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Sonys ausgefallene Virtual- und Augmented-Reality-Experimente auf dem SXSW-Festival

von Matthias Bastian18. März 2017

Auf dem “South By South West” Festival in den USA zeigt Sony eine ganze Lagerhalle voller medialer Erfahrungen, die sich spielerisch mit Virtual und Augmented Reality befassen.

Dabei stand nicht allein Playstation VR im Vordergrund, im Gegenteil. Sonys Ingenieure bedienen sich ganz unterschiedlicher Technologien, um die Zukunft des Entertainments zu erforschen.

In der “Wow Factory” wurden ganz bewusst Produkte gezeigt, die noch weit von der Marktreife entfernt sind und den experimentellen Zustand womöglich nie verlassen. Sie sind ein Ausblick darauf, wie Menschen zukünftig mit Computern interagieren könnten. Nicht mehr verkrampft über die Tastatur gebeugt, sondern mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen.

VR physisch erleben mit dem Synthesia Suit

Da wäre zum Beispiel Sonys “Synthesia Suit”, in dem 26 Motoren verbaut sind, die passend zur Virtual-Reality-Erfahrung Vibrationen auf den kompletten Körper übertragen. Das soll die immaterielle VR-Welt physisch verdeutlichen.

Demonstriert wurde der ungewöhnliche Anzug mit dem trippigen Form- und Farbenshooter Rez Infinite für Playstation VR. Die Vibrationen passen sich der Musik sowie den Aktionen im Spiel an. Im Video wird die Funktionsweise des Anzugs erklärt. Dass der jemals als kommerzielles Produkt erscheint, ist unwahrscheinlich.

Auf dem Fahrrad durch die Galaxis

Eine ähnlich ungewöhnliche Erfahrung ist der “Music Visualizer” im “Cyber Gym”. In einer Art Dome-Kino nimmt der Nutzer auf einem Fahrrad Platz, das mit Sensoren ausgestattet ist. Die erfassen die Bewegungen des Lenkers und der Pedale und synchronisieren Lenkrichtung und Fahrgeschwindigkeit mit dem virtuellen Rad im Weltall. Tretfaule Nutzer können sich in einen Sessel fallen lassen, statt auf dem Fahrradsattel zu strampeln.

Klettern mit Spiderman

Die Superheldenfähigkeit von Spiderman: Klettern wie eine Spinne. Dem Durchschnittsmenschen ist ein solches Talent nicht vergönnt, aber mit Sonys ungewöhnlicher Boulderwand kann man sich zumindest mit dem großen Vorbild messen. Ein spezieller Beamer, der auf Bewegungen reagiert, wirft ein Bild auf die Kletterwand und platziert digitale Objekte entlang der Kletterroute.

Die sind interaktiv und reagieren, sobald ein Mensch die Hand auf einen der Griffe legt. Neu ist die Idee nicht: es gibt bereits Kletterhallen, die mit dieser Technologie eine Klettertour wie ein Videospiel augmentieren und dem Sport eine spielerische Komponente hinzufügen.

Groove durch Bewegung

Für gewöhnlich versucht sich der Mensch beim Tanzen dem Rhythmus der Musik anzupassen. Sonys kleine Sensorfesseln kehren den Prozess um. Die Geräte werden um die Hand- und Fußgelenke getragen und erkennen selbst sehr subtile Bewegungen, die von einer Software in einen Groove übersetzt werden. Interessante Technologie für Möchtegern-Tänzer ohne Rhythmusgefühl – aus dem Takt zu kommen, dürfte hier unmöglich sein.

Cave der nächsten Generation

Schon viel länger als die jetzt wieder aktuellen VR-Brillen werden für Virtual-Reality-Erlebnisse sogenannte Cave-Systeme eingesetzt. Die funktionieren – einfach ausgedrückt – wie umgekehrte VR-Brillen.

Anstatt sich ein Gerät auf den Kopf zu setzen, betritt man einen Raum, in dem das Bild in 360-Grad an Wände projiziert wird und auf die Bewegungen des Nutzers reagiert. Auf der SXSW zeigte Sony eine neuen 4K-Projektor, der den Platzbedarf einer Cave verringern soll bei höherer Bildqualität. Sony möchte das Gerät in erster Linie an Unternehmen verkaufen.

Multi-User-Erfahrung mit HTC Vive

Sonys VR-Erfahrung “Gold Rush VR” soll ein Ausblick darauf sein, wie das World of Warcraft der Zukunft in einer Virtual-Reality-Spielhalle funktionieren könnte. Ähnlich wie in der VR-Arcade “The Void” wird die Realität mit digitalen Objekten überlagert. So können Nutzer einen virtuellen Zug physisch betreten, der in der Wirklichkeit an passender Stelle steht. Mit dem starten bis zu vier Nutzer gleichzeitig in eine Zeitreise, auf der Suche nach Quests und Items.

Geruchsimulation mit Aromastic

Den kleinen Aromazerstäuber “Aromastic” präsentierte Sony weder auf der SXSW noch im Kontext von Virtual Reality. Dennoch könnte die Erfindung zukünftig für virtuelle Erfahrungen relevant sein.

Fünf verschiedene Aromen sind in dem Gerät gespeichert, die auf Knopfdruck freigesetzt werden. Der Geruch soll sich nicht im ganzen Raum ausbreiten, sondern nur unmittelbar vor der Nase des Nutzers entfalten. Für die zweite Generation VR-Brillen könnte so eine olfaktorische Ergänzung ein interessantes Feature sein, um virtuelle Welten noch glaubhafter zu machen.

Ergänzend zum VR-Hitspiel “Resident Evil 7” brachten Sony und Capcom eine spezielle Duftkerze auf den Markt, die den modrigen Geruch eines Horrorhauses verbreitet. Allerdings stinkt die Kerze die gesamte Bude voll und wird so zu einer Belastung für die Mitbewohner. Mit Aromastic soll zumindest dieses Problem gelöst sein.

| Featured Image: Sony Japan (Screenshot bei YouTube)

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