Der einstige VR-Markttreiber Samsung verabschiedet sich – zumindest vorerst – leise durch die Hintertür.

Es war abzusehen: Bei der Enthüllung des Galaxy Note 9 erwähnte Samsung – wie schon beim Galaxy S9 im Februar – Virtual Reality mit keiner Silbe. Zwar ist die aktuelle Gear-VR-Version mit dem Note 9 kompatibel. Allerdings braucht es dafür einen Adapter, den man bei Samsung kostenlos anfordern kann.

Das zeigt: Samsung hat Gear VR ganz offensichtlich aufgegeben. Hinzu kommt, dass die Koreaner die Zubehörkategorie “Gear” streichen könnten. Die neue Smartwatch heißt “Galaxy Watch” und trägt nicht mehr wie zuvor den Gear-Begriff im Namen. Womöglich verschwindet die VR-Brille nach und nach aus den Händlerregalen.

Ebenfalls auf Eis liegt die Fortentwicklung der 360-Grad-Kamera Gear 360, die in der Vergangenheit Hand in Hand mit der mobilen VR-Brille vermarktet wurde. Das letzte Update gab es im Frühjahr 2017. Und es brachte nicht unbedingt eine Verbesserung gegenüber dem Vorgängermodell aus 2016: Die Neuauflage wurde nicht für ein besseres VR-Bild optimiert, sondern für einen kompakteren Formfaktor und Nutzungskomfort.

Blöd für VR-Entwickler

Ärgerlich ist diese Entwicklung für Programmierer mobiler VR-Apps: Mit Samsung als Zugpferd geht eine wichtige Vertriebsmaschine verloren. Zwar gibt es seit Anfang Mai 2018 die Facebook-Brille Oculus Go, die das Gear-VR-Ökosystem nahtlos weiterführt. Aber es ist absehbar, dass die Go-Brille nicht die Verbreitung von Gear VR erreichen wird.

Dass Samsung Gear VR fallen lässt, ist eine deutliche Botschaft an den (mobilen) VR-Markt: Obwohl Gear VR von allen VR-Brillen mit großem Abstand am häufigsten verkauft, verschenkt und verteilt wurde – es gibt deutlich über fünf Millionen Besitzer – sind die Zugriffszahlen auf den Store und die Nutzungszeiten offenbar so gering, dass Samsung das VR-Projekt auslaufen lässt.

Selbst im Verbund mit der von Facebook stark subventionierten Oculus-Marke samt angeschlossenem App-Ökosystem ist Gear VR wirtschaftlich offenbar nicht lukrativ. Auch mit Blick in die Zukunft sehen die Koreaner anscheinend kein großes Potenzial. Oculus selbst geht ein wichtiger Partner für den Aufbau des VR-Ökosystems verloren.

Entsprechend sollte man nicht zu viel erwarten von Samsungs angekündigter autarker Mixed-Reality-Brille: Für den Konzern sind VR und AR beim derzeitigen Stand der Technologie bestenfalls ein Nebenschauplatz.

Das zeigen die kürzlich angekündigten Technologieinvestitionen über insgesamt 22 Milliarden US-Dollar, bei denen VR und AR nicht erwähnt werden. Stattdessen soll das Geld in 5G-Technologie, Künstliche Intelligenz und Bauteile für selbstfahrende Autos fließen.

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