsere Spiele wieder modifizieren. Ich freue mich über diese Änderung und hoffe, dass es dem Image von Oculus VR hilft.”

Update vom 28. Mai:

Der Hacker CrossVR hat via Github die neuste Version 0.6 des Revive-Hacks veröffentlicht. Nun ist der Ursprungszustand wieder hergestellt: Alle Apps, die auch vor dem letzten Oculus-Home-Update 1.4 funktionierten, laufen wieder, darunter auch jene, die mit der Unity-Engine umgesetzt wurden. Eine vollständige Liste der kompatiblen Anwendungen gibt es hier. Exklusive Apps wie Lucky’s Tale, Henry oder Chronos – und die hat der Hack in erster Linie im Visier – laufen angeblich ohne Probleme mit der Vive-Brille. Die DLL-Dateien des vorherigen Hacks müssen aber zuvor wieder aus den Spieleordnern gelöscht werden.

Vive-Besitzer, die bei Oculus Home auf Shopping-Tour gehen, müssen damit rechnen, dass sie früher oder später wieder ausgesperrt werden und dann keinen Zugriff mehr auf bereits bezahlte Inhalte haben. Jedenfalls nicht mit HTC Vive – natürlich können Vive-Fans für einen hackfreien Zugang zu Oculus Home jederzeit eine Rift-Brille kaufen.

In der VR-Szene wird der Hacker als Held gefeiert, der den Walled Garden von Oculus VR einreißt. Derweil stützt sich die Facebook-Tochter weiter auf die Argumentation, dass eine Exklusivstrategie ein legitimes Vorgehen sei, um Kunden zu locken. Unbekannt ist, aus welchen Gründen Oculus Home die VR-Brille HTC Vive bislang nicht offiziell unterstützt und ob sich dieser Zustand in naher Zukunft ändern könnte – Oculus-Gründer Palmer Luckey stellte das bereits in Aussicht, hat im eigenen Unternehmen aber wohl kaum mehr die nötige Macht, um eine derartige Entscheidung im Alleingang durchzusetzen.

Valves Plattform Steam VR unterstützt sowohl HTC Vive als auch Oculus Rift; allerdings ist Steam auch eindeutiger Marktführer, die Ausgangslage der beiden Plattformen ist daher kaum vergleichbar. Zuletzt spitzte sich der schwelende Streit zwischen beiden Unternehmen zu, als ein Valve-Ingenieur die Oculus-Rift-Brille als “direkte Kopie” eines früheren Vive-Prototypen bezeichnete.

Update vom 21. Mai:

Das Patch-Ping-Pong beginnt. Der Entwickler des LibreVR/Revive-Hacks hat ein Update veröffentlicht, das das neue DRM-System von Oculus VR bei Unreal-Engine-Spielen umgeht. Auch die Unterstützung für Unity-Spiele ist bereits in Arbeit. “Ich wollte es wirklich nicht auf diese Art machen, aber ich habe das Gefühl, dass es nicht anders geht”, schreibt der Hacker in den Notizen zum Update auf Version 0.5.2. Problematisch an dem neuen Hack: Er kann nun auch von Raubkopierern dafür genutzt werden, um geklaute Spiele zu starten. Der Hacker schreibt zwar explizit, dass seine Arbeit nicht dafür missbraucht werden soll – Software-Diebe wird das aber herzlich wenig interessieren.

Update vom 20. Mai:

Das neuste Software-Update 1.4 für Oculus Home macht den Revive-Hack wieder unbrauchbar. Schuld hat ein neu implementiertes DRM-System, das gezielt kontrolliet, ob eine Oculus Rift VR-Brille am Rechner angeschlossen ist. Dieser Check ist mit der Oculus-Plattform verbunden und nicht mehr, wie zuvor, nur in der App vorhanden. Davon betroffen sind ausschließlich Spiele, die via Oculus Home publiziert und auf Basis des Oculus SDKs entwickelt wurden. Wer Oculus Rift und HTC Vive besitzt und beide VR-Brillen angeschlossen hat, kann den Revive-Hack wie zuvor benutzen. Oculus VR schließt also nur reine Vive-Käufer aus dem eigenen Store aus. Steam VR funktioniert wie gehabt mit der Facebook-Brille.

Offenbar handelt es sich dabei um einen gezielten Versuch seitens Oculus VR, den Revive-Hack auszuhebeln, auch wenn das Unternehmen dies bestreitet und das neue Sicherheitssystem als “generelle Maßnahme gegen Raubkopien” bezeichnet. Dass der Hack aber “früher oder später nicht mehr funktionieren würde”, deutete die Facebook-Tochter bereits in der Vergangenheit an. Der Entwickler des Hacks arbeitet an einem Update seines Programms, ist sich allerdings unsicher, ob er die neuen Sicherheitsvorkehrungen umgehen kann – der Schwierigkeitsgrad soll nun deutlich höher liegen als zuvor.

Die vollständige Update-Liste zum Oculus-Patch gibt es hier, unter anderem soll das Tracking nun verlässlicher laufen.

Update vom 16. Mai:

Langsam aber sicher wird der LibreVR/Revive-Hack erwachsen. Dem Programmierer ist es nun gelungen, die SteamVR-Benutzeroberfläche für Oculus-Spiele zu adaptieren. Die neue Version 0.5 durchsucht den Rechner auf installierte Oculus-Home-Spiele und zeigt diese im Steam VR-Dashboard an. Die Liste wird bei jedem Neustart von SteamVR aktualisiert. Eine Anleitung für die Installation samt Download gibt es hier.

