Mit Spezialprogrammen wie ALVR und VRidge lassen sich SteamVR-Spiele per heimischem WLAN in die Oculus Go oder Samsung Gear VR streamen. Auf diese Weise kann man Rift- und Vive-Titel auch ohne teure PC-Brille erleben. Doch lohnt sich die Mühe?

Der größte Unterschied zwischen den Programmen ist, dass ALVR gratis ist, während die Vollversion von VRidge 14,99 Euro kostet. Es gibt zwar eine kostenlose Version von VRidge, die kann man aber jeweils nur zehn Minuten am Stück nutzen. Zum Ausprobieren reicht das aber vollkommen aus.

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Benutzeroberfläche von VRidge etwas hübscher und benutzerfreundlicher ist und mehr Einstellungsmöglichkeiten bietet. VRidge wird außerdem seit längerem entwickelt und ist zukunftssicherer: Der ALVR-Entwickler ließ Ende Juli durchblicken, dass er in Zukunft kürzertreten wird.

Los geht’s mit der Installation

Die empfohlenen Hardwareanforderungen für beide Programme sind ein VR-tauglicher PC mit moderner Grafikkarte, Windows 10 und ein Wi-Fi-Router, der auf dem 5-Ghz-Band funkt. Außerdem braucht man ein SteamVR-kompatibles Gamepad. Nutzer einer AMD-Grafikkarte müssen zu VRidge greifen, da die aktuelle ALVR-Version 2.3.0 keine AMD-Grafikkarten unterstützt.

Beide Programme müssen einmal auf dem PC und einmal auf Oculus Go installiert werden. Die PC-Version von ALVR findet man bei Github, die von VRidge auf der offiziellen Internetseite des Unternehmens.

Um die Programme auf der Oculus Go zu installieren, muss man einen Produktschlüssel anfordern. Für ALVR kann man dies hier tun. Für Vridge muss man sich auf der offiziellen Internetseite registrieren, sich in das Konto einloggen und kann anschließend hier einen Schlüssel anfordern.

Hat man den Produktschlüssel in der Zwischenablage gespeichert, loggt man sich auf Oculus’ offizieller Internetseite an, ruft die Schaltfläche “Redeem Code” auf und gibt den Code ein. Nach der Freischaltung erscheint die betreffende App in der Oculus-Go-Bibliothek unter der Kategorie “Nicht installiert” und kann von dort aus heruntergeladen und installiert werden.

Fast bereit

Nun startet man Steam und in der Oculus Go ALVR oder VRidge. Ist Oculus Go ins gleiche WLAN eingeloggt wie der Steam-PC, sollten die Programme die VR-Brille erkennen.

Bei ALVR startet man per Knopfdruck einen Server und SteamVR erscheint, danach kann man die Oculus Go mit ALVR koppeln und der SteamVR-Stream startet. Bei VRidge muss man beim ersten Mal zusätzlich Valves Room-Setup durchlaufen. Hier wählt man die Variante im Sitzen. Ist alles eingerichtet, muss man in der Desktop-App nur noch den Startknopf drücken und SteamVR sollte wie bei ALVR in der Oculus Go erscheinen.

Ich hatte bei VRidge zusätzlich mit dem Problem zu kämpfen, dass die Go- und PC-Version des Programms nicht übereinstimmten. Die Installation des Beta-Updates 2.2.6. in den VRidge-Einstellungen hat das Problem gelöst. Sollten weitere Probleme auftreten, kann man das offizielle FAQ konsultieren.

Ernüchterndes Ergebnis

Läuft der SteamVR-Stream, muss man nur noch das VR-Spiel seiner Wahl starten. Wirklich gut spielen lassen sich nur Titel, die keine räumliche Bewegung voraussetzen und Gamepad-Unterstützung bieten, da Oculus Go weder räumlich erfasst wird, noch 3D-Controller unterstützt.

Beispiele sind Skyrim VR, die VR-Version von Hellblade: Senua’s Sacrifice, Subnautica und Elite: Dangerous. Beat Saber funktioniert eingeschränkt, wenn man im Ein-Hand-Modus spielt und Hindernisse deaktiviert hat. Eine Liste weiterer Titel steht hier.

Doch wie es steht es um die Qualität der gestreamten VR-Erfahrung? Der Selbstversuch mit Skyrim VR fällt wegen starker Bildkomprimierung ernüchternd aus: Landschaften, Gebäude und Menschen wirken weichgezeichnet und unscharf. Immer wieder kommt es zu Bildrucklern und -artefakten. Skyrim VR würde ich auf diese Weise nicht durchspielen wollen.

WLAN-Streaming für Santa Cruz?

Nutzer, die ein schnelles WLAN haben und bereit sind, mit den zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten zu experimentieren, dürften bessere Ergebnisse erzielen. An die Qualität einer PC-VR-Erfahrung dürfte das WLAN-Streaming jedoch kaum herankommen.

Muss es allerdings auch nicht: Wer nur eine Oculus Go besitzt und eine ungefähre Vorstellung davon bekommen möchte, wie Rift- und Vive-Erfahrungen aussehen oder mit Abstrichen in der Bildqualität leben kann, könnte Freude haben an der Streaming-Lösung.

Die ist auch aus einem anderen Grund interessant: 2019 dürfte mit Oculus’ Santa Cruz die erste autarke VR-Brille auf den Markt kommen, die Kopf und Hände räumlich erfasst. Mit Santa Cruz macht das WLAN-Streaming weitaus mehr Sinn als mit Oculus Go, da Rift- und Vive-Titel interaktionstechnisch verlustfrei in die VR-Brille gestreamt werden könnten.

Dass Oculus selbst an einer solchen Lösung arbeitet, halte ich aufgrund der hier beschriebenen Streaming-Erfahrungen für eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass Santa Cruz mit einem Kabel kommt, über das man die Standalone-Brille wahlweise an den PC anschließen kann.

Mehr Informationen zu Santa Cruz stehen in unserem Sammelartikel.

| Featured Image: Bethesda

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