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Snaps neues Augmented-Reality-Feature soll Objekte identifizieren können

von Matthias Bastian9. Februar 2017

Update vom 9. Februar 2017:

Laut einem Bericht der Tech-Webseite The Information entwickelt Snap eine neue Generation Augmented-Reality-Filter für die Snapchat-App. Diese sollen reale Objekte in Echtzeit scannen und identifizieren können, um digitalen Einblendungen passgenau auf deren Oberfläche einzubetten.

Das Feature wird in einer internen Version der App bereits getestet und soll in neuen Filtern in naher Zukunft ausgerollt werden. Potenzial bietet die Funktion in vielen Bereichen, speziell für Werber, die zahlreiche Oberflächen in Werbeplakate verwandeln könnten, ohne auf vorgegebene Marker angewiesen zu sein.

Dennoch sollte man nicht die gleiche Präzision erwarten, wie sie Geräte bieten, die mit ergänzender Hardware fürs 3D-Scanning ausgerüstet sind. Snaps Engagement zeigt aber allemal, wo die Reise mit Augmented Reality vorerst hingeht: Die Technologie wird bis auf weiteres als spielerische und nützliche Ergänzung ins Smartphone-Ökosystem integriert. Dezidierte Brillen wie Microsofts Hololens sind noch weit von der Marktreife entfernt.

Ein weitere Zwischenschritt sind Smartphones mit verbauten Augmented-Reality-Sensoren, wie Google sie in diesem Jahr gemeinsam mit Partnern zahlreich auf den Markt bringen will.

Update vom 11. November 2016:

Snap startet den Verkauf der neuen Videobrille Spectacles denkbar ungewöhnlich. Das Unternehmen stellt zufällig und temporär Verkaufsautomaten auf, sogenannte “Snapbots”. Diese wechseln alle 24 Stunden ihre Position. Am Venice Beach in Los Angeles reihten sich laut Techcrunch gestern einige hundert Menschen ein, um eine der 120 US-Dollar teuren Sonnenbrillen zu ergattern.

Die Brille wird über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Sie hat zwei Knöpfe: Der eine löst eine kurze Videoaufnahme von zehn Sekunden aus. Der andere synchronisiert die Inhalte mit dem Smartphone.

Anschließend können die Videos am Smartphone mit Stickern und ähnlichem verziert werden. Offenbar greifen Snaps Augmented-Reality-Features nicht im Nachhinein, denn die typischen AR-Linseneffekte können noch nicht auf die runden Videos angewandt werden.

Wenn die Brille ein Video aufzeichnet, dreht sich auffällig ein LED-Signal am Brillenbügel. Damit will Snap Vorwürfe wie bei Googles Glass umgehen, dass Brillenträger heimlich Videos und Fotos aufzeichnen.

Urspünglicher Artikel vom 9. November 2016:

Snap Inc. geht den nächsten Schritt in die Augmented Reality: Neue Foto- und Videofilter erweitern die Umgebung digital.

Snap, ehemals Snapchat, wird häufig als Facebook-Konkurrent, Social Network und Chat-Plattform gehandelt. Das ist nachvollziehbar und sicher nicht falsch, entspricht aber nicht dem Selbstbild des jungen Unternehmens. Denn Snap bezeichnet sich offiziell als Kameraunternehmen.

Betrachtet man, was Snap mit den Fotos und Videos unsere Kameras anstellt, könnte man diese Beschreibung noch präzisieren: Snap Inc. ist ein Augmented-Reality-Kameraunternehmen, das Smartphones beibringt, die Außenwelt zu sehen. Für die AR-Branche könnte Snap ein entscheidender Wachstumstreiber werden.

“Snap Inc. ist ein Unternehmen, bei dem sich alles um die Kamera dreht. Wir glauben, dass in der Neuerfindung der Kamera unsere größte Chance steckt, die Art und Weise zu verbessern, wie Menschen leben und kommunizieren.” Selbstbeschreibung von Snap Inc.

Das Computer-Vision-Team von Snap vollbrachte in den letzten Monaten kleine Wunderdinge nur mit einer herkömmlichen Smartphone-Linse. Gesichter werden glaubhaft digital erweitert und verändert, werden dicker, dünner, bekommen Hundeschauzen, Augenklappen, Feenstaub. Snapchat bietet mittlerweile eine große Anzahl dieser interaktiven Foto- und Videofilter.

Für die junge Zielgruppe ist das großes Entertainment und für die Chat-App ein klares Alleinstellungsmerkmal. Es ist außerdem die Vorstufe zu einer glaubhaften Verschmelzung von digitalen und realen Sphären und schafft Akzeptanz für eine digital erweiterte Realität.

Snap launcht “World Lenses”

Snap Inc. geht mit den “World Lenses” den nächsten Schritt und verändert nicht mehr nur die Gesichter der Nutzer, sondern verschönert auch die Umgebung mit digitalen Verzierungen. Schon der Name des neuen Features gibt einen Ausblick auf das, was uns in Zukunft erwartet: Wir bekommen eine Linse für die Welt. Schaut man hindurch, sieht sie anders aus.

Mit den ersten sieben dieser Linsen kann man unter anderem Schnee, Herzen, eine Taschenlampe oder regenbogenkotzende Wolken in der Realität platzieren. Ähnlich wie Emoticons oder Meme-Gifs ist das ist eine neue Form sich kreativ auszudrücken und zu kommunizieren.

Auch eine Anbindung an Snaps kommende Videobrille “Spectacles” ist seit dem World-Lenses-Update in den Menüs verborgen. Die neuen Filter sind wie gemacht für die Kamerabrille: Nutzer könnten ohne störendes Smartphone in der Hand Videos aus der Ich-Perspektive drehen und diese anschließend mit digitalen Elementen verzieren. Bislang steht das Update nur für die iOS-App zur Verfügung.

Anders als Microsoft mit Hololens, Facebook mit Oculus VR oder Google mit Magic Leap sucht Snap eher den sanften Übergang in die erweiterte Realität. Das Unternehmen setzt auf die Technologie, die ohnehin im Alltag der eigenen Nutzer fest verankert ist: Das Smartphone.

Und Spectacles ist eine modische Brille mit schlankem Formfaktor, die anders als Google Glass durchaus Chancen hat, nicht an der sozialen Akzeptanz der Mitmenschen zu scheitern. In Kombination ermöglichen Smartphone und Kamerabrille fortschrittliche AR-Erlebnisse, wenn auch nur in Retrospektive. AR-Berechnungen, die in Echtzeit ins Sichtfeld gerendert werden, sind die nächste mögliche Ausbaustufe in Snaps AR-Strategie.

Man darf gespannt darauf sein, was das talentierte Computer-Vision-Team von Snap mit richtiger Augmented-Reality-Hardware anstellen wird. Ein möglicher Kandidat sind die Tango-Smartphones, die im kommenden Jahr von zahlreichen Herstellern auf den Markt kommen sollen. Ebenso dürfte Apple über kurz oder lang die notwendige Sensorik für echte Augmented Reality ins Smartphone integrieren.

Und es ist nicht ausgeschlossen, dass Snap eine eigene Augmented-Reality-Hardware beisteuert. Gerüchte dazu tauchten in den vergangenen Monaten immer wieder auf.

| Featured Image: Josh Constine (Screenshot bei YouTube)| Via: The Verge

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