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Social-VR-Entwickler: “Belästigungen können dir den Tag verderben”

von Tomislav Bezmalinovic10. August 2017

Die Social-VR-Plattform “Rec Room” gehört zu den beliebtesten virtuellen Treffpunkten der Virtual Reality. Der Kundenmanager Cameron Brown erzählte bei einem Vortrag, wie es seinem Studio gelang, eine freundliche VR-Gemeinschaft aufzubauen und Übergriffe verbaler und physischer Natur mit einfachen technischen Tricks einzudämmen.

Virtual Reality vermittelt ein starkes Gefühl von körperlicher Anwesenheit. Ein beliebtes Beispiel dafür ist der virtuelle Abgrund, vor dem man instinktiv zurückschreckt, obwohl er nicht real ist. “Er löst eine Urangst in dir aus, obwohl du weißt, dass dir nichts passieren kann”, sagte Cameron Brown bei einem Vortrag auf der Casual Connect in Seattle.

Laut Brown gilt dasselbe für Social-VR-Erfahrungen. Belästigungen erhalten hier eine neue, physische Dimension: “Wenn dir jemand zu nahe kommt, nach deinem Intimbereich greift oder obszöne Gesten macht, dann flippst du aus. Die meisten Leute glauben es nicht, bis sie es selbst einmal erleben. Körperliche Belästigung wirkt sehr stark in der Virtual Reality. Sie kann dir den Tag verderben”, sagt Brown.

Ein christlicher Verein als Vorbild

Um die Nutzer vor solchen Übergriffen zu schützen und eine ebenso friedliche wie einladende Gemeinschaft zu schaffen, verfolgt das Studio zwei ganz unterschiedliche Strategien. “Ich dachte darüber nach, wem so etwas gelungen war und da kam mir die CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) in den Sinn”, erzählte Brown.

“Sie besitzen einen Verhaltenskodex. Wir haben nicht die gleichen Regeln, aber der Gedanke war, dass die Nutzer auf festgeschriebene Regeln verweisen können”, sagt Brown. Das sei ein mächtiges, soziales Werkzeug, das Nutzer dazu veranlasste, sich gegenseitig und ohne Eingriffe von außen im Zaum halten.

Sprich zu der Hand

Um Belästigungen verbaler und physischer Natur seitens unverbesserlicher Störenfriede einzudämmen, hat das Studio zwei Lösungen entwickelt. So kann man unliebsame VR-Nutzer einfach stumm schalten. Diese Funktion war am Anfang in einem Untermenü versteckt, was Probleme mit sich brachte. Brown erzählt von einer Frau, die von einem VR-Nutzer verbal belästigt wurde. Ihre Freundinnen wollten ihr helfen und durchsuchten die Menüs nach der Funktion, sodass sich die Frau schutzlos und alleingelassen fühlte.

Deshalb entwarf das Studio eine intuitivere Lösung für das Problem: Nutzer können eine Sprich-zu-der-Hand-Geste ausführen, worauf der Missetäter nach Ablauf eines kurzen Timers stummgeschaltet wird. “Diese Geste ist sehr viel effektiver”, sagt Brown. “Du musst dich nicht ausklinken, sondern gibst klar deine Absicht zu erkennen. Und man kann sich leicht an sie erinnern, wenn man unter Druck steht.”

Eine Schutzblase für die Intimsphäre

Das Studio hat zudem eine unsichtbare Blase um das virtuelle Alter Ego eingebaut, die die Intimsphäre schützt. Übertritt ein anderer VR-Nutzer diese Grenze, wird sein virtueller Körper und seine Stimme automatisch ausgeblendet. Das hat den Vorteil, dass Belästigungen unterbunden werden, noch bevor sie passieren. Den Radius der Schutzblase können VR-Nutzer in einem Menü festlegen.

Brown empfiehlt Entwicklern von Social-VR-Apps mindestens zehn Prozent der Ressourcen in die Pflege der Gemeinschaft zu investieren. Der Erfolg gibt den Entwicklern Recht: Rec Room gehört zu den bestbewerteten VR-Spielen auf Steam und hat laut Steamspy über 270.000 Besitzer. Das sind mehr als doppelt so viele wie AltspaceVR, das bei VR-Nutzern ebenfalls beliebt war, aber letzte Woche den Dienst einstellen musste.

| Featured Image: Against Gravity | Source: Games Industry

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