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Social-VR mit HTC Vive: Google teilt Wissen

von Matthias Bastian8. Juni 2016

Als ich das erste Mal am virtuellen Billardtisch einem anderen Menschen gegenüberstand, war es mir direkt klar: Social-VR ist die Killer-App für Virtual Reality. Nicht Spiele, nicht 360-Videos und auch keine sonstigen “Erfahrungen” werden dem neuen Medium zum Durchbruch verhelfen, sondern die Telepräsenz.

Zugegeben sind die ersten Schritte, soziale Interaktion im virtuellen Raum zu ermöglichen, allesamt noch recht hölzern und versprühen derzeit noch einen dezenten 90er-Jahre Charme. Aber eben das ist es, was beeindruckt: Obwohl Social-VR noch recht grob und unausgereift ist, beispielsweise nur rudimentäre Avatare samt eingeschränkter Mimik und Gestik bietet, entfaltet das soziale Miteinander im virtuellen Raum bereits eine eindrückliche Wirkung. Wie eindrücklich, das könnt ihr in unserem Testbericht für eine virtuelle Kneipensimulation samt Billardtisch (Pool Nation VR) nachlesen.

Kein Wunder also, dass große Unternehmen wie Google oder Facebook in Virtual Reality investieren, denn sie haben das Potenzial von Social-VR lange erkannt. Google-Entwickler Rob Jagnow teilt nun die ersten Erkenntnisse aus bisherigen Social-Experimenten. Interessant ist, dass Google diese Projekte offenbar nicht mit Cardboard- oder Daydream-Brillen durchführt, sondern mit HTC Vive.

Unter anderem bezeichnet Jagnow Einfachheit als “mächtiges Werkzeug” für glaubhafte soziale VR-Erfahrungen. Simple Avatare, die nur aus schwebenden Köpfen samt aufgeklebten Comic-Augen und virtuellen Hände bestehen, reichen laut Jagnow bereits aus, um ein Gefühl der “geteilten Präsenz” zu erzeugen. Die Comic-Augen gäben Nutzern ein besseres Gefühl dafür, wo sie bei Gesprächen hinschauen müssten; die Blickrichtung der virtuellen Augen orientiert sich am Headtracking der VR-Brille.

Körpergröße zählt auch in der virtuellen Realität

Weiterhin beschreibt Jagnow einen Effekt, den auch wir in Social-VR-Erfahrungen bereits deutlich wahrnehmen konnten: Die Anwesenheit einer zweiten Person im virtuellen Raum bindet die eigene Aufmerksamkeit enorm und dient so als Präsenzverstärker.

“Wenn jemand in der virtuellen Welt dazukommt, dann haben wir immer wieder beobachtet, dass die reale Welt aus dem Bewusstsein verschwindet. Das ist für Mehrspieler-Erfahrungen optimal, weil es die VR-Erfahrung extrem einnehmend macht”, schreibt Jagnow. Er empfiehlt, spielerische Elemente als Eisbrecher in die VR-Anwendung einzubauen und den Nutzern gemeinsame Ziele aufzutragen.

Außerdem spricht Jagnow die Körpergröße als variablen Faktor in der virtuellen Realität an. Sie könne beliebig skaliert werden und entfalte dabei eine große Wirkung auf die soziale Interaktion zwischen den Avataren. So würde es beispielsweise Unterschiede im Umgang geben, wenn alle Avatare gleich groß seien oder wenn sich jeder Avatar selbst als besonders groß wahrnehme.

Soziologen und Psychologen an Universitäten, beispielsweise am Stanford Human Interaction Lab, experimentieren schon seit einigen Jahren mit solchen Möglichkeiten, um mehr über das Sozialverhalten von Menschen zu lernen.

| Source: Google | Featured Image: Google