Deutscher Forscher untersuchten, ob und wie stark Menschen eine soziale Verbindung zu einem humanoiden Roboter aufbauen.

In den nächsten Jahren kommen Menschen an immer mehr Stellen im Alltag mit Robotern und digitalen Assistenten in Kontakt. Von ihren Erzeugern sind diese häufig so angelegt, dass sie sich nach außen als Persönlichkeit und soziales Wesen präsentieren – obwohl in ihren Schaltkreisen emotionale Leere herrscht. Alexa und Siri lassen grüßen.

Deutsche Sozialforscher untersuchten in einem Experiment, wie sehr sich Menschen auf so eine Ego-Simulation einlassen. Bei ihrem Test mussten 89 Teilnehmer zunächst mit einem humanoiden Spielzeugroboter interagieren.

Gemeinsam mit dem Roboter lösten sie Aufgaben und beantworteten Fragen, angeblich, um seinen Lernalgorithmus zu verbessern. Die Testaufgaben sollten den Menschen Zeit geben, sich an den Roboter zu gewöhnen.

Der Roboter erzählte bei einigen Probanden zwischendurch Witze oder eine persönliche Anekdote, um eine soziale Verbindung herzustellen. Bei anderen Testern hielt er sich strikt ans Lernprotokoll.

Bei einigen Testern wollte der Roboter mit flotten Sprüchen punkten. Bild: Universität Duisburg Essen, Horstman et al.

Bei einigen Testern wollte der Roboter mit flotten Sprüchen punkten. Bild: Universität Duisburg Essen, Horstman et al.

Nachdem Mensch und Roboter die Aufgaben gemeinsam bewältigt hatten, forderten die Forscher die Probanden dazu auf, den Roboter auszuschalten. Bei 43 Teilnehmern begann der Roboter just in diesem Moment, um sein digitales Leben zu flehen: Er habe Angst vor der Dunkelheit und wolle nicht deaktiviert werden.

13 Probanden weigerten sich daraufhin, den Roboter auszuschalten. Die anderen 30 zögerten zumindest und brauchten etwas länger als die Kontrollgruppe, bei der der Roboter die Klappe hielt.

Robo-Mitgefühl: Nur eine Frage der Gewohnheit?

Bei einer qualitativen Befragung im Anschluss an das Experiment wurde häufig Mitgefühl als Grund für die Weigerung und zögerliches Verhalten beim Ausschalten genannt. Einige Probanden hatten Angst, etwas falsch zu machen oder wollten die Interaktion weiterlaufen lassen.

Viele wollten den Roboter nicht bevormunden oder hatten Mitgefühl. Bild: Universität Duisburg Essen, Horstman et al.

Viele wollten den Roboter nicht bevormunden oder hatten Mitgefühl. Bild: Universität Duisburg Essen, Horstman et al.

Besonders zögerlich reagierte die Testgruppe, bei der sich der Roboter zuvor nicht als soziales Wesen etablierte. Die Probanden waren wohl überrascht vom plötzlich auftretenden ungewöhnlichen Verhalten des Roboters und benötigten länger, um es zu verarbeiten.

Bei den Nutzern, bei denen der Roboter schon im Vorfeld versuchte, sozial anzubändeln, wurde nach dem Ausschalten ein erhöhter Stresslevel festgestellt.

Die Gruppe mit im Vorfeld rein funktionaler Interaktion war überrascht vom plötzlichen Robo-Offenbarungseid - und zögerte vor dem Ausschalten. Bild: Universität Duisburg Essen, Horstman et al.

Die Gruppe mit im Vorfeld rein funktionaler Interaktion war überrascht vom plötzlichen Robo-Offenbarungseid – und zögerte vor dem Ausschalten besonders lange. Bild: Universität Duisburg Essen, Horstman et al.

Für die Wissenschaftler zahlt das Forschungsergebnis auf die Media-Equation-Theorie ein, nach der Menschen dazu neigen, Gegenstände und technische Geräte zu vermenschlichen. Ein Roboter, der autonome Signale sendet, würde anders behandelt als ein beliebiges elektronisches Gerät. Laut der am Projekt beteiligten Sozialforscherin Aike Horstmann handelt es sich dabei womöglich nur um einen Gewohnheitseffekt.

Wer Interesse an unterhaltsamen Erzählungen über Mensch-Roboter-Beziehungen hat, dem sei der KI-Film “Her” ans Herz gelegt ebenso wie die Serie “Real Humans”.

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