Wie zuvor kann es bei einzelnen Titeln noch zu Problemen kommen, die Kompatibilität ist also nicht zu 100 Prozent gewährleistet. Unter anderem vermelden einzelne Nutzer Abstürze oder Probleme mit dem Tracking. Besitzer von HTC Vive, die bei Oculus Home für viel Geld ein Exklusivspiel kaufen, sollten sich dessen bewusst sein. Solange sich Oculus und HTC aber nicht über eine offizielle Integration der Vive-Brille in die Oculus-Home-Umgebung einigen können, ist der Hack die einzige Möglichkeit für Vive-Spieler, Lucky’s Tale und Co. auszuprobieren.

Noch offen ist die Frage, wann Oculus VR entschieden gegen den Hack vorgeht. Bisher wird er anscheinend geduldet. Mittel- bis langfristig lautet das Unternehmensziel der Facebook-Tochter allerdings, möglichst viele Nutzer an die eigene Plattform zu binden. Der Hack verhindert das.

Update vom 15. April:

Gegenüber dem Online-Magazin ArsTechnica bezieht Oculus VR nun Stellung zu LibreVR. “Es ist ein Hack und wir werden diesen nicht dulden. Nutzer sollten nicht erwarten, dass gehackte Spiele immer funktionieren, da Software-Updates für Spiele, Apps und unsere Plattform die gehackte Software wahrscheinlich funktionslos machen.”

Wer LibreVR nutzt, sollte sich außerdem darüber bewusst sein, dass die Oculus Runtime dennoch im Hintergrund laufen muss. Ein Weg vorbei an den Datenschutzbestimmungen von Facebook ist es also nicht, außerdem besteht die Möglichkeit, dass Oculus VR identifizieren kann, welche Nutzer das Hack-Programm einsetzen. LibreVR ist ein klarer Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen von Oculus VR.

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Ursprüngliche Meldung:

Als Oculus VR ankündigte, dass es exklusive Spiele und Apps für Oculus Rift geben würde, reagierten PC-Spieler verärgert. Hardware-Exklusivität wird nicht gerne gesehen.

Einer dieser verärgerten Nutzer macht sich jetzt daran, diesen Zustand zu ändern. Er programmierte einen Hack, mit dem (vorerst nur) die Rift-exklusiven Apps “Lucky’s Tale” und “Oculus Dreamdeck” auch mit HTC Vive nutzbar sind. Die Anwendung nennt er LibreVR und stellt sie kostenlos bei Github zur Verfügung. LibreVR macht die Entwicklungsumgebung von Oculus kompatibel mit OpenVR, der Plattform von Valve. Laut dem Hacker war dafür kein gesteigerter Programmieraufwand nötig, die beiden Entwicklungsumgebungen sollen sich ohnehin sehr ähnlich sein.

Allerdings funktioniert der Hack nicht automatisch für jedes Spiel, noch muss jede exklusive Oculus-App mit einem zusätzlichen Patch versehen werden. Die Patches für “Lucky’s Tale” und “Oculus Dreamdeck” sind bereits verfügbar, weitere dürften in Zukunft aus der Community folgen. Gekauft und heruntergeladen werden die VR-Apps wie gewohnt via Oculus Home. Eine Anleitung, wie man die Patches installiert, gibt es hier. Fraglich ist, wie lange LibreVR öffentlich bei Github verfügbar sein wird. Oculus VR wird alle Hebel in Bewegung setzen, damit sich der Hack nicht verbreitet.

Hardware-Exklusivität: Wer hat Schuld?

Während Steam VR bereits mit Oculus Rift kompatibel ist und eine Reihe von Spielen und Apps für die Facebook-Brille anbietet, ist Oculus Home ausschließlich mit der Rift-Brille nutzbar. Oculus VR ist davon überzeugt, dass exklusive Spiele und Apps einen zusätzlichen Kaufanreiz bieten und ein Wettbewerbsvorteil sind. Auf lange Sicht dürfte das auch stimmen, denn Inhalte sind bekanntlich wichtiger als Technologie. Außerdem muss sich Oculus Home gegenüber der marktbeherrschenden Steam-Plattform behaupten, was ohne exklusive Inhalte kaum möglich ist. Dass damit der PC-Markt ähnlich fragmentiert wird, wie man es gemeinhin nur von Spielekonsolen kennt, hier sind exklusive Inhalte schon immer gang und gäbe, ist für PC-Spieler ungewohnt.

Ob und wann Vive-Software auch im Oculus Store verfügbar sein könnte, dazu möchte sich der Ouculus-Gründer Palmer Luckey nicht festlegen: “Ich hoffe, dass es langfristig was wird, ich versuche mein Bestes.” Angeblich ist es an Valve, die notwendigen Informationen bereitzustellen, damit die Vive-Brille in Oculus Home integriert werden kann. LibreVR wird den Druck auf Oculus VR, schnell eine Lösung herbeizuführen, deutlich erhöhen.

Allerdings dürfte das Unternehmen von Gabe Newell kein gesteigertes Interesse daran haben, dass HTC Vive zeitnah auch mit Oculus Home funktioniert. Dort verdienen nämlich nur Oculus VR und Facebook an der verkauften Software, Valve geht leer aus. Dadurch, dass Steam VR bereits beide VR-Brillen unterstützt, hat Valve einen klaren Wettbewerbsvorteil und läuft keine Gefahr, Nutzer an die Oculus-Plattform zu verlieren. Fans und die Industrie schieben derweil Oculus VR den schwarzen Peter zu, sogar Epic-Chef Tim Sweeney griff die Facebook-Tochter bei Twitter massiv an und bezeichnete Oculus Home als “Walled Garden”. Die Gemengelage dürfte allerdings deutlich komplexer sein.

| Via: Reddit