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Social-Virtual-Reality: vTime für Gear VR

von Carolin Albrand30. Dezember 2015

Spätestens seit dem Einstieg von Facebook in Virtual Reality ist klar: VR soll Menschen nicht isolieren, sondern sie im virtuellen Raum zusammenzuführen und neue Formen der Interaktion via Internet ermöglichen. Die App vTime für Gear VR versucht genau das.

Die Entwickler der App stellen eine ganze Reihe an virtuellen Umgebungen bereit, in denen man sich mit Freunden treffen kann, um sich zu unterhalten. Vom Lagerfeuer im Wald über das berühmte Yosemite Valley bis hin zur Spitze eines Berges gibt es eine Reihe von realistischen und phantasievollen Szenarien. Einige der 3D-Umgebungen wurden mit interaktiven Elementen aufgepeppt, die die Szenen lebendiger wirken lassen sollen, beispielsweise Tiere, die durch das Bild marschieren oder fliegen. Diese dynamischen Elemente sollen regelmäßig erneuert werden und so für Abwechslung sorgen. Sogar eigene 360-Fotos können als Chat-Umgebung genutzt werden; auf diese Art könnte man sich in Zukunft mit räumlich entfernten Verwandten und Freunden die 360-Urlaubsbilder ansehen.

Kommuniziert wird über Avatare, die an eine Comicfigur erinnern, aber relativ realistische Proportionen haben. Das Uncanny Valley konnte einigermaßen vermieden werden. Die Avatare bewegen den Kopf passend zu den Kopfbewegungen der realen Person, sodass man beim Gesprächspartner allein anhand der Blickrichtung und den Kopfbewegungen Zustimmung, Ablehnung oder eventuelles Desinteresse ablesen kann – wie in der Realität eben auch. Ergänzt werden die Kopfbewegungen durch simulierte Gestik und Mimik, die die Interaktion natürlicher wirken lassen sollen.

Die Alpha von vTime kann ab sofort kostenlos im Oculus Store für Gear VR heruntergeladen werden. Sollten sich soziale Netzwerke in der virtuellen Realität ähnlich entwickeln wie in der Wirklichkeit, kann man davon ausgehen, dass am Ende nur wenige Netzwerke überleben – und zwar die, die früh viele Nutzer haben. Laut den Entwicklern ist es daher das primäre Ziel in den kommenden Monaten, eine möglichst große Nutzerbasis aufzubauen. Deshalb soll Anfang nächsten Jahres auch eine Smartphone-Version für Google Cardboard erscheinen, die mit der Version für Gear VR kompatibel ist.

Auch wenn die vorhandenen Trailer von außen noch sehr steif wirken und eher an die frühen Zeiten von Second Life erinnern – das VR-Erlebnis ist ein komplett anderes. Denn man sieht sich nicht aus der Beobachterperspektive, sondern so, als würden man dem Gesprächspartner in der virtuellen Welt direkt gegenüber sitzen und ihm in die Augen schauen. Die gefühlte Nähe zwischen den Gesprächspartnern ist also deutlich größer, als dass im Video den Eindruck erwecken mag.

Noch mehr Social-VR: Altspace VR und Oculus Social

Eine weitere bekannte Social-VR-App ist Oculus Social für Gear VR von den Oculus-Rift-Erfindern Oculus VR. Im virtuellen Kino kann man mit Fremden und Freunden über Voice-Chat sprechen und gemeinsam Videos von Vimeo oder Twitch streamen. Dafür braucht es nur einen Kopfhörer, für die Sprachübertragung wird das im Smartphone verbaute Mikrofon genutzt. Kopfbewegungen werden ebenso wie bei vTime exakt in die virtuelle Realität übertragen; man kann also auch ohne Voice-Chat bereits mit einem einfachen Nicken oder Kopfschütteln auf Fragen antworten. Kommuniziert wird auch hier über virtuelle Avatare, die allerdings einer reinen Phantasiewelt entsprungen sein könnten und nur als sprechende Köpfe dargestellt werden. Die Funktionalität der App ist noch bewusst einfach gehalten, soll aber in den kommenden Monaten laufend erweitert werden.

Oculus Social ist Oculus VRs und Facebooks Experimentierfeld für soziale VR-Anwendungen. Bisher hat sich der blaue Riese noch nicht im Detail über konkrete Pläne ausgelassen, wie Facebook plant, in Zukunft Menschen in Virtual Reality miteinander zu vernetzen. Dass das aber ganz oben auf der Agenda steht, macht Facebook-Chef Marc Zuckerberg bei jeder Gelegenheit deutlich.

Ein schon etablierter Wettbewerber von Oculus Social und vTime ist Altspace VR. Das soziale VR-Netzwerk ist sowohl für Oculus Rift, HTC Vive und Gear VR verfügbar und startete bereits in 2013 mit einer sehr einfachen und experimentellen Version. Seitdem ist Altspace VR kontinuierlich gewachsen und wird mittlerweile großzügig von namhaften Investoren wie Comcast unterstützt. Rund 15 Millionen US-Dollar konnte Altspace VR seit der Gründung in Finanzierungsrunden einsammeln, unter anderem wird mit dem Geld ein Live-Event-Bereich in der virtuellen Realität aufgebaut. Dort können Nutzer beispielsweise gemeinsam Sportübertragungen anschauen. Auch verschiedene Spiele sind geplant, bereits vorhanden ist eine Adaption des bei Rollenspielern beliebten Dungeons & Dragons, das vollständig in die virtuelle Welt integriert wurde. Sogar an die Arbeit wurde gedacht – unter anderem kann man sich in ein persönliches Büro zurückziehen, in dem man über mehrere Monitore hinweg Zugang zum Internet und einen Ausblick über die Dächer einer Großstadt hat. Altspace VR ist aktuell das soziale Netzwerk in VR mit den meisten Features und ist auch ohne VR-Brille für jedermann zugänglich. Den Zugang zur Testversion gibt es hier.

GIF AltspaceVR ist eine soziale Plattform in der sich Nutzer in Virtual Reality treffen können.
| VIA: Road to VR
| FEATURED IMAGE: vTime